Zweite Liga

Deshalb ist Union spitze

Union krönt mit dem 4:1 gegen den FC St. Pauli seinen guten Saisonstart. Trotz der Tabellenführung bleibt man auf dem Boden.

Stürmer Sebastian Andersson erzielte seinen ersten Doppelpack für Union

Stürmer Sebastian Andersson erzielte seinen ersten Doppelpack für Union

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin.  Zaghaft waren die Rufe, fast schon ein wenig ungläubig. Doch das „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ aus dem Fanblock und von der Gegengerade der Alten Försterei war nur wenige Augenblicke nach dem Abpfiff nicht zu überhören. Die Tabelle gab den Anhängern des 1. FC Union ja auch recht, das 4:1 (2:0) gegen den FC St. Pauli ließ den Berliner Fußball-Zweitligisten zum 1. FC Köln aufschließen. Punkt- und torgleich liegen beide Klubs nun vor der Konkurrenz.

Doch selbst von der in solchen Momenten so oft zitierten Momentaufnahme wollte man bei den Köpenickern nichts wissen. Im äußersten Fall vielleicht eine Bestätigung für den guten Saisonstart, den Union mit sieben Punkten und 6:2 Toren hingelegt hat. Mehr jedoch nicht. Wohl wissend um die 31 Spieltage, die noch warten. Und um die Tatsache, dass man selbst eine Tabellenführung nach dem 25. Spieltag noch grandios verspielen kann, so wie in der Saison 2016/17.

Folglich stellt sich Sebastian Andersson nach dem zweiten Heimsieg der Öffentlichkeit und sagt schlicht: „Nicht so viel denken. Wir müssen einfach weitermachen, aber den Sieg genießen wir natürlich.“ Die Äußerung des Schweden, mit der er eigentlich seine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor und seine Saisontreffer zwei und drei erklärte, passt zur Gesamtsituation, mit der Union in die Spielzeit gestartet ist. Der Sieg gegen St. Pauli bestätigte vor 22.012 Zuschauern in der ausverkauften Alten Försterei derweil die Einschätzung des Trainers, was in dieser Saison den Unterschied ausmachen könnte. Ruhe und „stehende Bälle“, hatte Urs Fischer genannt. Seine Spieler scheinen nicht nur für die Partie am frühen Sonntagnachmittag gut zugehört zu haben.

Zwei Geschenke der Hamburger

Im Grunde waren es zwei Szenen kurz vor der Pause, die die Partie zugunsten der Berliner drehten, ja sie eigentlich auch schon entschied. Und es waren zwei lange Einwürfe, die die Ausgangspunkte bildeten. Den ersten nutzte Grischa Prömel aus dem anschließenden Gewühl heraus in der 44. Minute, beim 2:0 flog die Hereingabe von Christopher Trimmel an Freund und Feind vorbei vor die Füße von Akaki Gogia, der das zweite Geschenk der Hamburger nutzte (45.+2). „Zwei Aktionen, in denen wir naiv verteidigen“, sagte St. Paulis Trainer Markus Kauczinski: „Daraus darf kein Tor entstehen, zwei schon gar nicht.“

Es war das furiose Ende einer ersten Halbzeit, in der sich die Mannschaften lange neutralisierten, weil beide kaum ins Risiko gingen und auf ihre gute Defensivarbeit setzten. Trainer Fischer hatte dafür erstmals auf Florian Hübner in der Innenverteidigung gesetzt. Michael Parensen, der vor der Partie noch für seinen 200. Zweitliga-Einsatz beim 1:1 in Köln geehrt wurde, durfte sich frei nach dem Roman des Schweden Jonas Jonasson fühlen wie der „200-malige, der die Blumen empfing und aus der Startelf verschwand“.

Felix Kroos begann statt Marcel Hartel, Zugang Robert Zulj kam erst spät zu seinem Debüt, für Kroos in der 77. Minute. Außerdem lief Gogia für Kenny Prince Redondo auf. „Wir standen echt gut, fanden aber nicht nach vorn“, sagte Gogia. Trainer Fischer monierte „die Bewegung mit dem Ball, da müssen wir uns steigern. Auch kamen wir 25 Minuten lang nicht in die Zweikämpfe.“

Sonderlob des Trainers für Stürmer Andersson

Dafür lobte er die erneute Effizienz vor dem Tor. Und, für den Schweizer durchaus ungewöhnlich, Stürmer Andersson. „Ich muss sagen, das hat er heute klasse gemacht“, sagte Fischer. Das 3:0 nach 57 Minuten, als Andersson nach Zuspiel von Manuel Schmiedebach erst St. Paulis Philipp Zierreis austanzte und dann Torwart Robin Himmelmann düpierte, dokumentierte seine Qualität.

Und nach dem 1:3 von Henk Veerman (71.) schloss der Schwede einen herrlichen Konter ab, indem er den Ball nach Zuspiel von Zulj überlegt von der Strafraumgrenze am Torwart vorbei ins Tor schob (88.). „Ich fühle mich schon, als ob ich einen Lauf habe“, sagte Andersson und nannte auch gleich die Begründung dafür: „Ich genieße jede Sekunde im Team.“

Union, das wurde gegen St. Pauli deutlich, genießt den guten Start, der trotz oder gerade wegen der fünf Zugänge in der Startelf – am Ende standen gegen St. Pauli sogar sieben Neue auf dem Platz – so unaufgeregt vollbracht wurde. Oder wie es Gästecoach Kauczinski formulierte: „Union ist körperlich sehr stark und hat uns unsere Grenzen gezeigt.“

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