Ruderin Drygalla

Olympia-Neonazi-Affäre kommt vor Bundestagsausschuss

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Offene Fragen im Fall der von den Olympischen Spielen abgereisten Ruderin Nadja Drygalla sollen im Sportausschuss geklärt werden.

Die Neonazi-Affäre um die deutsche Olympia-Ruderin Nadja Drygalla wird auch den Sportausschuss des Bundestags beschäftigen. Das Gremium werde sich „vermutlich noch im September“ damit befassen, sagte die Ausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag (SPD) am Sonnabend im Deutschlandfunk. Bei der traditionellen Sitzung zur Nachbetrachtung der Olympischen Spiele würden sich die Sportfachleute der Fraktionen „zwangsläufig“ auch mit dem Fall Drygalla beschäftigen. Sie werde dabei empfehlen, die Sitzung öffentlich zugänglich zu machen, rechne aber mit Widerstand der schwarz-gelben Koalition, sagte Freitag.

Funktionäre nehmen Drygalla in Schutz

Indes haben Sportfunktionäre aus Mecklenburg-Vorpommern einen differenzierten Umgang mit Drygalla angemahnt. „Nadja als Trojanisches Pferd der Neonazis im Achter darzustellen, ist abenteuerlich“, sagte Hans Sennewald, Präsident des Landesruderverbandes, der „Ostsee-Zeitung“ Rostock (Samstag). Ulrike Sennewald, die Tochter des 51 Jahre alten Ruder-Olympiasiegers, saß mit Drygalla im deutschen Olympia-Achter, der in London vorzeitig ausgeschieden war.

Sennewald berichtete dem Blatt, er habe mit Ulrike Drygalla lange über die Beziehung zu ihrem Freund gesprochen. Sie habe ihm versichert, Rechtsextremismus abzulehnen. „Ich kann nicht beeinflussen, an wen ein junges Mädchen ihr Herz verschenkt“, sagte er.

Auch Torsten Haverland, Geschäftsführer des Landessportbundes Mecklenburg-Vorpommern, stellte sich hinter die Ruderin. „Wir können doch die Sportlerin nicht in Sippenhaft nehmen, die Top-Leistungen bringt, unseren Ehrenkodex unterschrieben hat und sich nicht aktiv in der Szene beteiligt“, sagt der einstige Olympia-Segler. Haverland erklärte, in Gesprächen habe man Drygalla „geraten, sich einen anderen Freund zu suchen“.

Drygalla hatte nach Berichten über Kontakte zur rechtsextremen Szene die Olympischen Spiele in London verlassen. Unklar blieb zunächst, wer schon vor Olympia von diesen Kontakten wusste. Die 23-jährige Sportlerin hatte deshalb bereits 2011 den Polizeidienst quittiert.

Freitag sagte weiter, sie sei „schockiert“ angesichts der Berichte. Es müsse nun aufgeklärt werden, „wer wann was gewusst“ habe. Es stellten sich in dem Zusammenhang eine Menge Fragen. Zwar dürfe es keine „Sippenhaft“ geben, aber einen solch gravierenden Vorwurf hätte sie „gerne im Vorfeld“ der Olympischen Spiele geklärt gehabt. Sie stelle sich die Frage, warum die zuständigen Sportfunktionäre nichts gewusst hätten.

Die 23-jährige Rostockerin hatte mit dem Frauen-Achter den letzten Platz belegt, sie sollte an keinem weiteren Wettbewerb teilnehmen. Der Deutsche Olympische Sport Bund (DOSB) erfuhr nach eigenen Angaben erst am Donnerstag von Vorwürfen, Drygalla lebe oder lebte in einer Beziehung mit einem Mitglied der rechtsextremen Szene.

( AFP/dpa/tj )