2. Bundesliga

Unions Schlüssel zum Erfolg

Hart im Zweikampf und ein gutes Stellungsspiel: Manuel Schmiedebach hat bereits gezeigt, wie wertvoll er für die Köpenicker ist.

Manuel Schmiedebach ist Denker wie Lenker im Spiel von Union Berlin – und hat das nötige Durchsetzungsvermögen

Manuel Schmiedebach ist Denker wie Lenker im Spiel von Union Berlin – und hat das nötige Durchsetzungsvermögen

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Berlin.  Das ging Urs Fischer dann doch zu weit. „Jetzt schon von einem Top-Team zu sprechen, ist verfrüht nach drei Spieltagen.“ Recht hat der Trainer des 1. FC Union. Die Zufriedenheit, ja sogar Erleichterung, dass der Berliner Fußball-Zweitligist unter ihm so gut in die Saison gestartet ist, wollte er dann aber doch nicht verhehlen. „Man sollte auch zufrieden sein, weil man einiges dafür gemacht hat“, sagte Fischer, „wir behalten den Boden unter den Füßen, aber wir freuen uns auch, wenn es etwas zu freuen gibt. Und Erleichterung – ich würde lügen, wenn ich nein sagen würde. Gerade wenn du neu in eine Liga kommst, helfen dir gute Resultate.“

Wer das Spiel gegen den FC St. Pauli, dieses 4:1, das Union am Sonntag neben den Aufstiegsfavoriten 1. FC Köln an die Tabellenspitze gehievt hat, aufmerksam verfolgt hat, dem wird nicht entgangen sein, dass die Köpenicker mit Sebastian Andersson einen eiskalten Stürmer in den Reihen haben und mit Rafal Gikiewicz einen sicheren Schlussmann – vor allem aber einen Profi, der wiederholt im Spiel der Köpenicker eine hohe Präsenz ausstrahlte: Manuel Schmiedebach.

Im Sommer vom Bundesligisten Hannover 96 geholt, sollte der gebürtige Berliner, der sich gern in Zurückhaltung übt, was Pressetermine angeht, vor allem der Defensive mehr Stabilität geben. Die Partie gegen die Hamburger Kiezkicker hat offenbart, welchen Halt der 29-Jährige der Mannschaft tatsächlich geben kann.

Er verschafft den Mitspielern Raum und Zeit

Stichwort Stellungsspiel. Dass sich Schmiedebach im defensiven Mittelfeld zu Hause fühlt, hat er nicht nur in seinen 176 Erstliga-Einsätzen für Hannover schon oft nachweisen können. Diese Erfahrung kommt dem ehemaligen Herthaner (U19 und U23) nun natürlich in Liga zwei zugute. Mit dem Gespür dafür, wo er im Raum zu stehen hat, um Lücken zu schließen oder anspielbar zu sein, verschafft er seinen Mitspielern Raum und Zeit, um sich noch besser ins Spiel einzubringen. Wie zum Beispiel Grischa Prömel, der gegen St. Pauli den offensiven Part der Doppel-Sechs übernahm und sich dafür sogar mit einem Tor belohnen konnte. „Als Einheit stehen wir ganz gut und arbeiten gut gegen den Ball“, sagte Prömel.

Stichwort Zweikampfverhalten. Es ist unabdingbar, dass der Mann vor der Abwehr einiges an Duellen zu führen hat, quasi als Abräumer der alten Schule. Schmiedebach tut dies mit der notwendigen Härte, meist fair, jedoch ist er sich auch nicht zu schade, eine Gelbe Karte zu riskieren, um ein Zeichen zu setzen.

Die Konsequenz, mit der er Eins-gegen-eins-Situationen bestreitet, geht auch als Signal an seine Teamkollegen. Innenverteidiger Marvin Friedrich, trotz seiner erst 22 Jahre längst kein Neuling mehr, wie die früheren Stationen Schalke 04 und Augsburg belegen, weiß um den Rückhalt, den jemand wie Schmiedebach ihm geben kann. „Es hilft immer, wenn man erfahrene Spieler um sich hat“, sagte Friedrich.

Der Leihvertrag läuft am Saisonende aus

Stichwort Übersicht. Dass Trainer Fischer stets bemüht ist, die Mannschaft in den Vordergrund zu stellen und nicht einzelne Spieler, ist vor allem wichtig für das Gemeinschaftsgefühl. Gleichwohl ist der Schweizer froh, jemanden wie Schmiedebach im Kader zu haben. Gegen St. Pauli hat er „eine klare Struktur in seinem Spiel gehabt. Aus meiner Sicht hat er die Position sehr gut gefunden“, sagte Fischer. Schmiedebach sei „oft an der richtigen Stelle, um zu helfen, auch im Spiel nach vorn, wo er anspielbar gewesen wäre“.

Bestes Beispiel hierfür ist der Treffer zum 4:1 gegen die Hamburger. Mit vier Mann hatte Union zum Konter angesetzt. Auch Schmiedebach war mit nach vorn geeilt, um eine Überzahl zu generieren. Als Robert Zulj den Ball dann quer legte, täuschte Schmiedebach – obwohl selbst in aussichtsreicher Schussposition – einen Abschluss nur an, um das Spielgerät weiter zu Andersson passieren zu lassen. Der Schwede bedankte sich dafür mit seinem dritten Saisontor.

Die Partie gegen St. Pauli hat gezeigt, dass Schmiedebach der Schlüssel sein kann für eine erfolgreiche Union-Spielzeit. Die Köpenicker werden sich daher gut überlegen müssen, ob das zunächst bis Saisonende vereinbarte Leihgeschäft mit Hannover nicht doch in einen festen Vertrag für den Mittelfeldspieler münden soll.

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