#Rio2016

Flüchtlings-Mädchen Mardini: „Die Filmidee finde ich gut“

Die syrische Schwimmerin ist schon jetzt ein Olympiastar. Sie trägt die Fahne bei der Eröffnungsfeier - und hat Angebote aus Hollywood.

Ist bereits das Gesicht von Olympia: Yusra Mardini lebt und trainiert in Berlin

Ist bereits das Gesicht von Olympia: Yusra Mardini lebt und trainiert in Berlin

Foto: Ker Robertson / Getty Images

Rio de Janeiro.  Eines ihrer kunstvollen Unterwasserfotos zierte in dieser Woche sogar die Titelseite der britischen Tageszeitung „The Times“, im olympischen Dorf wurde sie von einem TV-Termin zum nächsten gereicht. Yusra Mardini ist in Rio auf dem besten Weg, ein Star zu werden, wer sonst hat schon 800 Interviewanfragen bekommen.

Die sympathische Schwimmerin aus Syrien mit Wohnsitz in Berlin repräsentiert das erste Flüchtlingsteam bei Olympischen Spielen sogar als Fahnenträgerin bei der Eröffnungsfeier – und steigt am Sonnabend erstmals ins Becken.

„Es ist unglaublich, wenn man 60 Millionen Flüchtlinge repräsentieren kann“, sagte die 18-Jährige vor Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die sich allesamt gerührt gaben. „Nicht nur ein historischer Tag, sondern auch ein aufregender“, sagte IOC-Präsident Thomas Bach.

Todesangst im Schlauchboot

Sicher, eine Medaille kann Mardini nicht gewinnen, sogar eine Top-Ten-Platzierung ist utopisch. Doch das ist auch nicht das Ziel. Die Syrerin soll die Menschen auf ihre Geschichte aufmerksam machen, auf die Geschichten von Millionen von anderen Flüchtlingen, die ihr Zuhause verloren haben. „Ich will allen zeigen, dass man es trotz Krieg und Elend schaffen kann, wenn man an sich glaubt.“

Ihre zupackende Art kam ihr zugute. So wie in ihrer Heimatstadt Damaskus, als sie mit ihr älteren Schwester Sarah die Flucht beschloss. So wie vor der Insel Lesbos, als ein Leck in ihrem Schlauchboot bei allen Insassen Todesangst auslöste. Schnell sprangen Yusra und Sarah ins Wasser und zogen das Boot über Stunden an die sichere Küste. Und so auch in Berlin, wo sie in Sven Spannekrebs ihren großen Helfer fand.

Der Schwimmtrainer hörte IOC-Boss Bach in der UN-Versammlung darüber reden, dass man Flüchtlingen finanziell helfen wolle. Schnell schrieb er einen Brief. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) schaltete sich ein. Und als das IOC Anfang des Jahres ein Flüchtlingsteam bilden wollte, war Mardini schon eine von 43 Kandidaten und zur rechten Zeit am rechten Ort.

Dass sie womöglich nur eine Vorzeigemarionette des IOC ist, der nach so viel Negativ-Schlagzeilen über Doping auf eine positive PR hofft, glaubt sie nicht. „Das Flüchtlingsteam würde auch ohne Yusra starten“, sagt Spannekrebs. Womöglich wird sie sogar bald ein Filmstar. Hollywood hat schon angefragt. Und Yusra hat offenbar nichts dagegen: „Jetzt kommt erst Rio. Aber Film finde ich gut.“