Eine Halbzeit lang durfte Union Berlin auf eine Überraschung beim FC St. Pauli hoffen, bis zur 90. Minute dann zumindest auf einen verdienten Punkt – doch dann kam Fin Bartels. Mit seinem Tor in der zweiten Minute der Nachspielzeit sorgte der Stürmer am Dienstag für eine unglückliche 1:2 (1:0) -Niederlage aus Sicht der Gäste aus Berlin. Diese hatten beim Aufstiegsaspiranten aus Hamburg lange tapfer mitgehalten und waren durch Markus Karl in 32. Minute in Führung gegangen. Doch Max Kruse (59.) und schließlich Matchwinner Bartels drehten die Partie. Zudem kassierte Youngster Maurice Trapp wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte (64.).

„Wenn man so spät bestraft wird, ist die Enttäuschung riesengroß“, meinte Marc Pfertzel. „Wir haben guten Fußball gespielt und auch in Unterzahl ordentlich gekämpft.“ Torsten Mattuschka sagte: „Es ist brutal ärgerlich, dass wir nach einem richtig guten Spiel noch verloren haben.“ Tijani Bellaid merkte selbstkritisch an: „Wir sind selber Schuld, wenn wir in allerletzter Sekunde nicht aufpassen.“

Eigentlich waren die Favoritenrollen und Ausgangspositionen der beiden Teams am Millerntor klar verteilt: Die Hausherren mussten im Kampf um den Aufstieg unbedingt punkten, für die Gäste aus Berlin ging es in erster Linie nur darum, einen hochkarätigen Rivalen zu ärgern. Dies gelang dem Team von Coach Uwe Neuhaus dann auch zunächst ziemlich gut: Nach einer guten halben Stunde kam Karl im Anschluss an einen Eckball per Kopf ans Leder und markierte die Union-Führung.

Unverdient war das 1:0 dabei nicht, schon nach wenigen Minuten hatte Simon Terodde allein vor Torwart Philipp Tschauner die Führung auf dem Fuß. Die Berliner agierten äußert clever, mit geschickter Defensive und im Angriff der einen oder anderen Überraschung.

Nach der Pause mussten die „Eisernen“ dann aber innerhalb von wenigen Minuten zwei Nackenschläge verkraften. Zunächst gelang dem Pauli-Offensivspieler Kruse per leicht abgefälschtem Fernschuss der Ausgleich. Nur fünf Minuten später musste Trapp bei seinem Debüt in der Startelf vorzeitig vom Platz: Zwei klare Fouls, zwei Verwarnungen und damit die Gelb-Rote Karte sorgte dafür, dass sich der 1. FC Union eine halbe Stunde lang zu zehnt gegen eine Pleite wehren mussten.

Gut zehn Minuten vor Schluss durften sich die Hauptstädter dann bei der lobenswerten Fairness von Marius Ebbers bedanken, dass sie nicht das 1:2 kassierten. Der Stürmer brachte eine weite Flanke im Tor von Jan Glinker unter, Spieler und Fans jubelten bereits. Als die Unioner lautstark Handspiel reklamierten, fragte Schiedsrichter Tobias Welz den vermeintlichen Torschützen. Dieser räumte ein, denn Ball mit dem Oberarm berührt zu haben, ergo: kein Tor.

Nun aber war Pauli am Drücker, Union verteidigte mit zehn Mann. In der 85. Minute rettete das Lattenkreuz die Neuhaus-Elf nach einem Schuss von Dennis Daube, in der 89. Minute scheiterte Kruse gleich doppelt. Doch dann kam Bartels und ließ das Millerntor beben.

dpa/tj