Aufstiegs-Endspurt

Warum Union nicht wieder einbricht

Die Köpenicker setzen im Aufstiegskampf auf ihre Erfahrung. Union-Kapitän Trimmel nimmt die Führungsspieler in die Pflicht

Union-Kapitän Christopher Trimmel (l.) im Zweikampf mit dem Hamburger Santos Douglas

Union-Kapitän Christopher Trimmel (l.) im Zweikampf mit dem Hamburger Santos Douglas

Foto: Fotostand / Weller / picture alliance / Fotostand

Berlin. Aus Christopher Trimmels Verhalten lässt sich nicht unbedingt auf eine angespannte Situation schließen. Der Mann wirkt sehr ausgeglichen, geradezu unaufgeregt. Als wäre ihm die Konstellation in der Tabelle der zweiten Fußball-Bundesliga wenn nicht unbekannt, dann doch wenigstens egal. Da der 32-Jährige aber Kapitän des 1. FC Union ist, lassen sich beide Varianten mit großer Sicherheit ausschließen. Trimmels augenscheinlicher Seelenfrieden liegt woanders begründet, in seiner Überzeugung.

An selbiger stur festzuhalten, erscheint beim Blick von außen auf die Köpenicker gar nicht leicht in diesen Tagen. Vier Spiele sind die Berliner nun schon ohne Sieg, in der Gefühlswelt sollte es rumoren. Denn die eigenen Auftritte begleitet eine gewisse Unzufriedenheit, trotzdem liegt Union noch auf Platz drei und kann sogar aus eigener Kraft den zweiten Rang anpeilen. „In der Kabine ist es ruhig, wir arbeiten auch ruhig“, sagt Trimmel, der diese Ruhe vor dem Duell beim Tabellenelften Greuther Fürth am Sonnabend (13 Uhr/Sky) gewissermaßen öffentlich vorlebt. Jedoch nicht, ohne dabei den Blick für die Realität zu verlieren.

Selbstvertrauen war in der Hinrunde ausgeprägter

Die Wirklichkeit stellte sich zuletzt etwas anders dar als noch in der Hinrunde dieser Saison. „In gewissen Spielen hatten wir da schon ein anderes Selbstvertrauen“, erzählt der Kapitän. Da gingen auch enge Partien irgendwie immer für die Köpenicker aus. Doch der Druck steigt gerade, die Chance für die Berliner ist riesig – und das scheint sich auf das Spiel der Mannschaft auszuwirken. „Es darf nicht passieren, dass wir in allen Bereichen zurückweichend waren, nicht aktiv, eher passiv“, so Trimmel, der das Team „gehemmt“ sieht, aber eines kategorisch ausschließt: „Angst ist es nicht.“

Also kein Zittern vor dem möglichen Aufstieg, keine weichen Knie angesichts des so greifbaren größten Erfolgs der Klubgeschichte. Vor zwei Jahren war der ähnlich nah. Am 25. Spieltag stand Union da an der Spitze, fünf Partien vor dem Ende noch auf Rang drei. Genau wie jetzt. Am Ende fehlten aber sechs Punkte zum dritten Platz. Dass die Berliner noch einmal so einbrechen im Aufstiegs-Endspurt, glaubt der Kapitän nicht. Warum? „Wir haben jetzt mehr Erfahrung in der Mannschaft, Spieler, die schon mal aufgestiegen sind, die bei Vereinen gearbeitet haben, bei denen immer Druck herrscht.“ Manuel Schmiedebach, Ken Reichel oder etwa Florian Hübner gehören dazu, vor allem in der Defensive steckt diese Erfahrung.

In der Defensive liegt der Schlüssel zu Unions Erfolg

Sie ist ohnehin die Basis für den Erfolg von Union, kein anderes Team kassiert weniger Gegentore. Außenverteidiger Trimmel nimmt sich und die Abwehrkollegen nun besonders in die Pflicht. „Die erfahrenen Spieler müssen jetzt liefern. Jetzt müssen wir älteren den jüngeren Spielern zeigen, dass sie sich an uns orientieren können“, sagt der Österreicher, der in den vergangenen Wochen diesbezüglich einige Defizite entdeckte.

Das Vorangehen der Arrivierten sei für ihn der Schlüssel, zu dem es keine Alternative gibt: „Dafür haben wir diese Erfahrung, das muss man erwarten können.“ Sie sollen dem Team die Strategie der Fehlervermeidung, die sich zuletzt eingeschlichen hat, wieder austreiben. Vorleben, was Union in der Hinrunde stark gemacht hat: das bedingungslose Vertrauen in jede eigene Aktion. Ohne stets im Hinterkopf zu haben, was alles schiefgehen kann.

Greuther Fürth zuletzt mit starker Heimserie

Wenn die Mannschaft von Trainer Urs Fischer dieses Selbstverständnis wiederfindet, kann sie bis zum Schluss um den Aufstieg mitspielen. „Die Voraussetzung ist, dass du dran glaubst, dass es möglich ist“, so der Coach, dessen Team in Fürth auf einen Gegner trifft, der zuletzt fünf Mal zu Hause ungeschlagen blieb. Diese Serie ebenso wie die eigene zu durchbrechen wäre wichtig, da es hinter Union sehr eng zugeht und im ungünstigsten Fall sogar ein Abrutschen von Rang drei möglich ist. „Wir brauchen einfach einen Sieg. wie der jetzt herausgespielt wird, schmutzig oder dreckig, es gibt so viele Wörter, ist egal. Dann kommt wieder dieses Selbstvertrauen, dass man es doch kann“, sagt der Kapitän.

Gerade im Hinblick auf die nächste Woche käme es Union gelegen, alle Zweifel an der eigenen Stärke in Fürth endgültig auszuräumen. Im danach folgenden Duell mit dem Hamburger SV, dem Zweitplatzierten, können wichtige Weichen gestellt werden. „Es fehlt echt nur ein Sieg, dann geht alles wieder leichter“, betont Christopher Trimmel in der Überzeugung, dass Union an der Umsetzung nicht scheitern wird.

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