Fussball

Union gegen Dresden: Ungeschlagen gegen angeschlagen

Das Ostderby zwischen Union und Dresden steht unter ungleichen Vorzeichen. Bei Dynamo herrscht das Chaos, in Berlin totale Ruhe.

Christopher Trimmel (l.) empfängt am Sonntag Haris Duljevic mit Dynamo Dresden in der Alten Försterei.

Christopher Trimmel (l.) empfängt am Sonntag Haris Duljevic mit Dynamo Dresden in der Alten Försterei.

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Berlin.  Urs Fischer ist ein großer Fan. Nicht nur von dem erfolgreichen Fußball, den seine Mannschaft gerade spielt, sondern auch davon, dass in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag die Uhren um eine Stunde zurückgestellt werden. „Wir kriegen eine Stunde geschenkt, das ist doch etwas Angenehmes“, sagte der Trainer des 1. FC Union am Freitag auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Dynamo Dresden am Sonntag (13.30 Uhr, Alte Försterei). Und die dauerte gerade mal fünf Minuten. Angesichts der aktuellen Entwicklung gibt es eben nicht viel zu hinterfragen, bei Union läuft es gerade.

Und während in Köpenick die einzig dringende Frage darin bestand, ob die Umstellung der Uhr irgendeinen Einfluss auf Fischers Biorhythmus hat, kehren sie beim Gegner aus Dresden immer noch die Scherben der vergangenen Wochen auf. Das Ostderby am elften Spieltag der Zweiten Liga, es findet unter ungleichen Vorzeichen statt und steht unter dem Motto: ungeschlagen gegen angeschlagen.

Maik Walpurgis übernimmt Trainerposten vom Ex-Unioner Uwe Neuhaus

Auf der einen Seite die Berliner, seit Saisonbeginn noch ohne Niederlage, als Tabellenvierter mittlerweile ein ernstzunehmender Anwärter auf die Aufstiegsplätze. Auf der anderen Seite die Dresdner, die bereits einen Trainerwechsel und den Rücktritt des gesamten Präsidiums hinter sich haben.

Schon nach zwei Spieltagen musste Ex-Unioner Uwe Neuhaus seinen Trainerposten bei Dynamo räumen. Der durchwachsene Saisonstart soll der Grund gewesen sein: ein Sieg, eine Niederlage und das Aus in der ersten Runde des DFB-Pokals in Rödinghausen. Als Maik Walpurgis vor dem vierten Spieltag übernahm, lag Dresden auf dem zehnten Tabellenplatz. Genau wie jetzt. In der Zwischenzeit war aber viel los in Sachsen. Walpurgis feierte drei Siege in Folge.

Minge gilt bei Dynamo als unantastbar

Doch das sportliche Zwischenhoch wurde ausgebremst, als im Verein das Chaos ausbrach. Ende September erklärten Präsident Andreas Ritter und drei weitere Führungskräfte ihren Rücktritt. Der Grund seien „Lügen, Diffamierungen und persönliche Anfeindungen“ sowie interne Machtkämpfe um die Geschäftsführer Ralf Minge und Michael Born. Weil aber Vereinslegende Minge auf die Unterstützung der Ultras („Ralf Minge unantastbar!“) und der Mannschaft um Kapitän Marco Hartmann („Keiner in diesem Verein ist wichtiger.“) bauen konnte, zog das Präsidium die Konsequenzen.

Viel Unruhe, die den einstigen Chaos-Klub wieder zu alten Verhältnissen zurückführte. Bei Union hingegen ist nichts mehr von dem zu sehen, was den Verein in der vergangenen Saison den Aufstieg in die Bundesliga kostete. Nach dem wenig erbaulichen 0:0 in Paderborn am vergangenen Sonntag behielten sie in Köpenick trotzdem die Ruhe. Trainer Fischer rückte sogar lieber die positiven Erkenntnisse in den Fokus. „Wir müssen versuchen, an die zweite Halbzeit gegen Paderborn anzuknüpfen. Das war für mich der richtige Weg, auch mit Mut etwas zu versuchen. Das müssen wir auch am Sonntag auf den Platz bringen“, sagte der Schweizer.

Dresden ist unter Walpurgis auswärts noch unbesiegt

Der 52-Jährige ist gemeinsam mit Oliver Ruhnert, Unions Geschäftsführer Profifußball, maßgeblich für die unaufgeregte Art der Berliner verantwortlich. Während Ruhnert mit kompetenter Hand den Kader zusammengestellt hat, hat Fischer daraus ein Team geformt, das mit solider Abwehrarbeit überzeugt. „Sie haben ein starkes Kollektiv. Wir müssen schauen, dass wir den Tick schneller sind als der Gegner, auch gedanklich“, sagte Dynamos Walpurgis.

Ob die Gedanken in Dresden mittlerweile wieder zu 100 Prozent beim Fußball sind, bleibt abzuwarten. Für das Team spricht immerhin die Stärke, auf gegnerischem Platz erfolgreich zu sein. Denn auch Dynamo ist ungeschlagen. Auswärts unter Walpurgis.