1. FC Union

Die Rückkehr des verlorenen Sohnes

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Michael Färber
Bald wieder im Union-Dress: Sebastian Polter

Bald wieder im Union-Dress: Sebastian Polter

Foto: nph / Engler / picture alliance / nordphoto

Rekord-Transfer: Der 1. FC Union startet mit Sebastian Polter den Angriff auf die Aufstiegsplätze. Sören Brandy wechselt nach Bielefeld.

Oliva Nova.  Der Abschied war kurz, aber herzlich. Im Kreis seiner nun ehemaligen Mitspieler beim 1. FC Union stand Sören Brandy auf dem Trainingsplatz in Oliva Nova. Es passte zur Dramaturgie, dass der graue Himmel über der spanischen Mittelmeerküste ein paar Regentropfen hinunterschickte. Eine kurze Rede, eine herzliche Umarmung mit Susanne Kopplin, der Team-Betreuerin des Berliner Fußball-Zweitligisten, noch ein Winken in Richtung mitgereister Fans, die dem Stürmer applaudierten – dann war Brandys Wechsel zu Arminia Bielefeld vollzogen. Per Auto ging es ins 50 Kilometer südlich von Oliva Nova gelegene Benidorm, wo sich Unions Ligakonkurrent auf die Rückrunde vorbereitet.

Doch die Niedergeschlagenheit im rot-weißen Fan-Lager hielt sich in Grenzen, den die Köpenicker verkündeten nicht einmal zwei Stunden später, wie sie Brandys Lücke schließen werden: mit der Rückkehr von Sebastian Polter. Der Angreifer, der nach 51 Einsätzen (zehn Tore) beim englischen Zweitligisten Queens Park Rangers unter dessen neuem Trainer Ian Holloway in Ungnade gefallen ist, erhält bei Union einen Vertrag bis Sommer 2020. Die Ablöse soll bei rund 1,6 Millionen Euro liegen. Damit löst Polter zugleich den Schweden Simon Hedlund als teuersten Transfer der Klub-Geschichte (rund 850.000 Euro) ab.

Signal an die Zweite Liga

Der Doppelwechsel macht für alle Beteiligten Sinn. Brandy war in dieser Saison hinter Collin Quaner und Philipp Hosiner nur noch die Nummer drei in der Stürmer-Hierarchie – die Außenspieler Hedlund und Steven Skrzybski einmal außer Acht gelassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der im Sommer auslaufende Vertrag des 31-Jährigen noch einmal verlängert werden würde, war gleich Null. In Bielefeld erhält Brandy, der in der Hinrunde nur drei Kurzeinsätze als Joker hatte (insgesamt 91 Pflichtspiele, 19 Tore für Union), einen Kontrakt bis 2019, die Ablöse liegt maximal um unteren sechsstelligen Bereich.

Brandy hatte es verstanden, sich in der vergangenen dreieinhalb Jahren durch seine schlitzohrige Art auf dem Platz sowie sein sympathisches Auftreten abseits des Spielfeldes in die Herzen der Fans zu spielen. Ebenso wie Polter sich in nur einer Spielzeit beim rot-weißen Anhang unsterblich gemacht hat. Sein wuchtiges Spiel, seine 14 Tore, die ihn 2014/15 zumindest für eine Saison zum Rekordtorjäger machten, ehe ihn Bobby Wood (17 Tore, jetzt HSV) ein Jahr später ablöste, sind unvergessen an der Alten Försterei. Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken reichen von „Ich dreh‘ durch“ bis „Der Fußballgott ist zurück“.

Auf der Suche nach dem Schuss

Genau wie Brandy passt Polter bestens ins Teamgefüge, nicht zuletzt wegen der Emotionen, die er im Umfeld weckt. Er verbindet Tugenden wie totale Einsatzbereitschaft mit klassischen Stürmer-Elementen wie die permanente Suche nach dem Torschuss. „Sein Auftreten als Profi und seine Art als Mensch sind Qualitäten von hohem Wert für unsere Mannschaft, die hohe Ziele erreichen will“, sagte Helmut Schulte, Unions Leiter der Lizenzspielerabteilung. Trotz des Wechsels nach England 2015 war der Kontakt zu Union nie abgerissen. Bei der Hochzeit von Abwehrchef Toni Leistner im Oktober 2016 war Polter Trauzeuge.

„Die Zeit in England war sehr lehrreich“, ist Polter froh, seinen „Traum wahr gemacht zu haben. Jetzt an die Alte Försterei zurückzukehren, fühlt sich wie eine Heimkehr an, obwohl ich nur ein Jahr hier gespielt habe.“ Genauer gesagt nur 29 Spiele. Der 1,91-Meter-Mann freue sich sehr, „nun wieder Teil der Union-Familie und Köpenicker zu sein. Ich werde mich zerreißen, um mit der Mannschaft erfolgreich zu sein.“ Worte, die man bei Union sicher gern hört.

Entwicklung in England

Polters Wechsel ist auch ein klares Signal an die Liga, dass Union als Fünftplatzierter in der Rückrunde voll angreifen will. Zumal der 25-Jährige bereits als Verstärkung für die kommende Spielzeit angesehen werden kann, egal in welcher Liga Union dann spielt. Und: Als Union Polter 2014 vom Erstligisten Mainz 05 auslieh, stand der Stürmer erst am Anfang seiner Karriere. Durch die Zeit in England dürfte er sich enorm weiterentwickelt haben.

Das Testspiel der Köpenicker am Mittwoch gegen Heidenheim wird er noch verpassen. Polter weilte am Dienstag zum Medizincheck in Berlin und wird erst am Mittwochabend in Oliva Nova erwartet. „Bleibt eisern, wir sehen uns bald auf dem Platz“, ließ Polter über Twitter aber am frühen Dienstagnachmittag wissen. Es wirkt wie die Rückkehr des verlorenen Sohnes.