Wenn es einen Gemütszustand gibt, den Maximilian Thiel in den Tagen von Villach ausstrahlt, dann ist es Zufriedenheit. „Mit geht es sehr gut, ich bin sehr glücklich“, sagt Thiel. Seine Worte werden von einem entspannten Lachen begleitet: „Das ist auch verständlich. Nach so einer harten Zeit mit diversen Rückschlägen bin ich froh, wieder im Trainingsbetrieb zu sein.“

Der Auslöser für seine Freude ist ebenso einfach wie wichtig, für jeden Menschen, nicht nur für jemanden, der als Fußball-Profi, in diesem Fall beim 1. FC Union, sein Geld verdient. Thiel kann im Trainingslager in Kärnten jede Übung, jede Einheit ohne Schmerzen bestreiten. Gleiches galt für seinen Einsatz im ersten Testspiel in Österreich am Sonntag gegen Udinese Calcio.

Entsprechend motiviert zeigte sich der Mittelfeldspieler beim 3:2 (3:1) gegen die Italiener. Dass ihm Steven Skrzybski dabei die Show stahl, tat seinem engagierten Auftritt keinen Abbruch. Skrzybski holte nicht nur den Elfmeter zur Führung durch Philipp Hosiner heraus (9.), sondern erhöhte nach 20 Minuten selbst auf 2:0, ehe er Stephan Fürstner per Doppelpass das 3:1 auflegte (45.).

Ansätze von Pressing und Gegenpressing

Ryder Santos Pinto hatte für Udine verkürzt (43.). Gegen die erst seit zwei Wochen in der Vorbereitung stehenden Italiener zeigte Union in Ansätzen jenes Pressing und Gegenpressing, das auch in der Zweiten Liga zum Erfolg führen soll. Nach dem Wechsel traf Gerki Kone für die Italiener (57.).

Für Thiel war die Partie gegen den Tabellen-17. der vergangenen Serie-A-Saison nach gut 60 Minuten beendet. Im Zuge der Belastungssteuerung für jeden seiner Profis war dies von Trainer Jens Keller so angekündigt worden. Ein Umstand, der Thiel durchaus entgegen kam.

Nicht dass er nicht gern die 90 Minuten komplett durchgespielt hätte. „Es ist auch abgesprochen, weil wir eine hohe Belastung derzeit haben, dass man mal kürzer tritt. Da gehört auch dazu, dass ich mal eine etwas längere Regenerationspause brauche“, erklärt der Mittelfeldspieler: „Man darf nicht vergessen, dass ich ein halbes Jahr draußen gewesen bin.“

Der Mittelfeldspieler will nicht die gleichen Fehler wíeder machen

Ein halbes Jahr, dass den Oberbayern, geboren in Altötting, geerdet hat. Ihm gezeigt hat, dass es Wichtigeres gibt. „Ich will einfach nicht wieder den gleichen Fehler machen. Dieses Überdrehte, dieses Zu-viel-wollen, das hilft am Ende keinem der Beteiligten.“ Geduld ist das Zauberwort, das dem 22-Jährigen so lange gefehlt hat.

Unions Mittelfeldspieler Maximilian Thiel greift nach seinem Seuchenjahr wieder an
Unions Mittelfeldspieler Maximilian Thiel greift nach seinem Seuchenjahr wieder an© City-Press GbR | Mathias Renner

Weil er mehr wollte, als sein Körper zu leisten im Stande war, erst recht nach Verletzungen. Es mag dem Ehrgeiz eines jungen Profis zugeschrieben werden, dass er so schnell wie möglich wieder auf den Platz zurück will. Um sich zu zeigen, erst recht dem neuen Trainer, von dem die Köpenicker in der abgelaufenen Spielzeit gleich drei (Norbert Düwel, Sascha Lewandowski, André Hofschneider) hatten.

Die Folge war verheerend: Bereits Mitte März schickte der damalige Coach Hofschneider Thiel in den Urlaub, damit er seinen rechten Oberschenkel komplett auskuriert. „Fit“, so war der Duktus Hofschneiders, „bedeutet nicht gleich spielfit.“

Muskelfaserriss, Einblutung

Das war im Sommer vergangenen Jahres noch anders. Thiel, der gerade einen Bruch der rechten vorderen Schulterbegrenzung auskuriert hatte, zugezogen im Wintertrainingslager 2015 in Spanien, strotzte in der Sommervorbereitung nur so vor Tatendrang. Er wollte unbedingt an seine erste Halbserie bei Union anknüpfen, in der er die linke Seite nicht nur belebte, sondern quasi erst aus der Versenkung holte.

Thiels Glück hielt nur fünf Spieltage, dann meldete sich sein Oberschenkel. Muskelfaserriss, zugezogen gegen RB Leipzig (1:1). Wieder Reha, wieder rankämpfen. Im Wintertrainingslager dieses Jahr der nächste Rückschlag. Wieder der Oberschenkel. Wieder aufholen.

Natürlich schaffte Thiel das Comeback, zum Rückrundenstart in Kaiserslautern (2:2) Anfang Februar war er wieder dabei – nur um durch eine Einblutung gleich wieder drei Wochen pausieren zu müssen. Das endgültige Aus kam schließlich im Abschlusstraining zum Spiel gegen den FSV Frankfurt (4:0) Anfang März.

„Irgendwann hatte ich gesagt: Die Saison ist gelaufen. Ich habe mich dann wirklich darauf konzentriert, dass ich wieder gesund werde. Das hat Gott sei Dank ganz gut geklappt, die Zeit haben wir durch die lange Sommerpause ja auch gehabt“, sagt Thiel.

„Man darf einfach nicht vergessen wie schön es ist, gesund zu sein“

Jetzt, im Trainingslager in Villach, ist jedoch nicht zu übersehen, dass die Wochen und Monate des lange Zeit verlorenen Kampfes nicht spurlos an ihm vorbeigegangen sind. Bei jedem Sprint, jedem Pass, jedem Torschuss hört Thiel eher in seinen Körper hinein, um zu fühlen, dass da bloß nicht schon wieder etwas schief läuft.

„In den ersten Tagen hatte ich schon sehr viel Respekt vor meinen Bewegungen“, gibt Thiel einen Einblick in sein Seelenleben. Er sagt aber auch: „Den Druck will ich mir nicht mehr machen, das war auch der Fehler in der Vorsaison, dass ich zu viel erreichen wollte.“

Dass dabei auch Konzentration fehlt, wenn er sich Trainer Keller aufdrängen will, ist die logische Folge. „Maxi, wenn du Lust hast, kannst du ihn auch reinmachen“, rief der Coach noch am Sonntagvormittag, als Thiels Schuss am Tor vorbeiflog. Der Profi nimmt sich dies zu Herzen, weiß jedoch, die Dinge einzuordnen.

„Man darf einfach nicht vergessen, wie schön es ist, gesund zu sein, auch wenn der Sprint mal nicht reicht oder der Pass nicht ankommt. Mit dieser Mentalität bin ich auch in die Vorbereitung gegangen. Der Erfolg kann erst kommen, wenn ich zu hundert Prozent fit bin. Die Zeit muss ich mir einfach geben“, sagt Thiel. Er klingt zufrieden.