Zweite Bundesliga

Unions Torjäger Terodde behält die Bodenhaftung

Die Flaute im Sturm des 1. FC Union hat Simon Terodde zwar beendet – trotzdem übt der 24-Jährige nun Selbstkritik.

Foto: Armin Weigel / dpa

Die Tür, die auf das Stadiongelände an der Alten Försterei und zur Kabine der Spieler führt, war geschlossen. Da half auch alles Pfeifen und Rufen nicht, obwohl die Spieler nach dem Auslaufen gestern Vormittag unbedingt ins Warme wollten. Aussperrung beim 1. FC Union, weil es die Mannschaft am Sonntag nicht geschafft hatte, bei Aufsteiger Jahn Regensburg eine Führung nach Hause zu bringen? So rabiat ist man beim Berliner Fußball-Zweitligisten nun nicht. Doch die Enttäuschung, das 3:2 nach 0:2-Rückstand noch verspielt zu haben, war spürbar.

„Ich bin unzufrieden, dass wir nicht gewonnen haben. Wir haben zwei Punkte liegen gelassen“, sagte Simon Terodde. Dabei war es gerade der Stürmer, der durchaus ein wenig entspannter hätte sein können. Seine beiden Treffer hatten erst dafür gesorgt, dass die Berliner wieder ins Spiel zurückfanden. Sein Doppelpack beendete außerdem so ganz nebenbei die Flaute in der Abteilung Attacke. Das zuvor letzte Stürmertor hatte es am 29. September beim 3:1 im Berlin-Brandenburg-Derby gegen Energie Cottbus gegeben – durch Terodde.

„Ich muss mir auch Vorwürfe gefallen lassen“

Freude über das Ende der ewig jungen Diskussion, wann die Stürmer endlich wieder treffen? Fehlanzeige. Stattdessen übte sich der 24-Jährige eher in Selbstkritik. Beim Ausgleich, wenn auch nach Daniel Göhlerts Platzverweis in Unterzahl kassiert, „stand die ganze Mannschaft nicht kompakt“, erklärte Terodde. Und verwies mit Blick auf die Entstehung des Treffers: „Ich habe den Pass in die Mitte zugelassen. Da muss ich mir natürlich auch Vorwürfe gefallen lassen.“

In jedem Fall hat Terodde mit seinen Treffern die richtige Antwort darauf gegeben, dass er von Trainer Uwe Neuhaus in den vergangenen drei Pflichtspielen erst von der Bank aus hatte zuschauen müssen. Mit dem Torriecher eines Goalgetters beim Anschlusstor, als er das Missverständnis zwischen Jahn-Keeper Michael Hofmann und Verteidiger Sebastian Nachreiner ausnutzte und den Ball über die Linie spitzelte. Mit dem Killerinstinkt eines Klasse-Angreifers, als er das Spielgerät mit vollem Risiko genau richtig traf und zwischen Hofmann und dem rechten Pfosten ins Tor drosch. „Ich bin froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte. Das ist das Wichtigste“, kommentierte der gebürtige Bocholter seine Saisontreffer drei und vier lapidar.

Trainer Uwe Neuhaus folgte seinem Instinkt

Dass es überhaupt dazu gekommen ist, war allerdings nicht das Resultat einer unbedingt durchdachten Planung. Vielmehr ist der Trainer seinem Instinkt gefolgt. „Es war eine Gefühlsentscheidung“, berichtete Neuhaus: „Aber wie unsere Stürmer im Moment drauf sind, kann man, glaube ich, nicht anders entscheiden. Es war aus dem Bauch heraus.“ Ein echter Vertrauensbeweis in das erfahrene Trio Terodde, Silvio und Adam Nemec sowie Jungprofi Steven Skrzybski sieht sicherlich anders aus. Dennoch habe sich in den Trainingseinheiten in der Woche vor der Partie in Regensburg „schon angedeutet, dass Terodde entschlossener vor dem Tor wirkte“. Der Schein hat nicht getrogen.

Selbstvertrauen vor dem Heimspiel am Sonnabend gegen 1860 München hat Terodde jedenfalls sammeln können, ebenso Argumente für einen erneuten Einsatz von Beginn an. Ob mit Silvio als Sturmpartner oder nur allein in vorderster Front – „das ist mir egal“, sagte Terodde. Im Vergleich zu seinen Mannschaftskollegen dürfte er die Nase vorn haben, wenn es um die Startelf geht.