DFB-Pokal

Der 1. FC Union und sein geliebter Feind

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Inga Böddeling

Foto: firo Sportphoto/Ralf Ibing / picture alliance / augenklick/fi

Der Zweitligist will das belastete Verhältnis zum DFB-Pokal mit einem Sieg in Leverkusen verbessern – mit einer speziellen Maßnahme.

Berlin.  Elf. Für Jens Keller die Antwort auf alle Fragen. Auf wie vielen Positionen will er rotieren? Elf. Wie viele Wechsel verträgt denn das Spiel, damit die Mannschaft nicht aus dem Tritt gerät? Elf. Trainer Keller macht deutlich, wenn die Köpenicker am Dienstag (18.30 Uhr, Sky) bei Bayer Leverkusen in der zweiten Runde im DFB-Pokal antreten, wird er sein Team ordentlich durchmischen.

Ein Pokalspiel gegen einen Bundesligisten, der laut Trainer Keller zu den besten sechs Teams der Liga zählt. „Für die Mannschaft ist es ein tolles Spiel, da kann jeder einzelne wachsen. Und ich möchte natürlich schon alles probieren, damit wir eine Top-Leistung bringen,“ sagt Keller. Union und der geliebte Feind DFB-Pokal. Eine Geschichte, die in den vergangenen Jahren häufig schon kurz nach Beginn des Wettbewerbs auserzählt war.

637.000 Euro als Extra-Anreiz – und 3000 Fans

So auch in der vergangenen Saison, als in Runde zwei ebenfalls ein Bundesligist zwischen Union und dem Achtelfinale stand. Gegen Borussia Dortmund kämpften sich die Berliner bis ins Elfmeterschießen – die Sensation blieb aus. Dennoch: Die Partie hatte Signalwirkung. „Wir werden sicherlich aufzeigen, dass wir gegen Dortmund bestanden und ein sehr gutes Spiel gemacht haben und mit diesem Selbstbewusstsein nach Leverkusen fahren“, sagt Keller. Union sammelte Selbstvertrauen für den Kampf um den Aufstieg. Ein Ziel, dass auch in dieser Saison verfolgt wird. Da dürfte eine gehörige Portion Rückenwind durch eine Pokalsensation in Leverkusen nicht schaden.

Doch nicht nur ein Motivationsschub für den Ligaalltag macht den Ausflug auf die große nationale Fußballbühne so attraktiv für Union. „Für den Verein wär das wichtig, finanziell ist der Pokal eine schöne Sache, deshalb wollen wir alles probieren, dass wir eine Runde weiterkommen“, erklärt der Trainer. 637.000 Euro gibt es für den Sprung ins Achtelfinale, ganz zu schweigen von der bundesweiten Plattform, auf der Union zeigen kann, wie ernst es mit den eigenen Bundesliga-Ambitionen ist.

Schon deshalb werden mehr als 3000 Fans die Berliner in der BayArena unterstützen. War es in den vergangenen Jahren ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Pokalauftritte nicht mehr als Eintagsfliegen waren, gibt es nun berechtigte Hoffnung, dass aus Unions geliebter Feindschaft vielleicht doch Freundschaft wird.

Bayer muss auf Torjäger Volland verzichten

Mit vier Siegen aus vier Spielen hat Union seinem Pokal-Gegner einiges voraus. Leverkusen hat sich mit dem 5:1 gegen Borussia Mönchengladbach am Wochenende zwar warm geschossen, muss gegen Union jedoch verletzungsbedingt auf Toptorjäger Kevin Volland verzichten. Schlechte Voraussetzungen, wenn sich die Forderung von Trainer Heiko Herrlich nach Kontinuität erfüllen soll.

Die hat sich bei Union nach der jüngsten Siegesserie bereits eingestellt. Ein Vorteil, der die Chancen auf einen guten Pokal-Auftritt vergrößert – trotz des Risikos, dass Trainer Keller eingehen wird, wenn er sein eingespieltes Team auseinandernimmt. Der 46-Jährige hat seinen Plan für genau durchdacht und verfolgt dabei drei Prinzipien: Energie, Vertrauen und Motivation.

Nach dem kräftezehrenden 3:1-Heimsieg gegen Greuther Fürth am Sonnabend brauche Union einen Frischekick, um gegen Leverkusen bestehen zu können. „Wir sind unfassbar viel gelaufen, 125 Kilometer. Daher sind wir überzeugt davon, dass wir durch die Rotation frische Spieler bringen und damit einfach mehr Energie haben“, erklärt der Trainer.

Skrzybski, Kreilach und Fürstner als Startelf-Kandidaten

Dabei setzt Keller großes Vertrauen in jeden einzelnen seiner Profis: „Ich hab immer gesagt, dass wir einen guten Kader haben und keine B-Elf,“ erklärt er. Union habe zwei A-Mannschaften, die in Liga und Pokal gleichermaßen angreifen können. Womit dann auch Kellers dritter Punkt in seinem Match-Plan greift.

Einige Spieler, die in der Liga momentan auf der Bank sitzen, können sich nun beweisen. Steven Skrzybski, Damir Kreilach, Stephan Fürstner und Marc Torrejon – in der vorigen Saison allesamt Stammspieler – sind Kandidaten für die erste Elf. Für Peter Kurzweg, der bei seinem Zweitligadebüt gegen Fürth an seine Leistungsgrenze gegangen ist, kehrt Kristian Pedersen zurück. Mit Kellers elf A-Spielern aus der zweiten Reihe soll also die Pokalsensation her. Vielleicht ja im Elfmeterschießen. Dann könnte sich die Elf noch zu Unions Glückszahl mausern.