Zweite Liga

Union sucht die Leichtigkeit

Union muss kämpfen, um im Aufstiegsrennen zu bleiben. Platz zwei sind die Berliner schon los. Wird die Aufstiegslust zur Aufstiegslast?

Union-Kapitän Christopher Trimmel (r.) muss sich gegen den Bielefelder Andreas Voglsammer ordentlich strecken.

Union-Kapitän Christopher Trimmel (r.) muss sich gegen den Bielefelder Andreas Voglsammer ordentlich strecken.

Foto: Thomas F. Starke / Bongarts/Getty Images

Berlin. Erfolg weckt Begehrlichkeiten. Kaum eine Mannschaft in der Zweiten Liga bekommt dies derzeit so zu spüren wie die des 1. FC Union. Der Umstand, trotz vor allem in der zweiten Halbzeit schwacher Leistung gegen Arminia Bielefeld nicht noch verloren zu haben, hätte in den vergangenen Jahren ausgereicht, um entspannt ins Wochenende zu gehen.

Katerstimmung herrscht bei den Köpenickern nach dem 1:1 vom Freitagabend auch diesmal nicht. Oder vielleicht doch? Christopher Trimmel, der Kapitän, wollte nicht verhehlen, „dass die zweite Halbzeit schon weh tut“. Joshua Mees, der Torschütze, sagte: „Es war sicher nicht unser bestes Spiel.“ Und Ken Reichel, Vorlagengeber für Mees’ Treffer, forderte: „Wichtig ist, dass wir auf dem Platz an einem Strang ziehen, das haben wir in der zweiten Halbzeit nicht geschafft.“

Richtig ist, dass Union-Mannschaften vergangener Jahre solch eine Partie noch verloren hätten. Richtig ist aber auch, dass es dem Team von Trainer Urs Fischer immer schwerer fällt, drei Punkte einzufahren. Die spielerische Leichtigkeit, mit der Union bislang so prächtig durch die Saison gegangen ist, scheint abhanden gekommen zu sein.

Schon vor zwei Wochen gegen Sandhausen hatte Union Mühe, wichtige drei Punkte im Aufstiegsrennen einzufahren. Vor einer Woche bedurfte es in Duisburg erst eines Rückstandes, um wieder in die Erfolgsspur zu finden. Nun gegen Bielefeld muss man froh sein, nicht in Rückstand geraten zu sein oder die Partie sogar verloren zu haben.

„Jeder weiß, dass wir auch solche Spiele haben. Wenn man bedenkt, wie viele Mannschaften solche Spiele noch verlieren, kann man mit dem Punkt zufrieden sein“, erklärte Trimmel. In einer Spielzeit, in der sich nahezu alle Mannschaften durch fehlende Konstanz auszeichnen, zählt man schon zu den beständigen Teams, wenn man nicht verliert.

Doch getreu dem Motto „Wehret den Anfängen“ kann der Zeitpunkt nicht früh genug kommen, die Sinne noch einmal zu schärfen. Oder wie es Mittelfeldspieler Manuel Schmiedebach direkt nach dem Abpfiff formulierte: „Wir müssen uns vor Augen führen, was wir abgeliefert haben.“

Union sitzt die Konkurrenz wieder im Nacken

Linksverteidiger Reichel machte deutlich, dass es mehrere Bereiche sind, wo es bei Union ein wenig hakt. Beispiel Sandhausen. „Die haben nur lange Bälle gespielt und sind auf den zweiten Ball gegangen. Da haben wir versucht, Fußball zu spielen, das haben wir nicht geschafft“, erklärte der Berliner.

Beispiel Bielefeld. „Bielefeld hat nur Fußball gespielt, wenig lange Bälle. Wir wollten nicht zulassen, dass sie sich von hinten rausspielen können, sondern die langen Bälle provozieren. Das haben wir nicht umgesetzt“, musste Reichel eingestehen.

So ist das Remis gegen die Arminia das bislang letzte Kapitel einer Entwicklung, die Union auf einen gefährlichen Weg bringen kann – weg von den Aufstiegsrennen.

Den zweiten Platz musste Union am Sonnabend schon wieder dem 1. FC Köln überlassen. Und gewinnt der Bundesliga-Absteiger auch am Mittwoch sein Nachholspiel in Aue, sind es schon vier Punkte Rückstand. Spitzenreiter Hamburger SV kann mit einem Sieg am Sonntag in Regensburg schon jetzt sechs Punkte zwischen sich und Union legen.

Und mit dem FC St. Pauli (1:0 gegen den FC Ingolstadt) sowie Unions nächstem Gegner Holstein Kiel (3:1 beim VfL Bochum) ist die Konkurrenz wieder an Union herangerückt.

Nicht zu unterschätzen ist, dass – je mehr sich die Saison dem Ende nähert – sich auch immer mehr ins Gedächtnis einschleichen kann, dass es doch etwas zu verspielen gibt. „Klar spielt das eine Rolle, es sind noch elf Spiele bis Saisonende, dass man irgendwann mal auch etwas verlieren kann“, gab Reichel zu.

Union-Kapitän Trimmel fordert mehr Mut

Laut Trimmel gibt es derzeit allerdings noch keine Gefahr, dass Union Angst vor der eigenen Courage bekommen könnte. „Das ist bei uns nicht der Fall. Ich achte auch in der Kabine sehr darauf, dass das nicht passiert, genau wie der Trainer auch“, sagte der Österreicher.

Gleichwohl forderte auch er mit Blick auf das Bielefeld-Spiel wieder „mehr Mut. Bielefeld hat hinten den Ball laufen lassen. Das gibt dir als Gegner vielleicht ein bisschen ein schlechtes Gefühl, wenn der Gegner so oft den Ball hat. Aber unser Problem waren die zweiten Bälle. Jeder Ball, den wir erobert hatten, war sofort weg. Das kostet so viel Kraft, ihn wiederzuholen.“

Kraft, die die Union-Profis gern für anderes aufwenden würden. Für das Jubeln nach einem Sieg am kommenden Freitag in Kiel zum Beispiel.

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