Fussball

Union hat das Siegen verlernt

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Michael Färber
Zwei, die sich fast neunzig Minuten lang bearbeiteten: Unions Stürmer Sebastian Polter (l.) und  Braunschweigs Verteidiger Joseph Baffo.

Zwei, die sich fast neunzig Minuten lang bearbeiteten: Unions Stürmer Sebastian Polter (l.) und Braunschweigs Verteidiger Joseph Baffo.

Foto: Annegret Hilse / dpa

Auch gegen Eintracht Braunschweig kommt der Berliner Fußball-Zweitligist 1. FC Union nicht über ein enttäuschendes 1:1 hinaus.

Berlin.  Felix Kroos brachte es gleich auf den Punkt. „Mit dem Spiel können wir zufrieden sein, mit dem Ergebnis nicht“, sagte der Kapitän des 1. FC Union. Tatsächlich gelang dem Berliner Fußball-Zweitligisten gegen Eintracht Braunschweig eine Leistungssteigerung, ein Sieg sprang jedoch nicht heraus. Zum vierten Mal in Folge. Und durch das 1:1 (0:0) gegen die Niedersachsen liegen die beiden Aufstiegsränge bereits vier Zähler entfernt.

Die Partie begann erst eine halbe Stunde später, weil viele Braunschweiger Fans wegen eines Staus auf der Autobahn A2 nicht pünktlich in die Alte Försterei komm konnten. Auf der anderen Seite schafften es die Union-Anhänger, sich mit einer fragwürdigen Choreografie in Szene zu setzen. Als die Klub-Hymne von Nina Hagen beim Einlaufen der Mannschaften aus den Lautsprechern dröhnte, zogen sie zwei Transparente mit der Aufschrift „Waldseite bis zum letzten Atemzug“ in die Höhe – begleitet von gelbem Rauch und roten Bengalos.

Keller setzt wieder auf bewährtes Heim-Trio

Als der Rauch sich verzogen hatte und der Gäste-Fanblock leidlich gefüllt, gab es aus Sicht der Berliner vor allem eine Frage zu beantworten. Schaffen es die Unioner, nach den eindringlichen Worten ihres Trainers die erste Halbzeit nicht wie zuletzt in Düsseldorf wieder zu verschlafen? Die Antwort ist ein ganz klares Jein. Union startete mit Wucht in das Duell der Enttäuschten (beide Teams hatten zuvor dreimal nicht gewonnen). Allerdings ohne große Ideen.

Dabei hatte Union-Trainer Jens Keller wieder auf sein bewährtes Heim-Trio im Zentrum gesetzt: Kapitän Felix Kroos im defensiven Mittelfeld, davor Damir Kreilach und Marcel Hartel. Doch nach rund einer Viertelstunde ergab sich das gleiche Bild wie vergangenen Sonntag in Düsseldorf: Der Gegner agierte, vor allem über den flinken Onel Hernandez, Union reagierte – bis zur 29. Minute. Ein Steilpass von Kroos auf den Schweden Simon Hedlund und dessen Schuss, der knapp das Eintracht-Tor verfehlte, weckten Union.

Schon vor dem 1:0 hätte Hedlund treffen müssen

„Ab der 20. Minute haben wir das Spiel beherrscht“, analysierte Keller: „Nach unseren Möglichkeiten wäre es nicht unverdient gewesen, wenn wir den Dreier geholt hätten.“ Drei Minuten nach seiner Riesenchance war Hedlund auch an der brisantesten Szene vor der Pause beteiligt. Ein Rückpass des Braunschweigers Gustav Valsvik misslang, Hedlund strebte mit dem Ball allein auf das Gäste-Tor – und wurde kurz vor dem Strafraum von Joseph Baffo gestoppt, laut Schiedsrichter Sören Storks regelkonform (32.).

Nach der Pause entwickelte sich eine packende Partie, in der die taktischen Zwänge mehr und mehr fielen. Auslöser war die Union-Führung durch Hedlund. Ein Befreiungsschlag von Kreilach fand Sebastian Polter, der den Ball sofort steil auf Hedlund spielte, der eiskalt vollendete (52.). Der Union-Anhang unter den 21.114 Zuschauern feierte enthusiastisch, und zwar ganze zehn Minuten lang. Dann offenbarte Union erneut Defensivprobleme. Braunschweigs Salim Khelifi hatte sich auf der rechten Seite durchgesetzt und die gesamte Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nur Christoffer Nyman, der doch rechtzeitig fit geworden war, hatten die Köpenicker übersehen. Der Schwede brauchte den Querpass nur noch einzuschieben, wenn auch aus abseitsverdächtiger Position (62.).

Polter vergibt die große Siegchance in der 77. Minute

Jetzt kannten beide Teams nur ein Ziel: das zweite Tor machen, bloß nicht noch mehr Punkte auf die Tabellenspitze liegenlassen. Kreilach stoppte Braunschweigs Hernandez (64.), Union-Torwart Jakob Busk war gegen Suleiman Abdullahi zur Stelle (66.), der quirlige Hartel schlenzte den Ball an die Latte (72.), dann wurde Akaki Gogia elfmeterreif von Baffo gefoult (72.), später ging auch Polter nach einem Zweikampf mit dem Schweden zu Boden (76.). „Es gab wieder einige Situationen mit dem Schiedsrichter, auf die ich nicht näher eingehen möchte“, sagte Keller nur. Und als Polter zunächst mit der klarsten Chance des Spiels nach Traumvorlage des eingewechselten Steven Skrzybski an Gäste-Torwart Jasmin Fejzic scheiterte (77.) und in der Nachspielzeit Domi Kumbela die Siegchance für die Eintracht vergab, war das vierte Spiel in Folge ohne Sieg besiegelt. Für beide Mannschaften.