Zweite Liga

Union macht sich auf den Weg in Richtung Bundesliga

Warum Zweitligist Union nach der besten Hinrunde der Klubgeschichte darauf hoffen kann, bis zum Schluss um den Aufstieg mitzuspielen.

Toni Leistner, Kristian Pedersen, Roberto Puncec, Christopher Trimmel, Damir Kreilach und Simon Hedlund (v.l.) sind bereit für den Rückrundenstart

Toni Leistner, Kristian Pedersen, Roberto Puncec, Christopher Trimmel, Damir Kreilach und Simon Hedlund (v.l.) sind bereit für den Rückrundenstart

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Die Rollen vor dem Rückrundenstart sind klar verteilt. Die Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart und Hannover 96 kehren direkt zurück in die Bundesliga, Eintracht Braunschweig – obwohl Spitzenreiter – kann sich über Rang drei den Sprung nach oben sichern. So sieht es die Mehrheit der 18 Zweitligisten.

Der 1. FC Union? Allenfalls Außenseiterchancen werden den Köpenickern eingeräumt, und selbst dann höchstens für den Relegationsplatz. „Vielleicht ist die Lauerstellung genau das Richtige für uns“, glaubt Union-Stürmer Steven Skrzybski vor dem Auftakt gegen den VfL Bochum (18.30 Uhr, Alte Försterei): „Die großen Spiele in der Rückrunde sind alles Auswärtsspiele für uns, in denen die Top-Teams gewinnen müssen. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir einige Partien gewinnen werden.“

Union und die Bundesliga – nie war der Traum realer als in dieser Saison, nachvollziehbar bei nur vier Punkten Rückstand und Platz fünf nach der besten Zweitliga-Hinrunde der Klubhistorie. Nie wurde die Hoffnung auf die Eliteklasse mit nur einem Transfer derart befeuert wie in dieser Winterpause durch die Rückkehr von Sebastian Polter. Und selten musste ein Union-Trainer derart intensiv die Euphorie im Umfeld bremsen wie derzeit Jens Keller. „Polter wird uns die Spiele nicht allein gewinnen“, sagte Keller. Wohl wissend, dass die Mannschaft in den Mittelpunkt gehört.

Mit Quaners Abgang geht Union ein Risiko ein

Keine Frage, Polter ersetzt den nach Bielefeld abgewanderten Sören Brandy mehr als adäquat. Doch mit nur zwei echten Stürmern in die zweite Saisonhälfte zu gehen – Skrzybski und Simon Hedlund sind auf den Außenbahnen unverzichtbar –, ist ein Risiko, nicht nur weil sich Polter und Philipp Hosiner in der Spielweise sehr ähneln.

Dass Union mit Collin Quaner einen Spieler in die zweite englische Liga zu Huddersfield Town hat ziehen lassen, ist angesichts seiner zwölf direkten Torbeteiligungen (sieben Treffer, fünf Vorlagen) nur aus finanzieller Sicht nachvollziehbar, für Union und den Spieler. Sportlich ist es eine Schwächung, wie Keller selbst bestätigt: „Wir hätten ihn gern behalten, er bringt viel mit. Aber England ist für einen Spieler eine tolle Sache, auf der Insel kann er sicher ein paar Euro mehr verdienen. Und so üppige Verträge hat er bislang ja nicht unterschrieben.“

Dennoch hofft man in Köpenick, dass es endlich einmal gelingt, bis zum Schluss im Aufstiegsrennen dabei zu sein und nicht – wie in so vielen Spielzeiten zuvor – nach einem Katastrophenstart ins neue Jahr das Saisonende praktisch schon Anfang März ausrufen zu müssen.

Druck verspüren vor allem die Spitzenteams

Die Hoffnung ist nicht unbegründet angesichts der Entwicklung, die die Mannschaft seit Sommer genommen hat. Zugänge wie Hedlund oder hinter ihm Kristian Pedersen, die Unions linken Flügel belebt haben, sind kaum noch wegzudenken, Profis wie Skrzybski oder Abwehrchef Toni Leistner haben noch einmal einen Sprung in ihrer Entwicklung gemacht.

Die Köpenicker zu einer Mannschaft zu formen, die mitgenannt wird, wenn es um die Aufstiegskandidaten geht, ist dem Trainer ebenso gelungen wie ihr den Druck zu nehmen, den die Konkurrenz erst wieder aus den eigenen Reihen deutlich zu spüren bekommen hat.

Hannovers Präsident Martin Kind machte deutlich: „Wenn wir den Sofortaufstieg verfehlen, kostet es den Verein 50 Millionen Euro. Wir haben eine teure Mannschaft und gehen viele wirtschaftliche Risiken ein, um das Ziel Wiederaufstieg zu erreichen.“ VfB-Klubchef Wolfgang Dietrich nannte die sofortige Erstliga-Rückkehr „Pflicht“.

Polter braucht noch Zeit, bis es optimal läuft

Keller wird hingegen nicht müde, Unions Außenseiterrolle zu untermauern. „Wir können nicht sagen, wir müssen aufsteigen. Das ist unrealistisch“, sagte der Coach. Ist für sein Team jedoch auch Anfang Mai der Aufstieg noch realistisch, wird sich der Druck unweigerlich erhöhen.

Bis dahin wird viel davon abhängen, wie schnell Sebastian Polter Kellers Spielphilosophie verinnerlicht hat. Stand jetzt braucht er „noch Zeit, bis es optimal läuft. Aber er ist weit genug“, so Keller, um schon gegen Bochum in der Startelf zu stehen. Das Signal, das Union mit dem Rekordtransfer Polter (1,6 Millionen Euro Ablöse, Vertrag bis 2020) aussendet, ist klar: Union will in die Bundesliga, wenn nicht schon in dieser Saison, dann eben in der nächsten.

„Wenn die Liga dies als Signal sieht, dann soll sie es so sehen. Wir wollten uns qualitativ verbessern, und mit Polter haben wir einen Schritt in diese Richtung gemacht“, erklärte Keller lapidar. Wir groß der Schritt tatsächlich ist, soll schon am Freitagabend Bochum zu spüren bekommen