Über manche Dinge muss man eine Nacht schlafen, dann sieht die Welt schon ganz anders aus. Diese Redewendung mag sich auf allerlei Geschehnisse anwenden lassen, bei den Füchsen Berlin funktioniert sie gerade nicht. Nach dem desolaten Auftritt im ersten Europapokal-Gruppenspiel gegen St. Raphael (21:26) herrscht Katerstimmung bei dem Tabellendritten der Handball-Bundesliga. „Dieser Abend ist nicht so einfach zu verdauen“, sagt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning, der an diesem Freitag seinen 50. Geburtstag feiert.
Der Trainer will keine Ausreden hören
Sowohl der Manager, Trainer Velimir Petkovic als auch Sportkoordinator Volker Zerbe kritisieren den Mangel an Bereitschaft und Emotion der Spieler. „Wie kann ich so zu einem Spiel kommen?“, fragt sich Zerbe. „Das können wir so nicht akzeptieren.“ Am Donnerstagnachmittag traf sich die Mannschaft im Sportforum Hohenschönhausen zur Nachbesprechung. Dass die Füchse nach dem Abgang von Petar Nenadic und der Verletzung von Paul Drux Probleme im Angriff haben würden, war zu erwarten. St. Raphael ist zudem der stärkste Gruppengegner. „Doch ich will keine Ausreden hören“, sagt Petkovic. „Wir sind ohne Herz und ohne Feuer in das Spiel gegangen.“ Die fehlende Leidenschaft in der Abwehr kann das Team jedenfalls nicht auf Nenadic zurückführen, der in der Defensive fast nie zum Einsatz kam.
Qualitativ können sich die Füchse auch ohne Drux und Nenadic mit acht Nationalspielern nicht verstecken. „Von unserer Besetzung reicht es aus, um weiterhin oben mitzuspielen“, stellt Hanning klar. Eine weitere Verpflichtung will er unbedingt vermeiden. Ein Nachteil war sicherlich, dass die Füchse den Großteil der Vorbereitung aufgrund der Europameisterschaft mit einem dezimierten Kader bestritten haben, allerdings wirkten auch diejenigen, die während dieser Zeit geballt zusammen trainiert haben wie Drago Vukovic, Fabian Wiede, Erik Schmidt und Zugang Johan Koch alles andere als eingespielt. Zu allem Überfluss verletzte sich Wiede auch noch am Wurfarm. Das Ergebnis der am Donnerstag erfolgten Untersuchung steht noch aus.
Wiedergutmachung in Ludwigshafen möglich
Am Freitag reisen die Füchse nach Rheinland-Pfalz, wo sie sich am Sonnabend mit den für ihren Kampfgeist bekannten Eulen Ludwigshafen messen, die aktuell Rang 17 belegen (20.30 Uhr, Sky). Eine Qualität der Berliner war im bisherigen Saisonverlauf, dass sie sich keinen Ausrutscher gegen vermeintlich schwächere Teams erlaubt haben. Es ist nun an Petkovic, die richtigen Worte zu finden, um aus seinen Spielern in der kurzen Zeit wieder die nötige Einstellung herauszukitzeln.


