Mit Geld warf der 1. FC Union in den vergangenen Jahren nicht gerade um sich. Das Problem war eher, überhaupt genug zusammen zu bekommen. Wirklich gereicht hat es eigentlich nie so richtig. Nicht umsonst werkeln etliche Fans noch immer fleißig im Stadion An der Alten Försterei herum, damit aus der maroden eine moderne Arena wird.
Abhängigkeiten dieser Art – durchaus mit romantischem Charakter, aber eben doch Ausdruck von gewissen Defiziten – könnten für die Köpenicker nun der Vergangenheit angehören. Der Aufstieg in die Zweite Fußball-Bundesliga beschert Union Einnahmen, die so nicht vorherzusehen waren. Vergangene Saison brachte Hauptsponsor Silicon Sensor noch gut 200.000 Euro in den Klub. Inzwischen zog sich das Unternehmen zurück, der Vertrag lief aus. Letztlich ein Glück für Union, denn am Donnerstag präsentierte der Klub einen neuen Hauptsponsor: Die International Sport Promotion, kurz ISP, wird in den nächsten fünf Jahren zwei Millionen Euro pro Saison in Union investieren.
Die profane Bezeichnung als Sponsor greife daher nicht, sagt Union-Präsident Dirk Zingler: „Aufgrund der Länge und des Volumens der Verbindung verstehen wir die ISP als strategischen Partner.“ Bereits am 18. Mai wurde der Vertrag geschlossen, mehrere Monate dauerten die Verhandlungen. An deren Ende stand ein Kontrakt, der tatsächlich weit über das übliche Maß eines Sponsors hinausgeht. Der Vertrag gilt für die erste, zweite und dritte Liga, in entsprechender Abhängigkeit stehen auch die Zuwendungen. „Nach Saisonbeginn werden wir Gespräche führen über eine Beteiligung an der Stadiongesellschaft“, erzählt Zingler. Dafür gibt es bei der ISP, deren Schriftzug das Union-Trikot zieren wird, schon konkrete Vorstellungen mit dem Ausbau der Westtribüne, des Trainingszentrums sowie der Errichtung eines angeschlossenen Hotels. Außerdem soll die ISP demnächst als Co-Finanzier bei Transfers auftreten.
Union soll in Afrika Vermarktungserfolge bringen
Fast klingt es, als wäre die gute Fee aus dem Märchen bei den Berlinern vorbeigekommen und würde gleich ein paar Dutzend Wünsche erfüllen. Allerdings eine Fee, die bisher so gut wie nie in Erscheinung getreten ist. Erst Anfang des Jahres wurde das Marketingunternehmen mit Sitz in Dubai gegründet und befindet sich im Aufbau. Dabei schlägt die ISP ein enormes Tempo an mit dem Engagement bei Union. Gestützt offenbar durch ein Netzwerk von Firmen. So ist die ISP verbunden mit der ISO International, die sich mit Umweltmanagement und Rohstofferschließungen beschäftigt. Die ISO wiederum, die ihren Sitz in Berlin hat und dort auch das deutsche Büro der ISP beherbergt, ist Teil eines weltweit agierenden Konsortiums. Als finanzkräftigster Partner wird die Schweizer Genesis Commodities AG (Rohstoffgewinnung) genannt, die mit einem Stammkapitalwert von 4,6 Milliarden Euro geführt wird.
Die Hauptbetätigungsfelder dieser Firmen liegen in Afrika, wo sich die ISO auch mit Abfallentsorgung beschäftigt und gemeinsam mit der ISP den ersten afrikanischen Sport-Fernsehsender aufbaut. Und welchen Nutzen soll Union dabei bringen? „Sport und Musik sind in Afrika Türöffner für weitergehende Aktivitäten“, sagt Jürgen Czilinsky, Aufsichtsratsvorsitzender der ISP und Geschäftsführender Gesellschafter der ISO. Da man in Afrika nur Berlin als deutsche Stadt kenne, sei Union eine logische Entscheidung gewesen.
Es fällt nicht ganz leicht, diesen Gedanken zu folgen. Da Union in der Vergangenheit vielschichtige Erfahrungen mit Sponsoren gemacht hat, prüfte Präsident Zingler die neuen Partner genau. „Es ist alles abgesichert“, sagt er und sieht nicht aus wie ein Mann mit Zweifeln. Stattdessen erzählt er, wie das Geld verwendet werden soll. Von geplanten zehn auf 12,2 Millionen Euro steigt der Etat, der Mehrbetrag fließt zu je einem Drittel in den Sport, die Infrastruktur und den Abbau von Verbindlichkeiten.
Einen besonderen Bezug des neuen Sponsors zu Union gibt es dann ja auch noch, der gut nachvollziehbar ist: Der Managing Director der ISP Dieter Fietz war in den 70ern Union-Trainer und coachte 1992 auch mal Blau-Weiß 90.
Mitspracherechte für die ISP gibt es dabei nicht. „Das Tempo der Entwicklung bestimmt der Verein“, sagt Zingler. Auch werden keine Gremienplätze bei Union mit Vertretern des Partners besetzt. Unverändert bleiben die Ziele, das heißt, zunächst will man die Klasse halten. Dabei könnten nun Spieler helfen, die bisher nicht in das Union-Schema passten. Denn Ablösefreiheit war die Voraussetzung bei Transfers. Diese Maßgabe ist aufgehoben, da sich die ISP an den Kosten beteiligt. Nächste Woche zum Trainingsauftakt schickt die ISP gleich mal vier Südamerikaner, an denen man die Rechte hält, zur Probe in der Försterei vorbei.



