Zweite Liga

In Unions Angriffs-Hierarchie plötzlich hinten

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Marcel Stein
Sören Brandy (l.) ist wieder eine Alternative im Union-Sturm

Sören Brandy (l.) ist wieder eine Alternative im Union-Sturm

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press vi

Stürmer Sören Brandy kehrte gegen Düsseldorf zurück. Nach seiner Verletzungspause muss er seinen Platz im Team neu finden.

Berlin.  Die letzte Begegnung lag wohl länger zurück. Herzlich und lange nahmen sich Torsten Mattuschka und Sören Brandy in den Arm nach dem 0:1 gegen Düsseldorf. Brandy noch in Spielermontur: Trikot, kurze Hose, Stutzen. Mattuschka in warmer Jacke, schicker Hose, perfekt gestylt. Der frühere Publikumsliebling des 1. FC Union hatte Zeit, sich das Spiel des Berliner Zweitligisten anzusehen, sein derzeitiger Fußballklub, die VSG Altglienicke aus der Oberliga Nord, spielte erst einen Tag später.

Seit Mattuschka Union verließ, im Sommer 2014 trennten sich die Wege, wuchs Brandy durchaus in die Rolle, die der Mittelfeldspieler mal innehatte. Mit seiner frechen, listigen Spielweise eroberte der Stürmer die Herzen der Fans. Mit seinen vehementen Antritten erkämpfte er manch aussichtslosen Ball und brachte den Köpenicker Fußball in Perfektion zur Aufführung. Gepaart mit seinem fröhlichen Naturell, das sich mit dem Mattuschkas messen kann, wurde er zum Liebling bei Unions Anhang.

Zehn Spiele nicht dabei

Viele freuten sich daher, den Angreifer gegen Fortuna ein wenig unverhofft wieder auf dem Platz zu sehen. „Ich bin jetzt zweieinhalb Wochen wieder dabei und merke, dass Sicherheit und Kraft von Tag zu Tag wiederkommen“, sagte Brandy. Eingewechselt wurde er in der 76. Minute. Es war der erste kurze Einsatz in der Liga in dieser Saison. Zehn Spieltage verpasste er, und in dieser Zeit ist einiges passiert.

Nach der vergangenen Saison hatte sich Brandy am linken Knie operieren lassen, ein freier Gelenkkörper wurde entfernt. Lange hatte er mit Schmerzen gespielt, dann die OP so gelegt, dass er möglichst zum Trainingsstart unter dem neuen Trainer Jens Keller fit ist. Doch das Knie machte immer wieder Probleme. Mehr als ein kurzer Pokaleinsatz in der ersten Runde war nicht drin. Stattdessen lange individuelles Training. „Es ist schön, nach so langer Zeit mal wieder auf dem Platz zu stehen, ich habe dafür die letzten Wochen hart gearbeitet“, so Brandy.

Konkurrenz ist größer denn je

Wie oft er in Zukunft auf den Platz darf, wird nun recht interessant. Brandy war vorn im Köpenicker Ensemble immer eine feste Größe, unter jedem der zuletzt vielen Trainer. Er war anfangs die Nummer eins, dann die Nummer zwei im Sturm. Mittlerweile sieht die Hierarchie anders aus. Steven Skrzybski macht sich mit seiner Präsenz, seinen Ideen und seiner Effizienz (5 Tore, 3 Vorlagen) nahezu unersetzlich. Neuling Philipp Hosiner (2 Tore) findet sich immer besser zurecht. Collin Quaner (7 Tore, 3 Vorlagen) ist die Überraschung schlechthin. Nur weil er verletzt war, rückte Brandy in den Kader. Außerdem gab Union für seine Verhältnisse sehr viel Geld aus für das schwedische Offensivtalent Simon Hedlund, das sich noch eingewöhnen muss.

Die Situation ist eindeutig, Brandy muss sich hinten anstellen. Er versucht es erst einmal mit Humor: „Collin hat seine Tore gemacht, als ich eh nicht konnte.“ So elegant lässt sich die Problematik allerdings nur beschreiben, nicht lösen. Brandy betont das gute Verhältnis im Team, unter den Angreifern. Er hebt hervor, dass Erfolg nur als Team möglich sei.

Vertrag läuft aus beim ältesten Angreifer

In der Gruppe der Stürmer ist Brandy teils mit Abstand der Älteste mit seinen 31 Jahren. Sicher, die Erfahrung spricht für ihn. Gegen Fortuna kam er herein und zog sofort Leute auf sich, zeigte Abschlussversuche, wühlte im Strafraum. „Man muss zusehen, dass man sich selber so in Szene setzt, dass der Trainer nicht an einem vorbeikommt“, sagt der Angreifer, der seinen letzten Treffer vor über einem Jahr erzielte. Dass es aber gerade jetzt so schwer ist angesichts der Konkurrenz, kommt für Brandy eher ungelegen. Zum Saisonende läuft sein Vertrag nach vier Jahren im Klub aus, 32 ist er dann.

Bei der Kaderauswahl legt Union, das machte der Verein einst mit Mattuschka sehr deutlich, keine große Sentimentalität mehr an den Tag. Die Berliner, nach dem Spieltag Vierter der Tabelle, wollen nach oben. Das war auch immer Brandys großes Ziel. Dafür muss er nun mehr kämpfen als je zuvor.