Bundesliga

Union startet ins Abenteuer Bundesliga

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Michael Färber
Union-Trainer Urs Fischer freut sich, dass es wieder losgeht.

Union-Trainer Urs Fischer freut sich, dass es wieder losgeht.

Foto: Robin Rudel / picture alliance / Pressefoto Rudel

Union-Trainer Fischer bittet den Aufsteiger am Sonnabend zum ersten Training. Dann steht auch fest, wer erster Bundesliga-Gegner ist.

Berlin. Auf diesen Tag haben die Fans des 1. FC Union gewartet. Denn er wird die Planungen für die kommenden Monate massiv beeinflussen. Wann kommen die Bayern oder Dortmund, vor allem aber: Wann steigen die Derbys gegen Hertha BSC? Am Freitag gibt es ab 12 Uhr Gewissheit, dann stellt die Deutsche Fußball-Liga (DFL) den Spielplan für die Saison 2019/20 vor.

Ein Tag, der auch für Oliver Ruhnert von entscheidender Bedeutung ist. „Dann sehe ich, dass wir in der Bundesliga sind, und dann habe ich es auch endlich realisiert“, erklärte der Geschäftsführer Profifußball des Aufsteigers.

Als 56. Mitglied der deutschen Eliteklasse, als fünfter Klub aus Berlin nach Hertha, Tasmania 1900, Tennis Borussia und Blau-Weiß 90, geht Union in eine Saison, die den Klassenerhalt zum Ziel hat. Der noch jungen Zusammenarbeit zwischen Ruhnert und dem Schweizer Trainer Urs Fischer wäre dann ein erfolgreiches Kapitel hinzugefügt.

Ujah wirbelt Union-Sturm durcheinander

„Es wird eine Herausforderung werden“, ist sich Trainer Fischer sicher: „Der Unterschied der Budgets muss sich ja bemerkbar machen. Aber du kannst mit Teamgeist und Solidarität viel machen.“ Trümpfe, die schon in der Relegation gegen den VfB Stuttgart (2:2, 0:0) gestochen haben.

Doch nur allein mit Teamgeist wird eine Bundesliga-Saison kaum zu überstehen sein. So zeigten sich die Köpenicker in den vergangenen Wochen bereits äußerst aktiv auf dem Transfermarkt.

Als spektakulär ist sicher der Wechsel von Anthony Ujah an die Alte Försterei zu bezeichnen. Zum einen stößt Union mit dem Rekordtransfer (zwei Millionen Euro Ablöse an Mainz 05) in finanziell neue Dimensionen vor. Zum anderen wird der Ex-Kölner den Angriff gehörig durcheinanderwirbeln. Zumal die etablierten Sebastian Andersson und Sebastian Polter mit dem dänischen U21-Nationalstürmer Marcus Ingvartsen gleich noch einen Konkurrenten zur Seite gestellt bekommen.

Union investiert rund fünf Millionen Euro

Insgesamt rund fünf Millionen Euro hat Union bislang investiert, neben Ujah und Ingvartsen kommen mit den Ex-Herthanern Robert Andrich und Julius Kade sowie dem Österreicher Florian Flecker und dem Niederländer Sheraldo Becker vier Mittelfeldspieler, dazu mit Moritz Nicolas ein neuer Torwart. Die Eigengewächse Maurice Opfermann und Laurenz Dehl wurden mit Profiverträgen ausgestattet.

Man darf gespannt sein, inwiefern die Aussage Ruhnerts in den Tagen nach dem geglückten Aufstieg noch seine Gültigkeit haben wird. „Die Jungs, die den Aufstieg geschafft haben, werden wir nicht komplett austauschen. Grundsätzlich bauen wir auf sie und werden die Mannschaft weiterentwickeln“, hatte Unions Kaderplaner erklärt.

Bedarf hat Union in jedem Fall noch in der Defensive, nachdem mit Fabian Schönheim und Marc Torrejon zwei Innenverteidiger den Verein verlassen haben und ein Verbleib von Marvin Friedrich fraglich ist. Der FC Augsburg hatte sich eine Rückkaufoption gesichert, als Friedrich im Januar 2018 von den Schwaben nach Köpenick wechselte, und von dieser nun Gebrauch gemacht.

Umschaltspiel als Schlüssel zum Erfolg

„Unser wichtigstes Credo war, Stabilität herbeizuführen. Die wirst du auch in der Bundesliga brauchen, denn du wirst dich nicht mit allen messen können“, hatte Ruhnert erklärt. In Liga zwei hatte Union mit nur 33 Gegentoren die beste Defensive. Auch im Oberhaus wird es für die Berliner vor allem darauf ankommen, kompakt zu stehen.

Als Vorbild für das Premierenjahr nahm sich der Union-Geschäftsführer Fortuna Düsseldorf, den Bundesliga-Aufsteiger aus dem vergangenen Jahr. „Wir müssen im Umschaltspiel eine bessere Chancenverwertung hinbekommen. Siehe Düsseldorf, wo Trainer Friedhelm Funkel immer in der Kritik stand – jetzt ist er Trainer des Jahres.“ Eine Stabilisierung des Umschaltspiels – „ich würde mir wünschen, dass uns das auch gelingt“, so Ruhnert, „das ist ein zentrales Thema für einen Aufsteiger.“

Ärger um Unions neuen Hauptsponsor

Ein erster Aufreger dämpfte die Euphorie im Umfeld recht schnell. Unions Vertrag mit dem neuen Hauptsponsor Aroundtown zog heftige Kritik nach sich. Das in Luxemburg ansässige Unternehmen aus der Immobilien-Branche macht vor allem in Hotels und Gewerbeimmobilien. Zudem hält Aroundtown 39 Prozent an der Grand City Properties. Die Unternehmenstochter ist im Bereich Wohn-Immobilien tätig und in Unions Einzugsgebiet im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick stark vertreten. Angesichts der gerade in der Hauptstadt hitzigen Diskussion um Wohnraum und bezahlbare Mieten wird der Vertrag mit Aroundtown (bis 2021 plus Option für ein weiteres Jahr) als unpassend empfunden. Union kann sich durch den neuen Hauptsponsor pro Saison auf eine bis zwei Millionen Euro freuen. Der Etat, wie Klubchef Dirk Zingler wissen ließ, werde sich um 20 Millionen auf rund 70 Millionen Euro erhöhen.

Unions Sommerfahrplan

29. Juni, 10 Uhr: Trainingsstart

30. Juni bis 3. Juli: Kurztrainingslager in Bad Saarow

6. Juli, 15:30 Uhr: Saisonauftakt in der Alten Försterei, Testspiel gegen Bröndby IF Kopenhagen

8. bis 18. Juli: Trainingslager in Windischgarsten/Österreich

12. Juli, 18 Uhr: Testspiel SV Ried - 1. FC Union

13. Juli, 15 Uhr: Testspiel FC Blau-Weiß Linz - 1. FC Union

17. Juli, 19 Uhr: Testspiel First Vienna FC - 1. FC Union

20. Juli, 15.30 Uhr: Testspiel Erzgebirge Aue - 1. FC Union

9. bis 12. August: DFB-Pokal. 1. Runde, Germania Halberstadt - 1. FC Union

16. bis 18. August: 1. Bundesliga-Spieltag