Zweite Liga

Union mit Kampfansage an Paderborn

Zweitligist Union gibt sich mit dem Relegationsplatz nicht zufrieden. Die Ausgangslage für den direkten Aufstieg ist denkbar einfach.

Unions Innenverteidiger Florian Hübner (l.) stoppt Paderborns Stürmer Sven Michel.

Unions Innenverteidiger Florian Hübner (l.) stoppt Paderborns Stürmer Sven Michel.

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin. Urs Fischer hatte keine Mühe, die zwei freien Tage zu erklären, die er den Profis des 1. FC Union in der letzten Woche der Saison gönnte. Erst am Mittwoch müssen seine Spieler wieder zum Training erscheinen, „die Jungs haben es sich verdient“, sagte Fischer.

Gerechter Lohn also für das 3:0 im letzten Heimspiel gegen den 1. FC Magdeburg . „Am Schluss ist es ein Geben und Nehmen. Da gehört auch dazu, dass du etwas gibst“, erklärte der Schweizer Coach: „Wir befinden uns am Ende der Meisterschaft, da hat ein Training mehr oder weniger keine Bedeutung mehr. Es ist wichtiger zu regenerieren, auch vom Mentalen her. Was gibt es da Besseres, als zwei Tage mit der Familie zu verbringen.“

Zeit auch, um den bereits jetzt größten Vereinserfolg zu genießen. Dem Fußball-Zweitligisten ist der dritte Platz und damit die Relegationsspiele zur Bundesliga nicht mehr zu nehmen. Drei Punkte und eine um 21 Treffer bessere Tordifferenz gegenüber dem Hamburger SV auf Rang vier sind nur noch theoretisch von den Hanseaten aufzuholen.

Union setzt Paderborn unter Druck

Doch bei Union will man sich nicht mit Aufstiegsspielen gegen den Drittletzten der ersten Liga, dem VfB Stuttgart, zufrieden geben. Die Köpenicker wollen den direkten Aufstieg und schicken auch gleich eine Kampfansage in Richtung SC Paderborn auf Platz zwei.

„Natürlich wollen wir direkt hoch“, sagte Florian Hübner, Unions Innenverteidiger: „Aber wenn wir die Relegation spielen müssen, tun wir auch das. Doch Paderborn weiß, dass wir ihnen im Nacken sitzen.“

So wollte auch Trainer Urs Fischer trotz der Tatsache, dass er Union gleich in seinem ersten Jahr an der Alten Försterei schon jetzt, einen Spieltag vor Saisonschluss, zum größten Vereinserfolg geführt hat, noch keine Glückwünsche entgegennehmen. „Ich sehe es noch nicht als Erfolg an“, untermauerte auch der Schweizer seine Ambitionen.

„Rechnerisch ist es noch nicht sicher, wie ich gehört habe“, sagte Fischer weiter, und fügte mit einem Grinsen hinzu: „Aber es schaut nicht schlecht aus.“

Union braucht in Bochum einen Sieg und muss hoffen

Die Ausgangslage ist denkbar einfach: Union braucht am letzten Spieltag am Sonntag beim VfL Bochum einen Sieg und muss darauf hoffen, dass der SC Paderborn zeitgleich nicht bei Dynamo Dresden gewinnt.

Spielt Union nur unentschieden, müsste Paderborn mit acht Toren Differenz verlieren. Das erscheint selbst im verrücktesten Aufstiegsrennen der Zweitliga-Historie ziemlich ausgeschlossen. Doch Trainer Fischer ist sich sicher, „dass Dresden das letzte Spiel nicht ohne Kampf bestreiten wird“.

Seiner Mannschaft steht die wohl schwierigste Woche der gesamten Saison bevor. Zum einen ist der ganz große Druck, die Aufstiegschance noch verspielen zu können, durch den Sieg gegen Magdeburg zunächst einmal weg. „Das könnte sein. Aber er darf nicht weg sein, weil noch etwas erreicht werden kann“, forderte Fischer.

Union-Trainer Fischer: „Weniger ist mehr“

Es gelte, „die Spannung hochzuhalten, auch wenn jetzt ein gewisses Zwischenziel erreicht ist“, so Fischer. Der 53-Jährige bezeichnete die Atmosphäre innerhalb der Mannschaft nach dem Erfolg im Ostderby als „gelöst. Die Vorzeichen waren ja nicht so einfach, die Mannschaft hat das aber sehr gut angenommen und die Aufgabe souverän gelöst. Natürlich war Freude zu spüren.“

Es dürften viele Kleinigkeiten sein, mit denen Fischer versuchen wird, seine Spieler auf das Bochum-Spiel einzustellen. Gerade in der Endphase einer Spielzeit – vor allem, wenn noch ein großes Ziel zu erreichen ist – dürften die Profis von sich aus derart fokussiert sein, dass es für einen Trainer ohnehin schwer ist, der Mannschaft noch irgendetwas Neues zu vermitteln.

„Wahrscheinlich ist in der jetzigen Phase weniger mehr“, gab Fischer zu. „Die Jungs wissen ja Bescheid, sie sind topfit. Mit einem zusätzlichen Training erreichst du nichts mehr. Vielleicht muss man es auch mal etwas lockerer angehen, vielleicht auch mal mit etwas weniger Analyse. Am Schluss musst du überzeugt sein von dem, was du machst.“

VfB Stuttgart steht unter Beobachtung

In jedem Fall wird das kommende Wochenende für Union ganz im Zeichen des Aufstiegs stehen. Das hat nicht nur mit dem eigenen Gastspiel in Bochum zu tun. Denn bereits am Sonnabend ist am letzten Spieltag der Bundesliga der VfB Stuttgart zu Gast bei Schalke 04.

Für die Schwaben bedeuten diese 90 Minuten, sich bereits für die anstehende Relegation (23. und 27. Mai) einzuspielen. Stuttgart hat den drittletzten Platz seit dem vergangenen Wochenende sicher. Nun liegt Bochum gerade einmal zwölf Kilometer vom Gelsenkirchener Stadtteil Schalke entfernt. Die Beobachtung des möglichen Gegners in der Relegation ist somit nicht nur denkbar, sondern ist bei Union sogar eingeplant.

„Bochum hat für uns zwar erste Priorität, aber an zweiter Stelle steht, sich auch mit dem VfB Stuttgart ein bisschen auseinanderzusetzen“, erklärte Fischer, „denn die Zeit nach dem Spiel gegen Bochum ist kurz, wenn wir in der Relegation sein sollten. Wenn die Möglichkeit besteht, werde ich im Stadion von Schalke vorbeischauen.“

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