Unions Gegner

Die Roten Teufel stecken im Teufelskreis

Einst war der 1. FC Kaiserslautern Deutscher Meister. Nun kämpft er um das finanzielle Überleben – und trifft auf Union.

Tayfun Korkut übernahm im Sommer das Traineramt in Kaiserslautern. Schon damals sagten ihm die Verantwortlichen, dass es schwierig werden würde

Tayfun Korkut übernahm im Sommer das Traineramt in Kaiserslautern. Schon damals sagten ihm die Verantwortlichen, dass es schwierig werden würde

Foto: Joachim Sielski / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Beim 1. FC Kaiserslautern war man gewarnt. „Wir sind in einer Phase des Umbruchs. Es kann holprig werden“, sagte Sportdirektor Uwe Stöver (49) in den ersten Gesprächen zu Tayfun Korkut (42), der im Sommer neuer Trainer werden sollte. Dass sich die Situation vor dem Heimspiel am Sonnabend gegen den 1. FC Union (13.30 Uhr, Sky) derart schwierig darstellt, hätte dennoch keiner gedacht – die Gründe dafür liegen jedoch Jahre zurück.

Ein RTL-Bericht über eine angeblich verschleierte Insolvenz im Jahr 2008 platzte genau in die Phase, in der sich der Klub nach schwachem Saisonstart mit zwei Siegen sportlich wieder Luft verschafft hatte. Zwar beeilte sich der Aufsichtsrat zu erklären, nach einer Prüfung der Bücher „keinerlei Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Insolvenz“ zu sehen – doch mit der Ruhe ist es am Betzenberg vorbei.

„Man hatte hier nach dem Abstieg 2012 gehofft, schnell wieder in die Bundesliga zurück zu kehren. Dementsprechend waren die Budgets bemessen“, sagt Finanzvorstand Michael Klatt der Morgenpost. „Wenn man dann realisiert, dass man wohl doch länger bleibt, dann muss man den Gürtel enger schnallen – und das tun wir gerade.“ Der Mann, der vorher auch beim Wirtschaftsprüfer KPMG arbeitete, ist im April installiert worden.

Talente werden verkauft, und dennoch fehlt das Geld

Denn immer wieder wird der FCK von den Geistern der Vergangenheit eingeholt. Und der Spuk ist meist finanzieller Natur. Die Ära Stefan Kuntz, der von 2008 bis April 2016 Vorstandsvorsitzender beim FCK war, hat Spuren hinterlassen. 12,7 Millionen Euro Verbindlichkeiten drücken den Verein, die vergangene Saison wurde mit einem Minus von rund zwei Millionen Euro abgeschlossen – obwohl Talente zu Geld gemacht wurden.

In diesem Sommer gingen Torwart Marius Müller (1,7 Millionen Euro zu RB Leipzig) und Außenverteidiger Jean Zimmer – wobei der VfB Stuttgart die zwei Millionen für Letztgenannten schon im April überwies, weil das Geld in Lautern benötigt wurde. „Unsere Talente und unser Nachwuchsleistungszentrum sind ein zentraler Bestandteil unseres Zukunftskonzepts“, sagt Sportdirektor Stöver.

Sechs Millionen Euro nahm der Klub 2013 durch eine Fananleihe ein, um das Trainingszentrum von der Stadt zurückzukaufen und zu modernisieren. Letztendlich flossen aber nur rund vier Millionen Euro in den Nachwuchs, zwei wurden trotz gegenteiliger Versprechungen zur Deckung von Finanzlöchern gebraucht. Die „Roten Teufel“ kämpfen gegen den Teufelskreis. 2,4 Millionen Euro Stadionpacht pro Jahr, 2019 steht die Rückzahlung der Fananleihe an. Gleichzeitig soll ein wettbewerbsfähiges Team auf die Beine gestellt.

Kreativität auf dem Transfermarkt ist gefragt

Rund 11,5 Millionen Euro beträgt der Etat fürs Profiteam – der Meister von 1998 ist damit auch finanziell im Mittelfeld der Zweiten Liga gelandet. Dass nicht noch knapper kalkuliert werden muss, liegt in erster Linie daran, dass die Firma Quattrex im Sommer drei Millionen Euro Kredit gewährte. „Es gibt mittlerweile deutlich finanzkräftigere Vereine in der Zweiten Liga. Wir müssen im Rahmen unseres Budgets kreativ sein“, sagt Stöver. „Das ist eine große Herausforderung.“

Dass diese Herausforderung zu meistern ist, zeigt das Beispiel Osayamen Osawe (23). Der schnelle Stürmer kam im Sommer ablösefrei aus Halle und sorgte mit vier Treffern in den vergangenen zwei Ligaspielen dafür, dass sich das Team von den Abstiegsrängen auf Tabellenplatz zwölf kämpfte.

„Wir müssen auf dem Transfermarkt schnell und schlau sein“, sagt Stöver. Die Gespenster der Vergangenheit sollen nicht zwangsläufig die Zukunft vergraulen. Stöver sagt: „Auch wenn die Realität anders aussieht: Unser Ziel muss es mittelfristig sein, auch wieder um die Aufstiegsplätze zu spielen.“