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DFB-Pokal: Union zittert sich in die nächste Runde

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Saarbrückens Kevin Behrens und Berlins Fabian Schönheim und Christoph Schösswendter (r) kämpfen um den Ball.

Saarbrückens Kevin Behrens und Berlins Fabian Schönheim und Christoph Schösswendter (r) kämpfen um den Ball.

Foto: Oliver Dietze / dpa

Berlins Ersatzkeeper Mesenhöler sichert glücklichen 2:1-Sieg in der Verlängerung gegen den Viertligisten Saarbrücken.

Berlin/Völklingen.  Am Tag vor dem Pokalspiel gegen Saarbrücken ging Daniel Mesenhöler mit seinem Hund an der East Side Gallery spazieren. Aber wahrscheinlich hat sich der Torwart des 1. FC Union dort nicht die Graffiti auf dem Berliner Mauerabschnitt angeschaut, sondern wie man am besten Mauer ist. Mit einigem Erfolg. Denn wäre Mesenhöler gegen Saarbrücken nicht eine solch vorzügliche Berliner Wand im Union-Tor gewesen, der Zweitliga-Zweite wären am Sonntag in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Regionalligisten 1. FC Saarbrücken rausgeflogen.

Zu einem glücklichen 2:1 nach Verlängerung (1:1/1:1) mühte sich das Team von Trainer Jens Keller gegen aufmüpfige, ja lange Zeit bessere Saarbrücker. Simon Hedlund gelang der erlösende Siegtreffer in der 101. Minute. Aber dass Union überhaupt dorthin kam, war allein der etatmäßigen Nummer zwei Daniel Mesenhöler zu verdanken, der seine verträumte, matte Mannschaft mit zahlreichen Paraden im Wettbewerb hielt.

„Wir sind eine Runde weiter, egal wie. Das war das Ziel. Es war ein bisschen glücklich, aber wir haben unser Ziel erreicht“, sagte Keller. Der Trainer hatte angekündigt, sein Team personell mächtig durchzurühren: Neben Mesenhöler, der in der Liga seinen Stammplatz an Jakob Busk verloren hat, spielten in der Defensive mit Peter Kurzweg, Fabian Schönheim und Christoph Schösswendter noch drei weitere Neue, wovon vor allem Schösswendter einen gebrauchten Tag erwischte. Vor der umgebauten Abwehr agierten Stephan Fürstner und Grischa Prömel im Mittelfeld sowie Philipp Hosiner im Sturm. Sieben Wechsel im Vergleich zum 4:3 gegen Kiel vor einer Woche waren das. Kapitän Felix Kroos, Toni Leistner und Angreifer Sebastian Polter blieben zunächst draußen.

Union fand zunächst nicht in die Spur

Bei einer derartigen Rotation kränkelt eine Mannschaft oft an Abstimmungsproblemen, und die kamen bald: Fast hätte der Ball schon nach zehn Minuten im Union-Tor gelegen, nachdem Mesenhöler zögerlich herausgelaufen war und die Abwehr gedöst hatte. Patrick Schmidt, in dieser Saison schon mit drei Treffern für den Regionalliga-Südwest-Tabellenführer Saarbrücken in drei Partien, spitzelte das Spielgerät aufs Tor. Schönheim rettet auf der Linie. Der 30-Jährige zeigte wenig später, dass er auch vorn zu gebrauchen ist. Eine Ecke von Christopher Trimmel köpfte er zur Führung für den Zweitligisten, der zuvor keine Torchance zustande gebracht hatte: 1:0 (23.).

Aber das sorgte keineswegs dafür, dass Union in die Spur fand. Bei fast jedem Ball Richtung Berliner Strafraum wurde es gefährlich. Kevin Behrens, der andere Saarbrücker Angreifer, dribbelte sich im 16-Meter-Raum frei, Mesenhöler holte ihn von den Beinen und hatte Glück, dass Schiedsrichter Sören Storks voreilig auf Elfmeter entschied, bevor der Ex-Unioner Martin Dausch den Ball im Netz untergebracht hatte. Kein Treffer, sondern Strafstoß. Den parierte Mesenhöler gegen Manuel Zeitz (28.). Das quittierte ein Großteil der 6222 Zuschauer (1000 Unioner waren mitgereist) im Hermann-Neuberger Stadion in Völklingen, wohin Saarbrücken aufgrund von Bauarbeiten im heimischen Ludwigsparkstadion ausweichen musste, mit „Schieber“-Rufen in Richtung des Unparteiischen.

Angriffe rollten auf Mesenhöler zu

Das alles schien das Team von Trainer Dirk Lottner, der früher mit Keller in Köln zusammen spielte, wütender zu machen. Weiter rollten die Angriffe auf Mesenhöler zu, der erst gegen Schmidt (30.) parierte, dann aber gegen Behrens das Nachsehen hatte. Erneut eine Ecke, und der Stürmer köpfte zum 1:1 ein (40.). Hätte Mesenhöler nicht gegen Marco Holz gehalten, wär Kellers-Team mit einem Rückstand in die Pause gegangen.

Kaum lief die zweite Halbzeit, da rettete der Mesenhöler erneut gegen Behrens, der wieder völlig allein gelassen auf ihn zugestürmt war (47.). Später gleiches Bild gegen Schmidt, wieder war Mesenhöler ohne Hilfe, erneut hielt er großartig (61.). Es war jetzt eine Partie wie ein Kirmes-Boxkampf: unkontrolliert und mit der Hoffnung bei beiden Kontrahenten auf den Lucky Punch. Plötzlich stand Unions Damir Kreilach mal völlig blank, traf aber nur den Pfosten (48.). Keller hatte dann die Nase voll. Schönwendter und Trimmel mussten runter, Polter und Leistner kamen. Auch Marcel Hartel durfte rein, und das sollte sich auszahlen.

Die Verlängerung lief, da setzte sich Polter durch, legte ab auf Hartel. Dessen Schuss landete abgefälscht bei Hedlund, der nur noch abstauben musste (101.). Dass es so blieb und Christoph Fenninger nicht noch aus fünf Metern freistehend zum Ausgleich für Saarbrücken traf (112.), lag natürlich wieder am Mauerflaneur Daniel Mesenhöler, der so grandios parierte, dass man sich fragte, warum der 22-Jährige eigentlich nicht Unions Stammtorwart geblieben ist. Mesenhöler sichert Union 318.500 Euro für den Einzug in die zweite Pokalrunde. Der Gegner dort wird am 20. August in der Sportschau ausgelost.