Zweite Liga

Ein Duell der anderen Dimension für Union

Das Spiel gegen den HSV ist kein alltägliches. Aufmerksamkeit und Brisanz machen es für Union zu einem der wichtigsten der Geschichte.

Die Union-Spieler um Torschütze Joshua Mees (3.v.l., Union) jubeln über das 1:0 im Hinrunden-Duell. Die Partie endete 2:2

Die Union-Spieler um Torschütze Joshua Mees (3.v.l., Union) jubeln über das 1:0 im Hinrunden-Duell. Die Partie endete 2:2

Foto: Elmar Kremser/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon

Berlin. Links neben der Einfahrt zum Stadion ist die Geschichte in Worte und Bilder gefasst. Zwei mäßig große Tafeln, leicht zu übersehen wegen der angrenzenden Bäume, erzählen von den größten Momenten, die es in der Historie des Fußballs an der Alten Försterei gegeben hat. Vom Sieg des 1. FC Union im FDGB-Pokal 1968 zu Zeiten der DDR, vom Finale im DFB-Pokal 2001 gut ein Jahrzehnt nach der Wende.

Die Reminiszenz fügt sich wunderbar in diese Tage, die rings um den Verein erfüllt sind vom Gedanken, den Traum von der Bundesliga erstmals wahr werden zu lassen. Vier Partien in der Zweiten Liga liegen noch vor den Köpenickern, und kein Spiel erscheint gerade wichtiger als das am Sonntag (13.30 Uhr, Sky). „Ich glaube schon, dass es ein wegweisendes Spiel ist. Es hat einen vorentscheidenden Charakter“, sagt Trainer Urs Fischer. Mit einem Sieg bleibt seine Mannschaft ein heißer Anwärter auf Platz zwei und den direkten Aufstieg.

Selbst die Derbys gegen Hertha verblassen ein wenig

Dass der Gegner in dieser sportlich so brisanten Partie noch dazu der traditionsreiche Hamburger SV ist, verleiht dem Ganzen eine Dimension, die an die großen Momente von einst heranreicht. Die selbst die Derbys mit Hertha BSC aus den Spielzeiten 2010/11 und 2012/13 in den Schatten stellt, die auf lokaler Ebene eine ganz große Nummer waren. Das Interesse an dem Spiel geht nun weit über Berlin hinaus. Auch weil der große HSV nach dem erstmaligen Abstieg aus der Bundesliga direkt wieder dorthin zurück möchte und trotz Platz zwei längst nicht sicher sein kann, dass das gelingt.

Diese Konstellation sorgt für eine besondere Stimmung, die dieses Duell begleitet. „Ich freue mich auf dieses Spiel, weil es eine großartige Chance für uns ist. Wir haben etwas zu gewinnen und wollen alles dafür tun, dass uns das gelingt. Unabhängig davon wird der Rahmen überragend: Nichts geht über ein ausverkauftes Stadion An der Alten Försterei und ein packendes Duell gegen einen traditionsreichen Gegner, der seinerseits auch den Gästeblock füllt. So ist Fußball doch am schönsten“, sagt Union-Präsident Dirk Zingler. Seit Wochen gibt es keine Tickets mehr, das Medienaufkommen ist enorm.

Der Trend soll mit diesem Spiel gestoppt werden

Der sportliche Druck auf beide Teams hat in den vergangenen Wochen immer mehr zugenommen, beide Klubs konnten jüngst fünf Mal in Serie nicht gewinnen. „Es ist greifbar, dass die Saison in die letzten Züge geht. Wir müssen aus all der Emotionalität um das anstehende Saisonfinale Energie machen und brauchen einen Riesenfight, um bei Union zu bestehen“, erzählt HSV-Trainer Hannes Wolf vor dem Auftritt beim Vierten, der nur drei Zähler hinter den Hamburgern rangiert und ein besseres Torverhältnis hat.

Auf Ansprüche und Selbstverständnis reduziert, geht es für die Hamburger sicher um viel mehr. „Die wollen unbedingt hoch, müssen vielleicht sogar“, sagt Union-Verteidiger Marvin Friedrich. Die Berliner treibt kein Zwang, aber eine Sehnsucht nach der Eliteklasse, die sich in den vergangenen Jahren vor allem in der Klubführung immer breiter gemacht hat. Vor zwei Jahren verspielte Union die große Gelegenheit auf den letzten Metern. Diesmal scheinen die Dinge mit einer gewissen Ähnlichkeit abzulaufen. Das Spiel gegen den HSV kann den Trend stoppen und den Kurs auf die Bundesliga setzen.

Keiner bei Union wirkt von dieser Aussicht so beseelt wie Torhüter Rafal Gikiewicz. „Wir haben noch vier Mal 90 Minuten und können mit Union erstmals in die erste Liga gehen. Dann bist du die nächsten 100 Jahre König in Berlin“, sagt der leidenschaftliche Pole. Er gewann einst mit Breslau den Titel in seiner Heimat und weiß um den Status, den besondere Leistungen nach sich ziehen können: „Wenn ich heute da bin, bin ich immer noch König.“

Das Rennen um Platz drei bleibt bis zum Schluss spannend

Ein Sieg gegen den HSV wäre zwar noch nicht die endgültige Krönung, eine Niederlage aber ebenso wenig das Ende alle Träume. „Nur mit Platz zwei wäre es dann vorbei. Um Platz drei ist bis zum letzten Spieltag alles möglich“, ist Gikiewicz überzeugt. Allerdings lässt eine Relegation gegen Klubs wie Stuttgart, Nürnberg oder vielleicht auch Hannover die Zielsetzung deutlich weniger realistisch erscheinen.

Auf der anderen Seite gebe es bei einer Relegation gegen diese Bundesliga-Traditionsvereine ein neues Duell von einer Dimension, die man bei an der Alten Försterei selten erlebt hat. Daraus könnten Momente entstehen, die es wert wären, auf einer weiteren Tafel neben der Stadioneinfahrt festgehalten zu werden. Marcel Stein

Hier finden Sie alles über den 1. FC Union