1. FC Union

Trainer Hofschneider soll das Unmögliche möglich machen

André Hofschneider soll Union in die Bundesliga führen. Die Aufgabe ist schwieriger als bei seinem ersten Engagement.

Trainer André Hofschneider steht unter Druck

Trainer André Hofschneider steht unter Druck

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin.  Im Zimmer, das beim 1. FC Union dem Cheftrainer vorbehalten ist, brannte zwischen Weihnachten und Neujahr öfter Licht. André Hofschneider, Anfang Dezember überraschend in dieses Amt gekommen, betrieb dort so etwas wie Selbstdisziplinierung. „Im Grunde ist es mit der Arbeit so wie mit dem Gang ins Fitnessstudio. Zu Hause machst du deine Liegestütze auch seltener als wenn du ins Studio gehst“, sagt der Trainer des Berliner Zweitligisten über sein häufiges Erscheinen zwischen den Jahren.

Andererseits steht Hofschneider auch nicht in dem Verdacht, seine Aufgaben zu vernachlässigen. Wie könnte er? Viel zu groß ist die Verantwortung für das, was er da von den Verantwortlichen des 1. FC Union aufgetragen bekommen hat, und viel zu groß ist die Chance, die sich daraus ergibt. Das gleiche gilt für die Risiken. Nicht weniger als den ersten Aufstieg des Klubs in die Bundesliga erhoffen sie sich von dem Mann, der zum zweiten Mal als Alleinverantwortlicher für die Mannschaft zuständig ist.

Im Trainingslager in Spanien für die Rückrunde fit machen

Beim ersten Mal, im Februar 2016, war die Ausgangslage eine völlig andere. Damals übernahm Hofschneider ein Team, das sich vom bis dahin verantwortlichen Sascha Lewandowski abgewandt hatte. Zwischen Trainer und Mannschaft lag ein Graben, unüberwindbar und tief wie ein Canyon. Hofschneiders primäre Aufgabe bestand darin, eine völlig verkorkste Saison noch irgendwie anständig zu Ende zu bringen und den Spielern wieder den verlorengegangenen Spaß an ihrer Arbeit zurückzugeben.

Das gelang ganz hervorragend, und Union schloss die Spielzeit nach einer Siegesserie im Frühjahr noch als Sechster ab. Anschließend verabschiedete sich Hofschneider Richtung Köln, wo er seine Trainerausbildung begann, und Union heuerte Jens Keller an. Der war bis zu seiner überraschenden Entlassung bei seinen Spielern beliebt, aber das ist nicht der einzige Unterschied am Beginn von Hofschneiders zweiter Amtszeit. Zum ersten Mal ist er keine Übergangslösung, sondern der Hoffnungsträger eines ganzen Vereins, der – anders als zuletzt – nicht mehr komplett in sich ruht.

Kellers Entlassung verdeutlicht den Druck, der inzwischen in Köpenick herrscht. Die Bundesliga hat Präsident Dirk Zingler schon vor Jahren als Ziel ausgegeben, mittelfristig wolle man zu den besten 20 Vereinen des Landes gehören, hieß es damals. Mittelfristig wäre dann jetzt, doch statt nach oben zu schauen, stagniert der 1. FC Union nach Jahren des ständigen Fortschritts. Als Sechster liegt er bereits sieben Punkte hinter einem Aufstiegsplatz.

Aufstiegschance so groß wie nie

Dieser Rückschritt kommt zur Unzeit. Vor der Saison waren sich alle Experten einig, dass die Chance aufzusteigen für Vereine wie Union größer denn je ist. Kein Schwergewicht, kein potenzieller Bundesligist mit weitaus größeren finanziellen Mitteln gehört 2017/18 der Zweiten Liga an, niemand gilt als unbezwingbar. Vor diesem Hintergrund ist Unions bisheriges Abschneiden für die Vereinsspitze umso enttäuschender. In naher Zukunft ist ein Stadionausbau der Alten Försterei geplant, der auf die Bundesliga abzielt.

Hofschneider soll das derzeit unmöglich Erscheinende doch noch möglich machen. Dafür macht er die Mannschaft seit Sonnabend im achttägigen Trainingslager in Oliva Nova (Spanien) fit, in dessen Rahmen Testspiele gegen Gent (10. Januar) und Wehen-Wiesbaden (12. Januar) anstehen. Doch damit allein ist es nicht getan. Intern wurde Keller die Eindimensionalität der Mannschaft vorgeworfen. Das aggressive Gegenpressing galt als entschlüsselt, immer besser waren die Gegner darauf eingestellt und Union tat sich vor allem schwer darin, Lösungen gegen tief stehende, dicht gestaffelte Abwehrreihen zu finden.

Das Team vom Konterfußball umschulen hin zum Ballbesitz

Hofschneider soll nun einen neuen Ballbesitzfußball in Köpenick kultivieren. „Wir haben genug Qualität, um guten Fußball zu spielen, nur müssen wir uns mehr auf unsere Stärken konzentrieren und diese auch abrufen“, sagt Hofschneider. Vor allem in den ersten zwei Spielen unter seiner Regie gegen Dresden (0:1) und Ingolstadt (1:2) sei das zu wenig der Fall gewesen. „Wir haben das Heft des Handelns zu oft dem Gegner überlassen“, so Hofschneider.

Genau das war unter Keller meist der Plan. Union lockte den Gegner, um dann durch schnelle Konter zum Erfolg zu kommen. Es gibt sicher dankbarere Aufgaben für einen neuen Trainer, als die DNA eines Teams in so kurzer Zeit ändern und damit auch noch Erfolg haben zu müssen. Zeit bleibt Hofschneider kaum. Die ersten drei Spiele in Kiel, gegen Nürnberg und in Bielefeld werden darüber entscheiden, ob Union noch eingreifen kann in den Aufstiegskampf. Scheitern die Berliner deutlich, dürfte Union trotz anderslautender Bekundungen kaum gewillt sein, mit Hofschneider in die neue Saison zu gehen.

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