Nach dem DFB-Pkal

Union ist ein Gewinner, trotz der Niederlage

Die Köpenicker können aus dem grandiosen Pokalabend in Dortmund einiges mit in die Zweite Liga nehmen. Düsseldorf ist Sonnabend dran.

Gruppenbild mit roter Wand: Union in Dormund vor den eigenen Fans

Gruppenbild mit roter Wand: Union in Dormund vor den eigenen Fans

Foto: Ina Fassbender / dpa

Berlin.  Auf der Rückreise mit der Bahn wurde noch einmal ein Foto gemacht. Als Erinnerung an einen Ausflug, der zwar sowieso im Gedächtnis bleibt, aber an den man eben noch viel lieber zurückdenkt, wenn man die Leute sieht, mit denen man diesen Abend in Dortmund verbracht hat. Einen Abend, der in diesem Ausmaß kaum wiederkehren wird. Zumindest wohl nicht so schnell.

Dortmund, das Spiel in der zweiten Pokalrunde bei der großen Borussia, das allein hatte schon Fußball-Festtagsatmosphäre beim 1. FC Union geschürt. Was sich dann im Stadion vor fast 80.000 Fans abspielte, übertraf alle Erwartungen. 1:1 nach 90 Minuten, nach 120 Minuten, Elfmeterdrama. Stolz und pure Freude beim mit gut 12.000 Fans riesengroßen Anhang des Berliner Zweitligisten, trotz des knappen Ausscheidens. Auch beim Team setzte sich nach und nach der Eindruck fest, einen tollen Abend verlebt zu haben. Trotz der großen Chance, die verpasst wurde. „Wir haben keinen Grund, die Köpfe hängen zu lassen“, sagte Stephan Fürstner.

Dortmund dankt seinen Fans

Er war einer der Schützen vom Punkt. Daran werden sich die Beteiligten wohl ebenso lange erinnern. Nach drei Protagonisten pro Team stand der Sieger schon fest. Weil beim BVB alle trafen, bei Union aber nach dem Kraftakt zuvor die Abgeklärtheit fehlte, bestimmt auch das Glück. Jedenfalls traf keiner der drei Schützen. Nicht Fürstner, nicht Felix Kroos, nicht Philipp Hosiner. Sie mussten nach Festlegung des Schiedsrichters wegen der Bengalos im Union-Block auf das Tor in der Dortmunder Fankurve schießen. „Ein dickes Kompliment an das Publikum. Es war spätestens im Elfmeterschießen ein absolut entscheidender Faktor“, sagte BVB-Trainer Thomas Tuchel. Gegen das gellende Pfeifkonzert kamen die Nerven der Berliner nicht an.

Deren Trainer nahm die Angelegenheit nicht krumm. „Ich muss mich bei der Mannschaft entschuldigen. Die Niederlage geht auf meine Kappe. Wir haben vergessen, Elfmeterschießen zu trainieren“, ließ Jens Keller mit einem Lächeln wissen. Die schwachen Strafstöße schmälern den Ertrag ohnehin nicht. „Was die Jungs im Moment leisten, ist großartig. Ich bin stolz, was sie gegen einen Top-Mannschaft aus Deutschland und Europa abgeliefert haben“, so Keller. Glücklich, das hielt er fest, seien die Berliner nicht in das Elfmeterdrama geschlittert. Sie hatten sich das verdient.

Erfolgreiche Rotation

Kapitän Kroos zeigte sich nach der Partie beeindruckt von den Union-Fans: „Wahnsinn, was die Leute auf die Beine stellen mitten in der Woche.“ Genauso von der Mannschaft: „Ich sehe nur Positives.“ Ja, Dortmund war ersatzgeschwächt. Doch Union rotierte auch. Dennoch gelang es, sich gegen den Favoriten zu behaupten. „Daran sieht man, wie stark wir sind. Wir können selbst gegen einen großen Gegner mit einem Rückstand umgehen“, sagte Kroos. Joker Steven Skrzybski hatte 60 Sekunden nach Einwechslung getroffen (81.) und damit Michael Parensens Eigentor egalisiert (44.).

Fast hätte Skrzybski den Siegtreffer erzielt, in der 100. Minute war er schon an Weidenfeller vorbei. Doch er versuchte, auf Eroll Zejnullahu zu passen. „Wir können froh sein, dass wir das am Ende zusammen gemeistert haben“, anerkannte auch Dortmunds Torhüter Roman Weidenfeller, was Union den Gastgebern abverlangt hatte. Bei den Berlinern sah mancher sich deshalb auch nicht als Verlierer. „Ich denke, wenn man es bis ins Elfmeterschießen geschafft hat, hat man trotzdem irgendwie ein bisschen gewonnen. Es ist ja nicht irgendeine Mannschaft, es ist der Vizemeister, der auch noch in der Champions League spielt. Deswegen können wir uns trotzdem als Gewinner zählen“, sagte Innenverteidiger Toni Leistner. Ein Sieg für das Selbstwertgefühl war der Abend von Dortmund allemal.

Heimspiel für die Serie

Mit diesem Mitbringsel lässt sich gut weiterarbeiten. Am Sonnabend bereits empfangen die Köpenicker im Stadion an der Alten Försterei Fortuna Düsseldorf (13 Uhr). War das Spiel in Dortmund schon eine Ansage für den nächsten Gegner? „Pokal – das ist immer etwas anderes“, sagt Leistner: „Ich denke, das Ausrufezeichen in der Liga haben wir mit unseren Spielen gesetzt.“ Dort gewann Union vier der vergangenen fünf Partien. Im eigenen Stadion wollen die Berliner jetzt an der Heimserie arbeiten und auch im 15. Spiel in Folge ungeschlagen bleiben. Die Euphorie der jüngsten Tage wird die Umsetzung dessen befördern. Union hat viel geleistet im Pokal, aber noch viel mehr vor in der Zweiten Liga.