Bundesliga

Andersson beschert Union den ersten Punkt

Beim 1:1 in Augsburg stechen die Joker von Trainer Urs Fischer. Der Bundesliga-Aufsteiger sendet ein Signal an die Konkurrenz.

Unions Sebastian Andersson (M.) erzielt gegen Augsburg den ersten Bundesliga-Treffer der Vereinsgeschichte.

Unions Sebastian Andersson (M.) erzielt gegen Augsburg den ersten Bundesliga-Treffer der Vereinsgeschichte.

Foto: Bernd Feil/M.i.S. / MIS

Berlin/Augsburg. Während Sebastian Polter noch lamentierte, hielt Teamkollege Rafal Gikiewicz den Punkt in letzter Sekunde fest. Es waren dramatische Schlussminuten für den 1. FC Union, in denen der Köpenicker Fußball-Bundesligist am Sonnabend zwischen Frust und Erleichterung schwankte. Das 1:1 (0:0) beim FC Augsburg bescherte dem Aufsteiger den ersten Bundesliga-Punkt der Vereinsgeschichte.

Vor allem Stürmer Polter hatte am Sieg geschnuppert, als er in der fünften Minute der Nachspielzeit im Strafraum des FCA umgerissen wurde. Elfmeter? Nein, entschied der Videoassistent. Sehr zum Unmut des Union-Stürmers, der dann auch noch mitansehen musste, wie Augsburgs Alfred Finnbogason Sekunden vor dem Ende Richtung Sieg marschierte. Endstation: Berlins Keeper Gikiewicz, der den Schlusspfiff mit einem tiefen Seufzer quittierte.

Fischer verändert seine Startelf auf vier Positionen

„Wir haben defensiv gut gestanden“, sagte Union-Kapitän Christopher Trimmel, „auch in der Offensive haben wir die eine oder andere Chance gehabt. Das Ergebnis ist gerecht.“ Der Punkt in Augsburg, er war der Lohn für einen mutigeren Auftritt als noch vor einer Woche, als die Berliner mit 0:4 gegen Leipzig untergegangen waren. Trainer Urs Fischer hatte danach mehr gefordert. Mehr Mut, mehr Tempo, mehr Zweikampfstärke, mehr Stabilität. All das zeigte seine Mannschaft vor 27.703 Fans, darunter 2500 mitgereiste Anhänger aus Berlin.

Das lag auch daran, dass der Coach seine Mannschaft im Vergleich zur Auftaktpleite gleich auf vier Positionen umbaute, im 4-4-2-System auf eine Mischung aus offensiver Risikobereitschaft und defensiver Erfahrung setzte. Neven Subotic feierte in der Innenverteidigung nach 616 Tagen sein Bundesliga-Comeback, für den ehemaligen BVB-Profi musste der Ex-Augsburger Marvin Friedrich auf die Bank. Sheraldo Becker ersetzte auf der rechten Außenbahn Suleiman Abdullahi. Im Angriff entschied sich der Trainer mit Marcus Ingvartsen und Anthony Ujah für zwei Spitzen. Für das Stürmer-Duo mussten Sebastian Andersson und Christian Gentner weichen. Bundesliga-Routinier Gentner (34) stand verletzungsbedingt gar nicht im Kader.

Innenverteidiger Schlotterbeck fliegt mit Rot vom Platz

Dennoch dauerte es mehr als eine halbe Stunde, ehe die Köpenicker die Verunsicherung abschüttelten und mit Marius Bülters Versuch aus 23 Metern (35.) und Keven Schlotterbecks Kopfball (41.) zeigten, dass sie das Spiel nicht nur aus der Defensive heraus gestalten wollen. Robert Andrichs Schuss aus dem Rückraum (44.) hätte nicht unverdient zur 1:0-Pausenführung einschlagen können, wäre nicht Augsburgs Zugang Tin Jedvaj vor der Linie zur Stelle gewesen. Hoffnung machte aber besonders die – dank Subotic – stabilere Defensive. Kapitän Trimmel überzeugte zudem mit 100 Prozent gewonnener Zweikämpfe.

Einer wenig aufregenden Halbzeit folgten 45 Minuten, die für Unions Schlotterbeck ein unschönes Ende nahmen. Erst verlor der Innenverteidiger in der 59. Minute den entscheidenden Zweikampf gegen Augsburgs Florian Niederlechner, der ungehindert flanken und sich mit Torschütze Ruben Vargas über das 1:0 freuen konnte. Dann stellte ihn Schiedsrichter Robert Schröder nach einem Foul an Niederlechner mit Rot vom Platz (83.). Eine harte Entscheidung. Schlotterbeck war zwar mit offener Sohle vorangegangen, hatte den Gegner aber nur leicht touchiert.

Für Subotic geht es am kommenden Wochenende gegen den Ex-Klub

Fast zehn Minuten hatten die Berliner also in Unterzahl überstehen müssen, den Punkt verteidigt, wie eine Löwenmutter ihr Junges. Denn Trainer Fischer hatte zuvor ein glückliches Händchen bewiesen. In der 71. Minute brachte der Schweizer Sebastian Andersson und Polter für die teils wirkungslosen Ujah und Ingvartsen. Es dauerte nur Sekunden, bis Polter den Ball knapp neben das Tor köpfte (72.). Es war der Auftakt einer Köpenicker Sturm- und Drangphase, die mit dem Ausgleich in der 80. Minute belohnt wurde.

Nach einem Abpraller von Jedvaj landete der Ball wieder bei Polter, der sich direkt auf den Weg Richtung FCA-Tor machte. Statt selbst sein Glück zu versuchen, passte der 28-Jährige uneigennützig auf den besser positionierten Andersson, der locker zum 1:1 einschob. Eine ansehnlich herausgespielte Kombination des Joker-Duos. „Ich freue mich über den Punkt. Wie wir das Tor geschossen haben, das spricht auch für den Verein“, sagte Bundesliga-Rückkehrer Subotic, der nun am kommenden Sonnabend auf seinen Ex-Klub Dortmund trifft (18.30 Uhr, Alte Försterei).