Zweite Liga

Unions letzter Trumpf in der Achterbahn

Union-Trainer Fischer muss vor dem brisanten Ostderby gegen den 1. FC Magdeburg seinen letzten Trumpf im Aufstiegsrennen ausspielen.

Hoch, höher, Aufstieg? Unions Stürmer Sebastian Andersson (r.) und Sebastian Polter im Luftduell.

Hoch, höher, Aufstieg? Unions Stürmer Sebastian Andersson (r.) und Sebastian Polter im Luftduell.

Foto: Jan Huebner/Voelkervia www.imago-images.de / imago images / Jan Huebner

Berlin. Natürlich war die Champions League ein Thema in den vergangenen Tagen. Auch beim 1. FC Union. Wer jetzt auf die Idee kommt, der Berliner Fußball-Zweitligist würde angesichts eines greifbar nahen Aufstiegs in die Bundesliga gleich in Richtung Europa durchstarten wollen, folgt jedoch einem Irrtum.

Sich mit den Halbfinal-Rückspielen zu beschäftigen, sollte für jeden im Fußball Tätigen eine Selbstverständlichkeit sein. Wo, wenn nicht bei den besten Mannschaften, die der Kontinent zu bieten hat, gibt es bessere Fortbildungsmöglichkeiten was Spielwitz, Taktik oder eben Einsatzbereitschaft angeht.

„Wir haben uns natürlich innerhalb der Mannschaft auch ausgetauscht. Ich fand den Auftritt von Liverpool schon gut, auf der anderen Seite war aber auch eine Mannschaft, die sehr viel zuließ“, sagte Trainer Urs Fischer. Doch gerade was die Mentalität angeht, etwas unbedingt erreichen zu wollen, können Liverpool und auch Tottenham den Köpenickern nicht nur für das letzte Heimspiel am Sonntag gegen den 1. FC Magdeburg (15.30 Uhr, Alte Försterei) ein Vorbild sein.

Union und die Achterbahnfahrt

Inklusive des letzten Saisonspiels am 19. Mai beim VfL Bochum warten auf Union zwei Partien, in denen die Fischer-Elf unsterblich werden, aber auch alles verspielen kann. In der Gemengelage zwischen direktem Aufstieg und Platz vier geht es vor allem darum, die Nerven in den Griff zu bekommen.

Trainer Fischer ist hier vor allem als Psychologe gefragt, noch mehr als in den vergangenen Wochen ohnehin schon. „Wir hatten fünf Spiele mit drei Unentschieden und zwei Niederlagen, dann kam der Sieg gegen den HSV, dann das Spiel in Darmstadt – wir kennen dieses Achterbahnfahren irgendwo“, erklärte Fischer, ebenso das Gefühl, „den Fokus, wenn es ums Resultat geht, nicht auf den Punkt erwischt zu haben.“

Dass der Coach dabei einige Trümpfe längst ausgespielt hat, ist nur logisch. Die Startelf vor allem im Offensivbereich zu verändern zum Beispiel, oder die taktische Formation, um mehr Freiräume in der Offensive und mehr Stabilität in der Defensive zu erzeugen.

Union-Trainer Fischer gegen weiteren Teamabend

Auch der gewohnte Rhythmus in den Tagen vor einem Spiel wurde bereits verändert, der Mannschaftsabend in Kienbaum nach dem mageren Remis in Fürth sollte noch einmal enger zusammenschweißen. Der Sieg gegen den Hamburger SV (2:0) zeigt, dass die Wirkung nicht verfehlt wurde.

Eine solche teambildende Maßnahme nun zu wiederholen, widerstrebt Fischer jedoch. Aus gutem Grund: „Ich glaube nicht, dass es den gleichen Effekt haben wird, das sind für mich einmalige Dinge“, so Fischer: „Machst du etwas das erste Mal, findet du es top, das zweite mal ist immer noch gut, und beim dritten Mal beginnst du schon zu zweifeln.“

Und Zweifel sind in der jetzigen Situation ohne Zweifel etwas, auf die alle beim Tabellendritten gern verzichten können.

Unions Fans unterstützen mit Plakat

An Unterstützung von den Fans mangelt es nicht, weder während der 90 Minuten am Sonntag in der seit Wochen ausverkauften Alten Försterei, noch im Vorfeld. So durfte für das Training ein Plakat mit einer klaren Botschaft aufgehangen werden.

„Kopf aus, Herz an – alles kann, nichts muss!“, stand da als Botschaft nicht nur für das brisante Ostderby gegen Magdeburg geschrieben. „Die Jungs haben uns gefragt, und wir haben eingewilligt“, erzählte Fischer: „Ich fand das nicht schlecht, es ist ja auch eine gute Message: Mache dir nicht so viele Gedanken, sei mutig.“

Es ist nach dem Appell von Klubchef Dirk Zingler der zweite Versuch, im verrücktesten Aufstiegsrennen Druck von der Mannschaft zu nehmen.

Union zwischen Druck und Lockerheit

Zingler wurde im Vorwort des Programmheftes für das Regensburg-Spiel wie folgt zitiert: „Haben wir etwas zu verlieren? Ich wüsste nicht, was.“ Zugleich rief er zum entschlossenen Endspurt auf: „Wann, wenn nicht jetzt?“

Doch es bleibt ein schmaler Grat, auf dem sich die Köpenicker bewegen. Zuviel Druck zu verspüren, kann zur Blockade führen, zuviel Lockerheit hingegen kann dazu führen, in den entscheidenden Momenten die Konzentration zu verlieren.

„Am Schluss sagt dir das Resultat, ob es dir gelungen ist oder nicht. Es geht um Resultate im Fußball, es geht aber auch um den Auftritt der Mannschaft. Daraus die richtige Mischung zu finden“, sei laut Fischer die große Aufgabe.

So bleibt dem Trainer, nachdem die Karten Taktik und Teamabend bereits ausgespielt sind, noch ein verbliebener Joker, um seine Mannschaft auf Aufstiegskurs zu halten: Die Ruhe, die er selbst immer wieder vorlebt und die Union bislang so gut durch die Saison gebracht hat. „Wir müssen das Selbstvertrauen mitnehmen aus den letzten beiden Spielen, die von der Art und Weise nicht schlecht waren“, erklärte Fischer und forderte: „Aber wir müssen aus dem, was wir uns erarbeitet haben, auch Kapital schlagen.“

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