Fußball

Traumstart mit Traumtor für Union Berlin

Union erkämpft sich ein 2:0 gegen den 1. FC Köln und klettert auf Tabellenrang drei. Marcel Hartel trifft schon nach 23 Sekunden.

Akrobatik mit zählbarem Erfolg: Marcel Hartel traf schon nach 23 Sekunden per Fallrückzieher zum 1:0 für den 1. FC Union.

Akrobatik mit zählbarem Erfolg: Marcel Hartel traf schon nach 23 Sekunden per Fallrückzieher zum 1:0 für den 1. FC Union.

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Berlin. Der 1. FC Union hat sich im Aufstiegsrennen der Zweiten Liga zurückgemeldet. Mit einem 2:0 (2:0) im Spitzenspiel gegen den 1. FC Köln verkürzten die Berliner nicht nur den Abstand zu Köln auf zwei Punkte, sondern zogen in der Tabelle auch am nun punktgleichen FC St. Pauli vorbei auf Relegationsplatz drei.

Christopher Trimmel, Unions Kapitän war es, der vor dem Start der restlichen Rückrunde die Konkurrenz in der Liga wissen ließ: „Wir sind noch stärker als im Sommer.“ Es klang wie eine Kampfansage, wobei nicht vergessen werden sollte, dass der Österreicher keineswegs zu den Lautsprechern der Branche zählt. So war Union im Spitzenspiel vor 22.012 Zuschauern – darunter auch Hertha-Präsident Werner Gegenbauer – in der Alten Försterei angetreten, die Einschätzung ihres Spielführers zu bestätigen.

Und genau das taten die Köpenicker auch. Es war kein Feuerwerk, das sie abbrannten, kein Hurra-Stil, mit dem sie den Tabellenzweiten überrennen wollten. Die Mannschaft von Trainer Urs Fischer besann sich auf die Tugend, die sie schon in der gesamten Saison ausgezeichnet hat: auf die beste Defensive der Liga. Immer wieder legten sich die Gäste aus Köln ins Zeug, über die Außen, durch die Mitte, immer war Endstation am Union-Strafraum.

Den Köpenickern spielte dabei ohne Zweifel die schnelle Führung in die Karten. Sebastian Polter bugsierte den Ball eher ungewollt zu Suleiman Abdullahi, dessen Flanke nahm Marcel Hartel im Kölner Strafraum erst mit der Brust an, ehe er sich zu einem Fallrückzieher hinreißen ließ. Als Bogenlampe segelte der Ball über Torwart Timo Horn hinweg zum 1:0 ins Tor – gerade einmal 23 Sekunden waren laut Stadionuhr gespielt. „Den kann man schon mal so machen“, freute sich Hartel nach dem Spiel beim Betrachten der Fernsehaufzeichnung, kam dann aber gleich zum Wesentlichen: „Wir haben als Team sehr stark agiert, haben aggressiv verteidigt, so dass Köln seine Stärken nicht auf den Platz bringen konnte.“

Die Köpenicker zeigten sich topfit und hellwach, nicht nur in dieser Szene. Lediglich bei Kontern der Gäste schlug selbst Trainer Fischer schon mal die Hände über dem Kopf zusammen. So wie in der 21. Minute, als Linksverteidiger Ken Reichel erst im letzten Moment vor Jhon Cordoba retten konnte. Schließlich stand ja auch noch Rafal Gikiewicz im Tor. Sein starker Reflex gegen Dominick Drexler verhinderte den Ausgleich (22.).

Union war immer zum schnellen Umschaltspiel bereit, über Hartel oder Abdullahi. Und eiskalt vor dem Tor: Ein Freistoß von Trimmel fand den Kopf von Florian Hübner, und der Innenverteidiger nickte überlegt zum 2:0 ein (30.). Ein Wirkungstreffer für die Kölner. Rafael Czichos verhinderte erst kurz vor der Linie Unions dritten Treffer durch Reichel (36.).

Auch Gelb-Rot gegen Reichel schockt die Berliner nicht

Hübner freute sich über seinen zweiten Saisontreffer, lobte aber auch den Schützen des ersten Tores: „Das war genial gemacht. Das 1:0 hat uns natürlich in die Karten gespielt.“ Und Simon Terodde? Der Ex-Unioner und jetzige Kölner Torjäger (22 Treffer) tauchte vor der Pause nur ein einziges Mal gefährlich vor Gikiewicz auf und verzog (41.). Auch Drexler machte es mit seinem zu lässigen Lupfer, der an Gikiewicz hängen blieb, nicht besser (45.). Einziger Wermutstropfen in einer starken ersten Halbzeit: Stürmer Sebastian Polter musste verletzt raus, für ihn kam Sebastian Andersson (44.).

Es war nur logisch, dass die Kölner nach dem Seitenwechsel mehr riskieren mussten. Doch die Druckphase, mit der der Bundesliga-Absteiger auf den Anschlusstreffer drängte, endete fast mit dem endgültigen K.o. Andersson scheiterte aber an Horn (60.) und setzte den Kopfball nach der anschließenden Ecke knapp neben das Tor (61.).

Dann kam die 67. Minute und das vorzeitige Spielende für Reichel. Weil Unions Verteidiger am Gäste-Strafraum beim Umdrehen mit ausgestrecktem Arm Christian Clemens im Gesicht getroffen hatte, entschied Schiedsrichter Tobias Welz (Wiesbaden) auf Freistoß und Gelb für Reichel – neun Minuten, nachdem er für ein Foul an Jorge Meré bereits verwarnt worden war.

Union ließ sich nicht beeindrucken. Fischer opferte Mittelfeldspieler Felix Kroos für Linksverteidiger Christopher Lenz, um seine Abwehrreihe zu stabilisieren. Nun wurde es ein Kampf um jeden Meter, bei dem Union trotz der hitzigen Atmosphäre einen kühlen Kopf behielt. Gikiewiczs irrwitziger Reflex gegen Cordoba untermauerte zehn Minuten vor Schluss, dass für Köln nichts mehr zu holen war – und mit Union im Aufstiegsrennen weiter zu rechnen ist. „Wir haben relativ wenig zugelassen“, schloss Hübner, „ich denke, unser Sieg geht heute in Ordnung.“

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