Zweite Liga

Union gegen St. Pauli: Spitzenteam gesucht

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Michael Färber
Unions Torjäger Sebastian Polter (l.) und St. Paulis Marc Hornschuh im Duell beim letzten Aufeinandertreffen im März

Unions Torjäger Sebastian Polter (l.) und St. Paulis Marc Hornschuh im Duell beim letzten Aufeinandertreffen im März

Foto: Fotostand / Krause / picture alliance / Fotostand

Das Verfolgerduell zwischen Union und St. Pauli ist auch das Treffen zweier Klubs, die sich im Aufstiegsrennen mehr ausgerechnet hatte.

Berlin.  Natürlich gab es erst einmal Lob für den Gegner. „St. Pauli hat Qualität, eine junge Mannschaft und ein gutes Umschaltspiel“, sagte Jens Keller, der Trainer des 1. FC Union, vor dem Zweitliga-Duell gegen die Hamburger am Sonnabend. Für Olaf Janßen, Coach des FC St. Pauli, ist Union sogar „derzeit die stärkste Mannschaft der Liga“.

Am Sonnabend, ab 13.30 Uhr, Alte Försterei, sind der Nettigkeiten jedoch genug gewechselt. Union gegen St. Pauli, das ist im Herbst 2017 ein Verfolgerduell, aber auch eine Partie zweier Mannschaften, die sich im Aufstiegsrennen ein wenig mehr ausgerechnet hatten.

Die bislang zwölf absolvierten Partien waren auf beiden Seiten vor allem ein Zeugnis der Schwierigkeit, eine Spitzenmannschaft sein zu wollen. Bei Union trauert man immer noch jenen fünf sieglosen Spielen zu Saisonbeginn nach, in denen nur drei Punkte geholt wurden. Bei St. Pauli hatte man sich erhofft, an die famose Rückrunde der vergangenen Saison anknüpfen zu können – 34 Zähler in 17 Partien bedeuteten einen Klubrekord.

Konstanz und Kaltschnäuzigkeit fehlen

Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Den Berlinern ist es bislang noch nicht gelungen, die für den Sprung in die Bundesliga nötige Konstanz zu erreichen. Das mag angesichts der Serie von zuletzt fünf Partien ohne Niederlage (13 Punkte) komisch anmuten, Spiel für Spiel betrachtet, agiert Union jedoch noch nicht wie eine Spitzenmannschaft, die sich auf dem Weg in die erste Liga nicht stoppen lässt.

Zu oft braucht es erst noch die Ansprache Kellers in der Pause, um dann in der zweiten Halbzeit endlich wie ein Aufstiegskandidat loszulegen. Zudem – Stichwort Konzentration – kassiert Union noch zu viele Gegentore kurz vor dem Abpfiff, Punktverluste inklusive. Allein in Nürnberg (2:2), Düsseldorf (2:3) und zuletzt Duisburg (1:1) wurden in den letzten sechs Minuten insgesamt sechs Punkte verspielt.

Schon deshalb fordert Keller von seinen Profis: „Wir müssen absolut laufbereit sein, um gegen eine defensive Mannschaft erfolgreich zu sein, und auf ihr Umschaltspiel aufpassen.“

Die Hamburger erleben ein Paradoxon

Janßens Worte für die 90 Minuten in Köpenick dürfen als Kampfansage verstanden wissen. „Wir fahren dorthin, um mit allem, was wir haben, dieses Spiel zu gewinnen. Da gibt es kein Wenn und kein Aber“, so der St.-Pauli-Coach. An Selbstbewusstsein mangelt es den Hamburgern nicht, obwohl sie in dieser Spielzeit das klassische Paradoxon schon mehrfach erlebt haben.

Gerade in den vergangenen drei Partien erwiesen sich die Kiezkicker als spielerisch besser als der Gegner, kamen gegen Kaiserslautern, in Sandhausen und gegen Aue jedoch nicht über ein 1:1 hinaus. Der Hauptgrund hierfür ist die schwache Chancenverwertung. Dem gegenüber stehen glückliche Siege nach eher mäßigen Leistungen.

Mehr Konzentration in der Schlussphase, konsequenteres Handeln vor dem Tor – Eigenschaften, die in einer Zweitliga-Saison ohne Schwergewichte wie zuletzt Hannover oder Stuttgart schon ausreichen würden, um ganz vorn dabei zu sein.

Für beide gilt: verlieren verboten!

So aber gilt für Union, erst recht aber für St. Pauli, das drei Punkte hinter den Berlinern ins Verfolgerduell geht: verlieren verboten. „Man sieht, dass es Woche für Woche nicht einfach ist“, sagte Keller. Das gelte nicht nur für sein Team, das von Friedhelm Funkel, dem Trainer des Spitzenreiters Fortuna Düsseldorf, ja sogar von Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler nach dem Pokal-Aus (1:4) zum Aufstiegsfavoriten Nummer eins auserkoren wurde.

Von einem speziellen, gar richtungsweisenden Spiel will Union-Coach Keller dennoch nichts wissen. „Es sind drei Punkte. Und die wollen wir nach dem Unentschieden in Duisburg unbedingt hier behalten.“ Spitzenmannschaft hin oder her.