Die Stimmung am Dienstag beim Training an der Alten Försterei war durchaus gut. Die Stammspieler des 1. FC Union liefen wie gewohnt aus, die Reservisten des Berliner Fußball-Zweitligisten mussten am Vormittag eine vollständige Übungseinheit über sich ergehen lassen. Doch das 1:2 gegen die SpVgg. Greuther Fürth, die zweite Niederlage in Folge, hatte mehr Spuren hinterlassen, als es den Berlinern lieb wäre. Nicht nur wegen zahlreicher Blessuren.
Verteidiger Patrick Kohlmann erlitt eine Wunde über dem rechten Auge, auch die Stürmer John Jairo Mosquera (Fußprellung) und Kenan Sahin (Infekt) sind angeschlagen. Am schlimmsten erwischte es allerdings Shergo Biran, der wegen einer Sprengung des Schultereckgelenks wochenlang ausfallen wird. Es klang fast schon mahnend, als Trainer Uwe Neuhaus sagte: "Wir haben jetzt das zweite Mal hintereinander verloren - willkommen in der Zweiten Liga."
Wer geglaubt hatte, alles ginge mit Leichtigkeit so weiter wie in der vergangenen Drittliga-Saison und in den ersten Zweitliga-Spielen, der wurde spätestens in der Partie gegen die Franken eines Besseren belehrt. Träumereien von einem Durchmarsch in die Bundesliga sind verfrüht, ja sogar realitätsfremd. "Das ist eben so in der neuen Liga: zweimal nicht aufgepasst, schon wird das bestraft", sagte Macchambes Younga-Mouhani.
Dumm nur, wenn man ein besseres Resultat so leichtfertig herschenkt. "Ich dachte, er rennt ins Abseits oder kommt nicht mehr an den Ball", beschreibt Christian Stuff die Szene in der neunten Minute vor dem 0:1. Doch Jan Mauersberger kam vor dem Union-Verteidiger an das Spielgerät und köpfte ein - der Anfang vom Ende gegen Fürth, das trotz des großen Kampfes nach dem Anschlusstor von Sahin (57.) bereits nach 20 Minuten durch Bernd Nehrig besiegelt war. Auch hier war die Union-Defensive nicht im Bilde.
Am Sonntag in Aachen
Union im Oktober 2009 - eine Mannschaft, die sich von der Unbeschwertheit der ersten Wochen, in denen mit dem letzten Rest von Aufstiegseuphorie vieles wie von selbst lief, verabschieden und die ureigensten Union-Tugenden neu entdecken muss: Kampf und Einsatz von der ersten Minute an. "Wir hatten auch in der Dritten Liga unsere Schwächephasen", erklärte Younga-Mouhani. Doch die Qualität der Gegner hat sich gegenüber der Vorsaison um einiges verbessert, das werden die Unioner in den kommenden Wochen, wenn es gegen die Liga-Schwergewichte wie Kaiserslautern (23.11.), St. Pauli (29.11.) und Bielefeld (13.12.) geht, noch öfter zu spüren bekommen.
Schon die kommende Begegnung in Aachen am Sonntag (13.30 Uhr, Sky live) wird kein Zuckerschlecken, zumal die Alemannia, derzeit auf Rang 15, ohnehin viel gutzumachen hat. Zeigt sich die Offensive dann jedoch erneut so harmlos wie über weite Strecken gegen Fürth, wird Union die Ausbeute von 17 Punkten (Stuff: "Damit stehen wir ja immer noch gut da") nicht ausbauen können. "Bei unseren Standardsituationen kamen wir nicht so in die gefährliche Zone, wie wir es wollten", sagte Neuhaus. Dabei hatte der Trainer Freistöße und Ecken in der vergangenen Woche extra noch einmal üben lassen.



