Kommentar

Der 1. FC Union erhält einen Vorschuss mit Hintergedanken

Raik Hannemann über den neuen Ausrüster des Berliner Fußball-Zweitligisten, der einen nach Berlin ziehenden Konkurrenten aussticht

Die „Eisernen“ werden ab 2020 von Adidas ausgestattet.

Die „Eisernen“ werden ab 2020 von Adidas ausgestattet.

Berlin.  Ambitionierter konnte die Winterpause für den 1. FC Union ja wohl kaum enden. Erst lässt die direkte Konkurrenz Punkte liegen, dann präsentieren die Köpenicker vor dem Topspiel gegen Köln auch noch einen aufsehenerregenden Vertragscoup. Die deutsche Weltmarke Adidas steigt ab 2020 für fünf Jahre als Ausrüster ein beim Fußball-Zweitligisten. Bereits ab Sommer 2019 tragen bei den Rot-Weißen alle – von den Profis bis zum Nachwuchs - die Schuhe mit den drei Streifen. Die Sportbusiness-Experten von „Sponsors“ taxieren das Engagement der Firma aus Herzogenaurach dabei auf rund 700.000 Euro jährlich.

„Die Fokussierung auf Großstädte ist ein wesentlicher Teil unserer Strategie. Die Partnerschaft mit Union wird uns dabei helfen, unsere starke Position in der Hauptstadt weiter auszubauen“, lässt sich Paul Boerboom, Geschäftsführer Adidas Deutschland, in Unions offizieller Pressemitteilung vom Mittwoch zitieren. Es ist – um im Fußballsprech zu bleiben – ein geschickter Rempler gegen den US-Konkurrenten Nike, der ja genau 2020 mit seiner neuen Europazentrale nach Berlin an den Monbijoupark zieht. Vermutlich hatten die Amerikaner daher auch über ein erneutes Union-Engagement nachgedacht, die Köpenicker wollten aber nicht so lange warten, um sich dann womöglich doch nur hinter dem langjährigen Nike-Partner Hertha BSC einzureihen.

In der Bundesliga trägt nur noch der FC Bayern drei Streifen

Nun hatte sich Adidas auf Klub-Ebene zuletzt vor allem auf teure Leuchtturmprojekte fokussiert und dafür sogar Partnerschaften wie etwa mit Bayer Leverkusen gelöst – in der Bundesliga rüstet man aktuell nur noch den FC Bayern München aus. Doch nun entschied man sich, die neue Nike-Heimat Berlin doch wieder als Key-City (so heißt das neudeutsch im Branchenjargon) anzusehen.

Und viel falsch machen kann man dabei nicht, genügend Potenzial für Entwicklungssprünge besitzt der 1. FC Union allemal. Mit über 20.000 Mitgliedern ist der Verein zudem bereits eine große Nummer, der geplante Stadionausbau wird den Zulauf eher noch vergrößern, erst recht bei sportlichem Erfolg. Zudem hat man sich klug und klar positioniert zu Werten wie Stadionerlebnis oder gegen die Maximalkommerzialisierung. Und wenn die Rivalität mit Hertha bei einem möglichen Aufstieg noch einmal anzieht, wächst zugleich immer auch der Berliner Standortvorteil.