Mitgliederversammlung

Nur der Aufstieg fehlt Union noch

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Michael Färber und Inga Böddeling
Union-Präsident Dirk Zingler (r.) und Geschäftsführer Oskar Kosche präsentierten den Mitgliedern wieder Rekordzahlen

Union-Präsident Dirk Zingler (r.) und Geschäftsführer Oskar Kosche präsentierten den Mitgliedern wieder Rekordzahlen

Foto: Soeren Stache / picture alliance / Soeren Stache

Union präsentiert Rekordzahlen, sieht sich in Sachen größere Alte Försterei im Soll und plant mit höchstem Etat der Klubgeschichte.

Berlin.  Die Botschaft, die Dirk Zingler den Mitgliedern und Angestellten des 1. FC Union am Mittwochabend bei der jährlichen Mitgliederversammlung mit auf den Weg gab, ist unmissverständlich. „Besonderes erreicht man nur, wenn man Besonderes leistet“, sagte der Präsident des Berliner Fußball-Zweitligisten. Der Sprung in die Bundesliga gehört dazu, „den streben wir an“, so Zingler, nach Möglichkeit schon in dieser Saison. „Und falls wir es nicht schaffen, versuchen wir es in der nächsten Saison erneut.“ Der Mannschaft um Trainer Jens Keller, die der Versammlung beiwohnte, redete Zingler ins Gewissen: „Fragt euch jeden Tag, ob ihr bereit seid, alles zu geben.“ Zum Besonderen gehört auch eine größere Alte Försterei, bei deren Entstehung der Klubchef Union „voll im Plan“ sieht.

Die Entwicklung, die die Köpenicker in den vergangenen Jahren genommen haben, hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Dazu passten auch die Etatzahlen, die Zingler den nur 765 anwesenden Mitgliedern präsentierte. So schloss Union die vergangene Spielzeit mit einem Umsatz von 38,5 Millionen Euro ab – gut vier Millionen Euro mehr als geplant (Verkauf von Bobby Wood zum Hamburger SV für 3,5 Millionen Euro, gestiegener Fanartikelverkauf).

Rekordetat für 2017/18 von 42,23 Millionen Euro

Die Saison 2016/17 wurde mit einem Gewinn von 1,13 Millionen Euro abgeschlossen. Dadurch konnte das negative Eigenkapital auf 2,97 Millionen Euro (Altlasten aus der Zeit vor allem der 1990er-Jahre) gesenkt werden. Weitere 8,7 Millionen Euro, die Union noch Unternehmer Michael Kölmel schuldet, sind dauerhaft mit Rangrücktritt versehen. Für die aktuelle Saison plant Union mit einem Rekordetat von 42,23 Millionen Euro und einem Gewinn von 86.000 Euro. Größter Posten bei den Ausgaben (42,14 Millionen Euro) ist der Lizenzspieleretat. Der Zweitligist investiert gut ein Drittel (14,27 Millionen Euro) in das kickende Personal von Coach Keller. Union wächst, und das in allen Bereichen. Die Mitgliederzahl stieg in 2016/17 um 34 Prozent auf 18.535, bis Saisonende könnten es 22.000 sein. Die Zahl der Dauerkarten bleibt auf 11.500 beschränkt, zudem dürfen sich für 2018/19 nur noch Dauerkartenbesitzer, die auch Union-Mitglied sind, ein Reservierungsrecht für das Saisonticket sichern. Bislang brauchte man dafür nur Dauerkartenbesitzer zu sein.

Zinglers Begründung: „Rechte bewahren, die man seit 20 Jahren hat, halte ich für falsch. Das steht einer Entwicklung im Wege. Wir haben deshalb eine gerechte Entscheidung getroffen, die auch ins Leben passt. Sonst haben wir immer die gleichen Menschen im Stadion.“ Unions Präsident sieht darin eine Stärkung der Mitglieder. Wer also alle 17 Union-Heimspiele besuchen will, muss neben aktuell 187 Euro für die Dauerkarte Stehplatz (Sitzplatz 680 Euro) zusätzlich 120 Euro Mitgliedsbeitrag pro Jahr berappen. Im Gegenzug beschloss die Versammlung die Einführung einer Familienmitgliedschaft, die im Vergleich zu den Einzelmitgliedschaften günstiger ausfällt.

Die Mitgliederentwicklung zeigt, wie sinnvoll eine Stadionerweiterung von 22.012 auf rund 37.000 Plätze ist. Ein vorhabenbezogenes Bebauungsplanverfahren ist beantragt und soll, so hofft Zingler, „im Sommer 2019 beschlossen werden“. Gutachten zu den Themen Verkehr, Lärm und Umwelt liegen ab Frühjahr 2018 aus. Die Finanzierung des 38,1 Millionen Euro teuren Vorhabens durch Hypotheken-Darlehen soll „im ersten Quartal nächsten Jahres“ gesichert sein, ist sich Zingler sicher.

Nachwuchszentrum soll ab März 2018 gebaut werden

Darin enthalten ist dann auch der Eigenanteil, den Union für den Bau des ersten, 14 Millionen Euro teuren Abschnitts des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) im Bruno-Bürgel-Weg veranschlagt hat. 8,8 Millionen Euro steuert das Land Berlin bei, wie im Nachtragshaushalt 2017 beschlossen. Baubeginn dieses ersten Abschnitts soll Ende März 2018 sein.

Mit der Errichtung eines Amateurstadions (3000 Plätze) und einer Ballspielhalle, die auf dem östlich des neuen NLZ angrenzenden Gewerbegebiet geplant ist, soll frühestens in drei bis fünf Jahren begonnen werden. Zu den Sorgen des Kreisligisten SSV Köpenick-Oberspree (9. Liga), vom daneben liegenden Gelände mit dem Käthe-Tucholla-Stadion verdrängt zu werden, sagte Zingler: „Mit uns wird es keine Verdrängung anderer Vereine gegen deren Willen geben, das habe ich auch im Abgeordnetenhaus so gesagt. Sonst würden wir auch verzichten.“

Rekordzahlen, Mitgliederzuwachs, bei den Bauvorhaben im Plan – fehlt nur der Aufstieg, um 2017/18 zum wirklich besonderen Jahr für Union zu machen.