Fussball

Union steht in der Tradition von TeBe und Blau-Weiß 90

Neben Hertha BSC kennen noch drei andere Klubs aus der Hauptstadt die Erste Liga. Doch das ist lang her – und wenig ruhmreich.

Torjäger KarlHeinz Riedle (3.v.r.) war 1986 der Star bei Aufsteiger Blau-Weiß 90 Berlin.

Torjäger KarlHeinz Riedle (3.v.r.) war 1986 der Star bei Aufsteiger Blau-Weiß 90 Berlin.

Foto: PA/DPA

Berlin.  Hauptstadt und Bundesliga? Das ist mehr als Hertha BSC. Natürlich hat die alte Dame als 12. in der Ewigen Tabelle der Bundesliga das Bild vom Berliner Fußball in der seit 1963 bestehenden deutschen Eliteklasse entscheidend mitgeprägt. Doch es gab drei weitere Vereine aus der Stadt, die den großen Sprung in die erste Liga geschafft haben. Wenn auch nicht ganz so erfolgreich, wenn auch nicht ganz so ruhmreich, wenn auch nicht ganz so nachhaltig – und vor allem soo lange her.

Da wäre es doch die große Aufgabe des 1. FC Union, sich als nun fünfter Berliner Bundesligist dauerhaft als Nummer Zwei in der Stadt auch in der Eliteklasse zu etablieren. Man muss sich ja die anderen drei Klubs nicht gerade zum Vorbild nehmen.

Tasmania Berlin

Fußball-Historiker verdrehen bei dem Namen die Augen. Ja, damals. 1965/66 war’s, die Bundesliga steckte noch in den Kinderschuhen, als der Kiez-Verein aus Neukölln völlig überraschend die Erste Liga enterte. Auch für die Spieler selbst, die aus dem Urlaub zurückgerufen werden und ihre liebgewordenen Arbeitsstellen aufgeben mussten.

Der Drittplatzierte (!) der spielerisch ohnehin schwachen Berliner Regionalliga war nämlich nach dem Zwangsausschluss ausgerechnet von Hertha BSC (wegen eines dicken Lochs im Kassenbuchs) über allerlei Umwege am Grünen Tisch in die Bundesliga gelangt. Und dementsprechend unvorbereitet.

Das Ergebnis ist bis heute Geschichte: wenigste Tore (15), meiste Gegentreffer (108), wenigste Punkte (8:60 nach der damaligen Zwei-Punkte-Regel), wenigste Siege (2), meiste Niederlagen (28): Macht zusammen: Schlechtestes Bundesliga-Team aller Zeiten. Der Abstieg blieb für immer.

Tennis Borussia

Zwei Saisons lang blühten die Veilchen in der Bundesliga. 1974/1975 und 1976/1977 schmückten Namen wie Hubert Birkenmeier im Tor, der spätere Hamburger Abwehr-Recke Ditmar Jakobs, der unverwüstliche Italien-Legionär Karl-Heinz Schnellinger oder der legendäre Torjäger Norbert Stolzenburg den Kader der Charlottenburger, die 1976/77 von niemand Geringerem als Weltenbummler Rudi Gutendorf trainiert wurden.

Leider wurden aus den Bundesliga-Aufführungen nur einjährige Gastspiele. Das Jahr 1974/75 beendete man als 17. mit gerade einmal fünf Siegen. Zwei Jahre später stieg man nach dem Aufstieg gleich wieder ab: Wieder 17. bei diesmal sechs Siegen. TeBe kam nie wieder.

Blau Weiß 90 Berlin

Blau Weiß 90 Berlin: Das Vereinslied schaffte es sogar in das Aktuelle Sportstudio. „Ich bin heiß auf Blau Weiß“ schmetterte Bernhard Brink im ZDF - und nicht nur Berlin war ganz begeistert von diesem poppigen Verein aus Mariendorf, der 1986/87 als Bundesliga-Aufsteiger gar Berliner Nummer Eins vor den (damaligen) Oberligisten Hertha und TeBe war.

Aber ach, der Tand glänzte nur eine Saison. Ein Mäzen in Schieflage, dadurch das Fehlen guter Neuzugänge, 21 sieglose Spiele und ein gewisser Karl-Heinz Riedle, der nach dem Abstieg an Werder Bremen verkauft wurde, bleiben als Erinnerung an diesen einen Bundesliga-Sommer in Blau-Weiß.