Das Votum lässt keinen Spielraum zu. Zehn der 18 Trainer in der Zweiten Liga haben den 1. FC Union als Kandidaten für den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga auf dem Zettel. Nur Erstliga-Absteiger FC Ingolstadt ist mit 15 Nennungen der Top-Favorit. Dass beide Mannschaften gleich am ersten Spieltag der Saison 2017/18 aufeinandertreffen (Sonnabend, 13 Uhr, Sky), macht den Start der neuen Saison umso packender.
„Daran sieht man, dass die Gegner einen gewissen Respekt vor uns haben und die Qualität schätzen, die wir haben“, sagte Union-Trainer Jens Keller zur Favoritenrolle seiner Mannschaft. Seine Profis hätten sich diesen Respekt in der vergangenen Saison, als der Aufstieg als Tabellenvierter nur knapp verfehlt wurde, erarbeitet.
Eine Liga als Ü-Ei
Es dürfte die interessanteste Zweitliga-Saison der vergangenen Jahre werden, nicht nur weil die Köpenicker Kicker sich anschicken, von Beginn an vorn dabei zu sein. Denn trotz der Absteiger Ingolstadt und Darmstadt 98 fehlt es an Schwergewichten wie im Vorjahr der VfB Stuttgart oder Hannover 96, die auf die beiden direkten Aufstiegsplätze abonniert waren. Das Favoritenfeld ist derart weit gefächert, dass es das Eröffnungsspiel am Freitag zwischen dem VfL Bochum und dem FC St. Pauli (20.30 Uhr, Sky) schon in sich hat. Gerade beim VfL darf man gespannt darauf sein, wie sehr sich der Trainerwechsel von Gertjan Verbeek zu Ismail Atalan vor erst zwei Wochen auf die Mannschaft ausgewirkt hat.
Laut Atalan eint in Bochum „alle die Sehnsucht nach Erfolg“. Nach der Rückkehr in die deutsche Eliteliga. Eintracht Braunschweig, in der Vorsaison in der Relegation am VfL Wolfsburg (0:1, 0:1) gescheitert, setzt ähnlich wie die Berliner auf den Stamm der Spielzeit 2016/17. „Die Liga ist ein echtes Überraschungsei, bei dem man gespannt sein darf, was am Ende herauskommt“, sagte Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht. Aufsteiger MSV Duisburg vertraut auf den mit 26,1 Jahren im Durchschnitt ältesten Kader.
Busk setzt sich gegen Mesenhöler durch
Und Union auf Jakob Busk im Tor. Der Däne hat sich gegen Daniel Mesenhöler durchgesetzt. „Es gab ein ganz enges Rennen. Beide haben eine sehr gute Vorbereitung gespielt. Für Jakob haben Nuancen entschieden“, sagte Keller. Busk hatte seinen Platz Ende Februar wegen einer Oberschenkelverletzung an Mesenhöler verloren, und dieser wiederum seinen Stammplatz mit guten Leistungen verteidigt. „Es ist aber nicht so, dass Mesenhöler jetzt hinten dran ist“, machte Keller deutlich. Soll heißen: Viele Fehler wird sich Busk nicht erlauben dürfen. Der Zweikampf im Union-Tor wird also weitergehen.
Auf dem Transfermarkt haben sich die 18 Klubs im Vergleich zum vorigen Sommer ziemlich zurückgehalten. 189 Zugängen (274 im Jahr 2016) stehen 165 Abgängen (276) gegenüber, insgesamt wurden 11,25 Millionen Euro (45,125) ausgegeben und 26,85 Millionen Euro (88,72) eingenommen. Ein weiterer Beleg dafür, dass Schwergewichte in der Liga fehlen.
Für Union dürfte der Aufstieg zum Greifen nah sein, auch wenn Sebastian Polter warnt. „Ingolstadt und Darmstadt 98 sind auch zwei starke Mannschaften“, sagte der Union-Stürmer. Greuther Fürth oder Kaiserslautern seien weitere Brocken. Im Aufstiegsvotum der Zweitliga-Trainer liegen sie jedoch hinter Union.


