2:0 gegen Sandhausen

Union erobert Rang drei zurück

Der Zweitligist tut sich beim 2:0-Sieg gegen Sandhausen aber lange schwer. Kapitän Trimmel verlängert Vertrag

Unions Florian Hübner am Ball.

Unions Florian Hübner am Ball.

Foto: dpa/Andreas Gora

Berlin. Christopher Trimmel ist keiner jener Fußballprofis, die etwas schönzureden versuchen. So ordnete der Kapitän des 1. FC Union das 2:0 (1:0) gegen den SV Sandhausen entsprechend der Leistung der Köpenicker wie folgt ein: „In vielen Phasen haben wir zu direkt gespielt. Wir hätten die Zweikämpfe mehr annehmen oder auch mal hinten herumspielen müssen.“ Nein, es war nach den Auftritten gegen Köln (2:0) und bei St. Pauli (2:3) kein dritter Leckerbissen, den der Berliner Zweitligist am Sonnabendnachmittag ablieferte. Es war mäßige Hausmannskost, wenig geschmackvoll und dennoch sättigend: Durch das 18. Heimspiel in Folge ohne Niederlage hat Union Relegationsplatz drei zurückerobert. St. Paulis Niederlage am Freitag in Köln (1:4) spielte Union dabei in die Karten.

„Wenn man so lange vor eigenem Publikum ungeschlagen bleibt, ist das nicht nur ein Vorteil für uns“, erklärte Trimmel mit Blick auf das Selbstvertrauen: „Auch die Gegner kommen dann ja nicht gern hierher.“ Als Erklärung für eine vor allem in der zweiten Halbzeit fehlende spielerische Linie ist dies jedoch zu wenig. Durch die Leistungen der vergangenen Wochen und Monate, mit denen das Team von Trainer Urs Fischer die Fans begeisterte, sind die Ansprüche gestiegen. Mit Blick auf den erhofften Sprung in die Bundesliga kann dies auch nur der richtige Weg sein. Insofern stellte die Partie gegen Sandhausen fußballerisch einen Rückschritt dar.

Wenigstens passte es ins Bild, dass es Trimmel gewesen ist, der mit zwei Aktionen die Partie praktisch einrahmte. Seinen Eckball nutzte Marvin Friedrich zu einem Kopfball, den Gäste-Torwart Marcel Schuhen nur nach vorn prallen ließ, wo Sebastian Andersson den Ball nur noch einzunicken brauchte (11.). Kurz vor Schluss war es der Österreicher, der mit einem Fallrückzieher auf der Torlinie für seinen bereits geschlagenen Torwart Rafal Gikiewicz rettete. Friedrich hatte eine Hereingabe von Dennis Dieckmeier unglücklich abgefälscht. Der eingewechselte Akaki Gogia hatte zuvor aber bereits auf 2:0 für Union gestellt (87.).

Es schien, als wollte Trimmel untermauern, dass Unions Entscheidung richtig gewesen ist, mit ihm auch in der kommenden Saison planen zu wollen. Vor der Partie hatten die Köpenicker die Vertragsverlängerung mit ihrem Kapitän verkündet, knapp zwei Wochen vor dessen 32. Geburtstag.

„Christopher ist seit langer Zeit ein prägender Charakter in unserem Mannschaftsgefüge und bringt sich sowohl auf als auch neben dem Platz immer positiv ein. Als Kapitän der Mannschaft ist er ein wichtiger Bestandteil unserer Planung für die nächste Saison“, kommentierte Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball, die Personalie. Seit 2014 ist der Rechtsverteidiger bei Union, im vorigen Sommer machte ihn Coach Fischer zum Kapitän.

Seine Ballfertigkeit bei ruhenden Bällen zeigte sich erneut vor der Führung gegen Sandhausen, seine Einsatzbereitschaft bei der Flugeinlage vor dem eigenen Tor. „Für mich war die Vertragsverlängerung nur Formsache“, sagte Trimmel nach der Partie: „Wir haben eine super Truppe, es macht Spaß gemeinsam zu arbeiten. Und ich bin davon überzeugt, dass wir unsere Ziele gemeinsam erreichen können.“

Union sollte sich jedoch nicht allzu viele solcher Auftritte leisten wie am Sonnabend. Vereinzelt gab es in der Alten Försterei sogar Unmutsäußerungen von den mit nur 19.542 Zuschauern gefühlten Rängen (Saison-Minusrekord).

Fischer schimpft über die Spielweise seines Teams

Und nur selten hat man Fischer an der Seitenlinie derart erbost auf und ab gehen sehen. Knapp eine Stunde war gespielt, als es dem Schweizer zu viel wurde, weil die Seinen zu wenig von dem zeigten, was sie eigentlich können. „Spielt doch!“, rief Fischer. Und dann in Richtung seines Kapitäns noch einmal: „Hey, Trimmi, spielt doch!“ Wieder hatte seine Mannschaft einen Ball lang nach vorn geschlagen.

Steht dann Grischa Prömel bei seinem Abstauber auch noch im Abseits (23.), vollendet Suleiman Abdullahi den besten Angriff mit einem Schuss ins Nirgendwo (37.) und scheitert selbst Andersson völlig frei vor dem Tor (45.), beginnt das Zitterspiel. So sollte Union vor allem Sandhausens Fabian Schleusener dankbar sein, dass er den Ball zehn Meter vorm Tor nicht traf, anstatt ihn zum Ausgleich einzuschießen (65.).

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