Zweite Liga

Unions Carlos Mané drückt aufs Tempo

Der schnelle Portugiese vergrößert die Chance der Köpenicker auf einen Sieg gegen Sandhausen – und auf den Aufstieg in die Bundesliga.

Ideenreich und schnell: Carlos Mané

Ideenreich und schnell: Carlos Mané

Foto: Christian Charisius / picture alliance/dpa

Berlin.  Die Festtage für den 1. FC Union sind zunächst einmal vorbei. Festtage mit den Duellen gegen die direkte Konkurrenz um den Aufstieg in die Bundesliga, mit denen der Berliner Fußball-Zweitligist ins Jahr gestartet ist. Nach den Flutlichtspielen gegen den 1. FC Köln (2:0) und beim FC St. Pauli (2:3), zwei Gegner auf Augenhöhe, wartet nun an diesem Sonnabend (13 Uhr, Alte Försterei und live bei Sky) – und mit dem SV Sandhausen nicht nur kein wirklich großer Name, sondern ein Team, das stark abstiegsgefährdet ist. „Es wird sicher nicht einfacher. Mein Kollege Uwe Koschinat hat sich ja schon entsprechend geäußert, dass in erster Linie nicht spielerische Lösungen im Vordergrund stehen, sondern Kämpfen und Einsatz, um irgendwie die Punkte zu holen“, sagte Trainer Urs Fischer.

Erster Einsatz in Hamburg

Die Mittel, um einen tief verteidigenden Gegner schlagen zu können, sind recht einfach – und doch so schwer. Es braucht Ballsicherheit und Schnelligkeit, um den Defensivverbund aufreißen zu können. Hier kommt Carlos Mané ins Spiel – wenn ihn Trainer Fischer denn lässt. Bei seiner 69-Minuten-Premiere in Hamburg hat der Portugiese aufblitzen lassen, weshalb ihn Union in der Winterpause von Sporting Lissabon geholt hat, zunächst per Leihe bis Saisonende mit anschließender Kaufoption. Derart schnell, für seine Mitspieler wohl auch derart überraschend, waren Manés Ideen, dass noch nicht so viel zusammenlief.

„Es war das erste Match, das wir gemeinsam gespielt haben“, bittet der 24-Jährige noch um Zeit: „Doch nun wissen sie, wie ich spiele, und in den nächsten Spielen werden sie mehr auf mich achten und nach mir suchen, weil sie wissen, was ich vorhabe.“ Zurückhaltend wirkt Mané, als er seine Worte wählt, sein Lächeln entlarvt jedoch den Lausbuben, der in ihm steckt. Auserkoren, um auf dem Platz Spaß zu haben.

Trainingsfleiß als Markenzeichen

Es sind seine famosen Sprints, die ihn für die Köpenicker so wertvoll machen. Nicht nur am Sonnabend gegen Sandhausen, sondern auch für den Rest der Saison. Den Ball kurz zum Mitspieler abgelegt, steht Mané auch schon zehn Meter näher am gegnerischen Tor. Ein Überraschungsmoment, welches der Mannschaft von Trainer Fischer in den bisherigen 20 Saisonspielen vielleicht noch ein wenig gefehlt hat. Woher sein Tempo kommt? Mané lässt gute Gene nicht als alleinige Erklärung zu. „Ich habe in jungen Jahren jeden Tag an mir gearbeitet, um noch stärker zu werden“, berichtet der Angreifer. Trainingsfleiß, der beim Schweizer Coach gut ankommen und sich für den Offensivmann schließlich auch auszahlen dürfte.

Was nicht bedeutet, dass es für den ehemaligen Profi des VfB Stuttgart immer nur steil nach oben ging. Natürlich blitzen seine Augen auf, als er kurz vom Aufstieg mit den Schwaben erzählt. In der Saison 2016/17, als nicht nur Union im direkten Duell zu spüren bekam, welches Talent da auf der Gegenseite für Tempo sorgt. Das folgende Erstliga-Jahr verlief für ihn persönlich jedoch alles andere als erfolgreich. Erst setzte ihn eine Knie-Operation und deren Folgen die komplette Hinrunde außer Gefecht, dann stoppte ihn ein Sehnenriss auch noch für die gesamte Rückrunde. Es kamen Zweifel auf. „Als ich verletzt war, dachte ich, dass ich nie wieder so schnell sein werde“, erzählt Mané. Inzwischen ist er jedoch davon überzeugt, „dass ich schneller bin als vorher“.

Die Zweite Liga kennt er aus Stuttgart bestens

Dass er die Zweite Liga bereits aus seiner Stuttgarter Zeit gut kennt, macht den Eingewöhnungsprozess bei den Köpenickern natürlich einfacher. Auch ein Appartement nur fünf Minuten von der Alten Försterei entfernt hat er bereits bezogen, dieses Wochenende sind zudem seine Freundin Dandara und die gemeinsame Tochter Saphira in Berlin zu Besuch. Mané wirkt glücklich, als er von ihnen spricht. Beide geben ihm nun jenen Rückhalt, den er als Junge, aufgewachsen in Quinta do Mocho, dem Problemviertel Lissabons, vom „Project Hope“ erfahren hat. Die Hilfsorganisation holte Mané im Alter von sechs Jahren von der Straße. Mittagessen, Hausaufgaben für die Schule, alles unter Gleichaltrigen. Über sein neues Umfeld bei Union sagt er: „Jeder versucht, mir zu helfen. Die Gruppe ist sehr gut.“

Eine Gruppe, die nun gegen Sandhausen laut Trainer Fischer „eine gute Einstellung finden muss. Sie muss den Kampf annehmen, aber auch spielerische Lösungen finden.“ Dass der Gegner nicht die Strahlkraft hat wie zuvor Köln oder St. Pauli, bereitet Fischer kein Kopfzerbrechen: „Ich glaube nicht, dass meine Jungs da einen Unterschied machen.“ Mané jedenfalls könnte der Spieler sein, der einem Geduldsspiel gegen Sandhausen sehr schnell ein wenig Spektakel verleihen kann. Einen Sieg inklusive.

Mehr über Union Berlin lesen Sie hier.

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.