Fußball

Mit diesem Umbau macht Union sogar Hertha neidisch

37.000 Plätze, 38,1 Millionen Euro Baukosten, Fertigstellung zum 100. Geburtstag im Jahr 2020 – so plant der Berliner Zweitligist.

So soll das Stadion an der Alten Försterei aussehen

So soll das Stadion an der Alten Försterei aussehen

Foto: 1. FC Union Berlin e.V.

Berlin.  Die Entscheidung fiel in fünf Minuten, in einem Flur des Bezirksamtes Treptow-Köpenick. „Wir hatten uns entschieden, etwas zu tun, ohne zu wissen, was wir tun“, erinnert sich Dirk Zingler an jenen Moment vor zehn Jahren. Die Entscheidung, die der Chef des 1. FC Union mit seinem Präsidiumskollegen Dirk Thieme zu treffen hatte, die Sanierung der Stehplatztraversen in der Alten Försterei, war einfach, von der Planung wie von der baulichen Umsetzung. Wie sehr sich die Dimensionen eine Dekade später verschoben haben, belegen jene zwei vergangenen Jahre, die Thieme, seines Zeichens Ingenieur für Bauwesen, damit verbrachte, die Erweiterung des Stadions des Berliner Fußball-Zweitligisten zu planen.

Das Vorhaben, das Thieme, seit 2011 auch Vorstandsvorsitzender der „An der Alten Försterei“-Stadionbetriebs AG, zusammen mit Zingler am Dienstagabend den gut 4000 Interessierten – darunter auch das Profiteam – im Stadion präsentierte, beeindruckt in einer Zeit, in der Lokalrivale Hertha BSC erst noch den Standort für sein Stadion sucht. Die Alte Försterei soll von 22.012 auf 36.978 Plätze wachsen. Der neue Oberring – eingefasst von sieben Treppenhäusern und zwei Freitreppen, die den repräsentativen Aufgang zum neuen Vip-Bereich der Gegengeraden einrahmen – ist inklusive Dach mit 28 Metern doppelt so hoch wie die aktuelle Konstruktion, jedoch nur ein Teil der Maßnahmen, die Union plant.

Neues Klubhaus auf der Waldseite

Auf der Waldseite soll das neue Union-Klubhaus entstehen, das neben den Büros der Geschäftsstelle und dem Zeughaus genannten Fanshop auch ein Fanhaus samt -kneipe beherbergen soll. Das alte Försterei-Gebäude soll zum Union-Museum umfunktioniert werden. Schwierigster Part ist die neue Umfahrung der Altstadt Köpenick, die nördlich am Stadion vorbeiführen soll. „Hier sind wir auf Mitwirkung des Landes Berlin angewiesen“, sagt Zingler. Mehr Parkplätze wird es nicht geben. „Das würde nur zu einer Verdichtung des Verkehrs führen und ist vom Bezirk und uns auch nicht gewollt“, macht Zingler deutlich.

Kostenpunkt der gesamten Bauten, die zum 100. Geburtstag der Spielstätte im Jahr 2020 komplett fertig sein sollen: 38,1 Millionen Euro. Zusammen mit der 2012/13 gebauten Haupttribüne (Kosten: 17 Millionen Euro) und der Arbeitsleistung der mehr als 2000 Helfer beim Bau der Stehränge wird die dann Erstliga-taugliche Arena rund 60 Millionen Euro gekostet haben.

Oder wie Zingler, zudem Aufsichtsratschef der Stadion AG, hofft: „Vielleicht ist dieser 20. Juni 2017 ein Tag, an den wir uns noch in zehn oder 20 Jahren erinnern werden.“ Er kam jedenfalls nicht umhin, ein Tränchen zu verdrücken, als der Riesenapplaus nach dem gut vierminütigen Präsentationsfilm aufbrandete.

Eigenmittel und ein Hypothekendarlehen

Finanziert werden sollen die 38 Millionen Euro (Stadionerweiterung 24 Millionen, Klubhaus sechs Millionen, Baunebenkosten 6,3 Millionen, Grundstücksankauf 1,8 Millionen) durch einen starken Eigenkapitalanteil sowie ein normales Hypothekendarlehen über 20 Jahre. Die Eigenleistung soll durch Entwicklung und Verwertung der Grundstücke in der Lindenstraße und Hämmerlingstraße gesteigert werden. Eine Kapitalerhöhung durch neue Stadion-Aktien ist ebenso wenig geplant wie ein (Teil-)Verkauf des Stadionnamens. Zingler: „Ich werde keine Rechte, die wir heute zu hundert Prozent besitzen, zur Finanzierung einsetzen.“ Die Fans wird das freuen. „Die finanziellen Belastungen werden nicht höher sein, als sie es bisher gewesen sind“, erklärt Zingler. Denn der Kredit für die Haupttribüne wäre abbezahlt.

Union macht sein Stadion fit für die Bundesliga – und damit auch sich selbst. Der Klub erfüllt dann mit 8286 Sitzplätzen (bislang 3617), darunter 1400 im Gästeblock, die Auflage der Deutschen Fußball Liga (DFL) von 8000 Sitzplätzen. Und sollte die DFL ihre Vorgaben erhöhen, wäre Union gerüstet. „Der Oberrang ist von den Maßen als Sitzplatzrang geplant, statisch jedoch als Stehplatzrang“, verdeutlicht AG-Chef Thieme. Für eine weitere Aufstockung der Sitzplätze ist also vorgesorgt.

Auslastung jetzt bei 95 Prozent

Durch die 10.000 neuen Stehplätze erhöhen sich die Chancen, an Karten zu kommen. „Wir sind ja inzwischen kaum noch in der Lage, jedem Vereinsmitglied ein Ticket zu garantieren“, so Thieme. Union zählt über 16.000 Mitglieder, die Stadionauslastung liegt bei 95 Prozent (20.859 Fans pro Heimspiel 2016/17). Und durch die 494 neuen Vip-Plätze (sechs Logen, zwei Eisern-Lounges) auf der Gegengeraden steigen die Einnahmen, wie Zingler hofft, auch durch mehr Fremdveranstaltungen (derzeit 250).

Während für das Klubhaus ab 2018 gebaut werden soll, rollen die Bagger für die Stadionaufstockung frühestens 2019. Zuvor ist ein Bebauungsplanverfahren samt Lärmgutachten erforderlich, das im Sommer beginnt und zwei Jahre dauern soll. Doch selbst nach der geplanten Bauzeit von 14 Monaten ist noch nicht Schluss.

Das Dach wird angehoben

„Dann gibt es den nörgelnden Präsidenten, der mit der zu kleinen Haupttribüne unzufrieden ist“, sagt Zingler augenzwinkernd. Soll heißen: Im letzten Schritt soll das Dach der Haupttribüne auf das neue Niveau angehoben werden, neue Plätze inklusive.

„Wichtig ist eine solide Finanzierung“, so Zingler: „Und wenn das Stadion fertig ist, ist es fertig.“ Für seine Entscheidung, sich wie bisher nicht von einem Fertigstellungstermin treiben zu lassen, brauchte der Klubchef sicher keine fünf Minuten.