Kommentar

Union zeigt Nerven

Mit der Entlassung von Trainer Keller untermauern die Köpenicker, wie notwendig der Bundesliga-Aufstieg ist, meint Michael Färber.

Trainer Jens Keller wurde bei Union entlassen

Trainer Jens Keller wurde bei Union entlassen

Foto: Armin Weigel / dpa

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde Jens Keller beim 1. FC Union als der Trainer gefeiert, der die Berliner in die Bundesliga führen wird. Nun ist der 47-Jährige nur ein weiteres sportliches Kapitel, das der Köpenicker Klub beendet hat. So überraschend wie kaum zuvor in seiner Historie.

Die Entlassung des Coaches zeigt vor allem eines: Der Mythos von einem Klub, der sich im Profigeschäft so anders präsentiert und den viele immer noch um die Alte ­Försterei wehen sehen, ist Geschichte. Spätestens seit Montagvormittag. Mit der Demission Kellers wird nach den Gesetzen des Marktes gehandelt und damit erstmals seit der Rückkehr in die Zweite Liga ausschließlich aufgrund sportlicher Gründe.

Trennten sich die Köpenicker von Uwe Neuhaus, Norbert Düwel und Sascha Lewandowski noch aus eher menschlichen Belangen, die eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr möglich machten, so ist die Entlassung Kellers die Folge nicht nur der vergangenen drei sieglosen Spiele, sondern der seit Wochen eher mauen Auftritte der Profis. Die Zeiten, in denen Klubchef Dirk Zingler darauf verwies, dass zu einer Trainerentlassung bei Union mehr gehöre als nur die sportliche Situation, sind endgültig vorbei.

Trotz Fünf-Punkte-Rückstands noch nichts verloren

Und noch etwas wird deutlich durch die Trennung vom Trainer, der angesichts der sportlichen Weiterentwicklung der Mannschaft seit seinem Amtsantritt im Sommer 2016 bei den Fans durchaus angesehen war. Nie zuvor hat es Union für notwendiger erachtet, in die Bundesliga aufzusteigen, als in dieser Saison.

Union zeigt Nerven, obwohl trotz der Niederlage in Bochum und des Fünf-Punkte-Rückstandes auf die beiden Aufstiegsplätze nach 16 Spieltagen längst noch nichts verloren ist. Dass sich der Klub dennoch bemüßigt fühlte, die wichtigste sportliche Personalie zwei Spiele vor der Winterpause zu verändern, untermauert das Verlangen an der Alten Försterei nach Erstklassigkeit.

Dass Union dabei auf André Hofschneider setzt, ist nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass der Ur-Unioner die Profis schon zur Rückrunde 2015/16 als Interimscoach aus ihrer Lethargie geholt und ihnen den Spaß am Fußball zurückgebracht hatte. Er wird ganz im Sinne des Zinglerschen Edikts handeln und sich stets hinterfragen, ob man alles für den Aufstieg tue. Bei Keller hatte Union dieses Gefühl offensichtlich nicht mehr.