Pleite für Union

Wechsel zu Hofschneider bleibt ohne Wirkung

Unions neuer Trainer startet mit einer Niederlage gegen Dresden. Von neuer Mentalität ist in seinem Team nichts zu sehen.

Unions Profis und die Ratlosigkeit nach der Niederlage gegen Dresden

Unions Profis und die Ratlosigkeit nach der Niederlage gegen Dresden

Foto: Matthias Koch / imago/Matthias Koch

Berlin.  Dieser Trainerwechsel hat seine Wirkung nicht verfehlt. 3:0 (1:0), welch ein Befreiungsschlag für den 1. FC Union. André Hofschneider wird den Sieg der A-Junioren im Bundesliga-Abstiegskampf sicher wohlwollend zur Kenntnis genommen haben, war der Nachwuchs der Köpenicker doch bis vergangenen Montag seine Mannschaft.

Sein neues Team, die Zweitliga-Profis, bescherten ihm bei seinem Debüt als Chefcoach hingegen alles andere als einen Einstand nach Maß. 0:1 (0:0) im Ostderby gegen Dynamo Dresden, gegen seinen Ex-Chef Uwe Neuhaus und gegen die Trendwende, die sich Unions Führungsetage durch den überraschenden Trainerwechsel von Jens Keller zu Hofschneider erhofft hatte.

Eine Niederlage, die verdient war, wie Hofschneider selbst eingestand. Seine Begründung offenbart jedoch, welche Spuren die Trennung im Team tatsächlich hinterlassen hat. Nach einer Riesenkopfballchance von Union-Stürmer Sebastian Polter, die der Torjäger aus sieben Metern völlig freistehend vergeben hatte (54.), „übernahm Dresden das Kommando, hatte die reifere Spielanlage und konnte mit dem Ball mehr anfangen als wir“, analysierte Hofschneider.

Ein Keller-Team ohne Keller-Fahrplan

Bei Union war wenig, vor allem nach dem Rückstand aber gar nichts mehr zu sehen von einer Mannschaft, die wieder mal jenen Mangel an Mentalität zeigte, mit dem Lutz Munack, Unions Geschäftsführer Sport, den Trainerwechsel begründet hatte. Stattdessen bot sich den 22.012 Zuschauern in der ausverkauften Alten Försterei ein Team, dessen Verunsicherung spürbar war und das sich beim Versuch, in die Erfolgsspur zurückzufinden, auch noch ihrer wichtigsten Stärke beraubt schien: ihrem hohen Pressing.

Die Räume wollten die Köpenicker eng machen, auch wollten sie „hinten gut stehen“, wie Felix Kroos berichtete: „Wir wussten, dass Dresden dann mehr Ballbesitz haben würde.“ Nur ein Plan, wie ein eigenes Tor gelingen sollte, war nicht zu erkennen.

Dabei hatte Hofschneider wie erwartet taktisch keine Veränderungen (4-2-3-1) und personell nur marginale Anpassungen vorgenommen. Statt Grischa Prömel spielte Dennis Daube neben Kroos im defensiven Mittelfeld, und Steven Skrzybski ersetzte den angeschlagenen Marcel Hartel hinter Spitze Polter. Ein Keller-Team, allerdings ohne Keller-Fahrplan. „In gewissen Situationen waren wir nicht vorbereitet, in Ballbesitz zu bleiben“, sagte Hofschneider.

Kroos nimmt das Gegentor auf seine Kappe

Dies spielte den Sachsen, die mit dem Selbstvertrauen von zwei Siegen nach Berlin gereist waren, in die Karten. Spielerisch gefälliger, gab es für die Gäste auch die besseren Chancen. Erich Berko rutschte ein wenig zu spät in eine Flanke des starken Haris Duljevic, nachdem Akaki Gogia den Ball kurz vor dem eigenen Strafraum verloren hatte (14.). Der Bosnier war es auch, der nach einer Ecke und einer feinen Kombination durch die Union-Abwehr aus Nahdistanz über das Tor schoss (30.). Auch Lucas Röser scheiterte aus zwölf Metern nur knapp (42.). Union hatte dem nur zwei Kopfbälle von Skrzybski und Leistner entgegenzusetzen (37.).

Nach der Pause nahm das Unglück dann vollends seinen Lauf. Nach einer Flanke von Philip Heise versuchte Kroos, den Ball aus der Gefahrenzone zu bekommen. Ein Schuss, der nach hinten los ging, denn der Kapitän bugsierte das Spielgerät direkt vor die Füße von Dynamo-Kapitän Andreas Lambertz, der keine Mühe hatte einzuschießen (71.).

„Wir haben heute den einen entscheidenden Fehler gemacht. Das Ding geht ganz klar auf meine Kappe“, erklärte Kroos: „Ich laufe mit Tempo in den Strafraum, um vor ihm an den Ball zu kommen. Irgendwie passt dieses Tor auch in unsere Situation.“

Fans skandieren „aufwachen, aufwachen“

Eine Situation, die Hofschneider durch die Einwechslungen von Angreifer Philipp Hosiner für Daube (74.) sowie Damir Kreilach für den erneut hinter seinen Möglichkeiten gebliebenen Gogia (80.) zumindest gegen Dresden noch zu verbessern versuchte. Es misslang, weil die Köpenicker jede Form eines geordneten Offensivspiels vermissen ließen.

Das vierte Spiel in Folge ohne Sieg (drei Niederlagen) bedeutet einen weiteren erheblichen Rückschlag für die Bundesliga-Ambitionen der Berliner. „Wir brauchen jetzt nicht zu überlegen, was im Mai ist. Wir müssen das nächste Spiel gewinnen, dann haben wir in der Winterpause Zeit, um über alles zu reden“, sagte Kroos.

Ob Unions Fans am Freitag gegen Bundesliga-Absteiger FC Ingolstadt erneut so viel Geduld aufbringen, bleibt abzuwarten. Nach der Pleite gegen Dresden schallte den Profis ein lautes und anhaltendes „Aufwachen, aufwachen“ entgegen.