Fußball

Sebastian Polter meldet sich mit Zaubertor zurück

Der lange verletzte Union-Torjäger trifft gegen Holstein Kiel zum 2:0-Endstand.

Sebastian Polter hebt ab zum Tor des Tages: Nach sieben Monaten Verletzungspause trifft der Stürmer im ersten Einsatz sofort wieder für Union

Sebastian Polter hebt ab zum Tor des Tages: Nach sieben Monaten Verletzungspause trifft der Stürmer im ersten Einsatz sofort wieder für Union

Foto: O.Behrendt / imago/Contrast

Diesen Moment wollte er für sich haben, für sich ganz allein, irgendwie. Und so stand er nun, den Körper mit den Armen auf den Oberschenkeln abgestützt, auf dem Spielfeld, musste die Emotionen, die ihn durchströmten, erst einmal sortieren.

Doch die 20.879 Zuschauer in der Alten Försterei ließen den Stürmer des 1. FC Union nicht, sie riefen laut und immer lauter: „Sebastian Polter, Sebastian Polter“. Später nach dem 2:0 (0:0) gegen Holstein Kiel gestand der Gefeierte: „Ich konnte schon nach dem Tor nicht mehr atmen. Das waren Freudentränen, bei denen ich richtig tief Luft holen musste.“ Mit einem Fallrück­zieher (!) hatte Polter den Sieg in der Nachspielzeit besiegelt.

Florian Hübner, Unions Innenverteidiger, war es, der den 27-Jährigen schließlich in den Arm nahm, ihn wieder ins Jetzt zurückholte. Bei der anschließenden Ehrenrunde blieb er noch im Kreise seiner Mitspieler, doch als es vor den Union-Block ging, hatte er keine Chance. Kapitän Christopher Trimmel schob den athletischen Angreifer nach vorn. Allein stand Polter vor dem Anhang der Köpenicker, noch frenetischer gefeiert als vor dem Spiel, als die Aufstellung verlesen wurde; oder als in der 76. Minute, bei seiner Einwechslung für Sturmkollege Sebastian Andersson. Die sieben Monate Leidenszeit, die Anfang März mit seinem Achillessehnenriss in Kaiserslautern so schmerzvoll begonnen haben – sie sind vorbei, endgültig.

„Ich bin überglücklich, vor allem über die 15 Minuten. Dafür habe ich all die Monate gearbeitet“, sagte Polter. In der Reha, im Kraftraum, „wo ich ihn immer wieder habe schuften sehen“, sagte Grischa Prömel. Der Mittelfeldspieler hatte den Sieg mit seinem dritten Saisontreffer in der 90. Minute eingeleitet, nach einem Abnutzungskampf vor der Pause und einer zweiten Halbzeit, „in der wir klar die bessere Mannschaft waren und deswegen auch verdient gewonnen haben“, bilanzierte Trainer Urs Fischer. Wohl wissend, wem er diesen wichtigen Erfolg nach zuvor drei Unentschieden in Serie nicht zuletzt zu verdanken hatte. „Ich gönne Polter das von Herzen. Wenn man nach sieben Monaten so zurückkommt, was gibt es Schöneres. Auch der Mannschaft ein Kompliment, die immer für ihn da war, wenn es nicht so lief. Heute hat er es uns mit dem Tor zurückgezahlt.“

„Ich drück den Ball rein“

Schon in der ersten Szene nach seiner Einwechslung hätte das Fußball-Märchen, das sich später ereignen sollte, wahr werden können. Mit seiner ersten Ballberührung nach einem Eckball von Trimmel zwang er Holstein-Torwart Kenneth Kronholm gleich zum Eingreifen. „Der Trainer wollte mich erst nach dem Eckball einwechseln, doch ich habe zu ihm gesagt, wechsle mich schon jetzt ein, ich drück den Ball rein“, erzählte Polter. Am Sonntag hatte ihn Trainer Fischer zur Seite genommen und gefragt, ob er für zehn, vielleicht 15 Minuten bereit ist. Polter war bereit, „und dann bekomme ich den Ball auch tatsächlich gleich gegen den Kopf“, erzählte Polter schelmisch, als wäre er nie weg gewesen: „Nur das Timing hat noch gefehlt.“

Der Stolz, die vergangenen Monate gemeistert zu haben, stand ihm ins Gesicht geschrieben. Auch als er seine Schienbeinschoner präsentierte, mit einem Bild von ihm selbst darauf – jubelnd, glücklich – und von seinen Kindern, die er über alles liebt und die ihn in den schweren Momenten der vergangenen Monate immer wieder aufgemuntert haben. Ebenso wie seine Mitspieler. „Ich bin stolz auf die Mannschaft, die mich immer nach vorn gepeitscht hat.“ Seinen Dank zeigte er mit seinem ­Fallrückzieher.