Im vergangenen September hat es zwischen Carolin Leonhardt (27) und David Storl (22) gefunkt. Die zierliche Schlagfrau des Viererkajaks und der hünenhafte Weltmeister im Kugelstoßen verbindet nicht als einzige in der deutschen Olympia-Mannschaft die Liebe. Gunnar Meinhardt besuchte die beiden Athleten, die die große Chance haben, als Gold-Paar von den Spielen aus London heimzukehren.

Morgenpost Online: Wissen Sie schon, was Sie am Mittwochmittag, den 8. August, machen werden?

Carolin Leonhardt: Was für eine Frage! Auf dem Dorney Lake paddele ich im Viererkajak um die Wette, bis mir die Lunge aus dem Hals kommt.

David Storl: Um 11.44 Uhr ist der Start zu deinem Endlauf. Dann werde ich an der Regattastrecke stehen, um euch zum Olympiasieg zu schreien. Ich würde mich ja so gern vorn in euer Boot setzen und trommeln. Aber ....

Carolin Leonhardt: ... das geht leider nicht, wie schade… Wenn ich mir das so bildlich vorstelle – wir vier Mädels und du starker Bär in einem Boot (lacht laut). Das wäre echt lustig.

David Storl: Ihr gewinnt aber auch ohne mich.

Carolin Leonhardt: Ich hoffe und wünsche mir das sehr. Wir wollen schon Gold, das ist klar. Der deutsche Viererkajak hat seit den Spielen 1996 immer gewonnen. Diese Serie soll, nein, die muss einfach halten.

Morgenpost Online: Sie kennen ja bereits das Gefühl eines Olympiasieges, holten vor acht Jahren in Athen bereits Gold.

Carolin Leonhardt: Und weil das so einmalig schön war, möchte ich es jetzt hier in London unbedingt noch einmal erleben. Zumal ich vor vier Jahren in Peking so viel Pech hatte. Ich saß ja auch damals im Boot, doch vor dem Endlauf wurde ich krank und musste mit ansehen, wie die anderen ohne mich Gold holten. Am Allerschönsten wäre diesmal natürlich, wenn David und ich Gold gewinnen würden. Das wär's.

Morgenpost Online: David, dafür müssten Sie vorlegen. Ihr Wettkampf ist bereits fünf Tage früher.

Carolin Leonhardt: Leider.

Morgenpost Online: Wieso leider?

Carolin Leonhardt: Weil ich nicht im Stadion sein kann. An dem Freitag reisen wir erst in London an. Bis wir dann akkreditiert sind und unsere Zimmer bezogen haben, ist der Tag rum. Zumal wir auch nicht im olympischen Dorf, sondern 30 Kilometer außerhalb wohnen.

Morgenpost Online: Mit einem Bett teilen wird es ja dann auch nichts.

David Storl: Daran hatten wir auch nicht gedacht. Doch es würde mir gut tun, wenn Caro beim Wettkampf dabei wäre.

Carolin Leonhardt: Umgekehrt ist es genauso. Mich beruhigt es, wenn ich weiß, dass David da ist und zuschaut.

Morgenpost Online: Was macht ihn so vertrauenswürdig?

Carolin Leonhardt: Und auch liebenswert.

Morgenpost Online: Und auch liebenswert.

Carolin Leonhardt: Seine Art, wie er mit mir umgeht. Wer ihn nicht kennt, glaubt nicht, wie sensibel und einfühlsam David ist. Er ist unheimlich rücksichtsvoll und respektvoll. Und er liebt die leisen Töne, so wie ich.

David Storl: (wird verlegen) Nun übertreib mal nicht.

Carolin Leonhardt: Lass es mich doch sagen, wenn es so ist! Du bist ein wirklich toller Mensch. Ich empfinde es als großes Glück, dass wir uns gefunden haben.

Morgenpost Online: Wie haben Sie sich denn kennengelernt?

Carolin Leonhardt: Vor zehn Monaten, als wir im „Champion des Jahres“ in der Türkei waren. Dort haben wir viel Zeit gemeinsam verbracht, und ich spürte von Tag zu Tag, dass da mehr ist, als sich immer nur an der Bar treffen zu wollen.

David Storl: Mir ging es nicht anders. Meine Schmetterlinge im Bauch wurden auch immer mehr.

Morgenpost Online: Wer treibt bei Ihnen wen an?

Carolin Leonhardt: Das ist unterschiedlich. Manchmal brauche ich einen Schub, manchmal er.

David Storl: Das braucht doch jeder mal. Wenn du jeden Tag trainierst, hängt es dir irgendwann zum Halse raus.

Carolin Leonhardt: Es wäre ja schlimm, wenn ich ihn immer nur antreiben müsste. Das würde zu viel Kraft kosten und der Beziehung schaden.

Morgenpost Online: Wie ist es bei Trainingslagern – teilen Sie sich dann ein Zimmer?

David Storl: Wenn einer von uns ein Einzelzimmer hat, das groß genug ist, schlafen wir schon zusammen.

Morgenpost Online: Die Trainer haben nichts dagegen?

Carolin Leonhardt: Ich denke, wir sind alt und vernünftig genug, um zu wissen, was wir machen. Wir haben unsere sportlichen Ziele, die wir ganz sicher nicht aufs Spiel setzen...

Morgenpost Online: …wegen der Liebe.

David Storl: Nein, wir sind beide professionell genug.

Carolin Leonhardt: Wenn ich mitbekommen würde, dass David sein Training wegen der Beziehung schleifen lassen würde, würde ich mit ihm reden. Das geht einfach nicht. Ich hoffe, er tut es auch, denn manchmal bekommt man den Schlendrian gar nicht selbst mit.

David Storl: Mache ich, versprochen.

Morgenpost Online: Frau Leonhardt, Sie sind fünf Jahre älter. Geben Sie in der Beziehung den Ton an?

Carolin Leonhardt: Nein. Das gleicht sich aus. Der Altersunterschied spielt keine Rolle. Am Anfang hatten wir schon kurz darüber nachgedacht, aber letztlich ist es egal.

David Storl: Ich finde, dass man es eh nicht merkt. Außerdem bin ich sowieso größer und stärker (lacht).

Morgenpost Online: Moment. Sie waren 14, als Carolin ihr erstes olympisches Gold gewann. Haben Sie das Rennen gesehen?

David Storl: Nein. Damals habe ich Leichtathletik geschaut, danach war Olympia für mich eigentlich vorbei. Ich habe zwar öfter durchgezappt, doch bewusst hängen geblieben bin ich bei keiner anderen Sportart.

Morgenpost Online: Haben Sie denn schon mal in einem Kajak gesessen?

David Storl: Erst vor wenigen Tagen. Dabei ging es mir wie allen Anfängern. Ich saß noch nicht einmal richtig im Boot, da lag ich auch schon im Wasser. Das ist nichts für mich. Ich habe aber umso größeren Respekt vor den Kanuten. Bei Wind und Wetter müssen die paddeln. Sie kommen vom Wasser, sind durchnässt und frieren. Bei Minusgraden oder Regen können sie nicht mal eben zu Hause bleiben.

Morgenpost Online: Haben Sie sich schon einmal als Kugelstoßerin versucht, Frau Leonhardt?

Carolin Leonhardt: Ja, aber es war so schwer. Davids Kugel wiegt ja über sieben Kilo, und da brauchst du schon mächtig Kraft, um die zu stoßen. Die habe ich einfach nicht.

Morgenpost Online: Wie weit haben Sie gestoßen?

Carolin Leonhardt: Etwa fünf Meter. Danach habe ich beschlossen, ich bleibe Kanutin (lacht).

Morgenpost Online: Wie weit wird David in London stoßen? Erster deutscher Weltmeister wurde er im Vorjahr mit 21,78 Meter.

Carolin Leonhardt: 22 Meter kann er schaffen, wenn alles passt. Was es letztlich wert ist, wird man sehen. Es wäre traumhaft, wenn es zu Gold reichen würde.

Morgenpost Online: Und was ist, wenn Sie tatsächlich beide goldgeschmückt heimkehren?

David Storl: Zum Glamourpaar werden wir dann nicht. Hochzeitspläne haben wir auch noch keine. Egal, ob wir Medaillen gewonnen haben oder nicht, wir fahren danach in den Urlaub und genießen, dass wir zusammen sein können.

Carolin Leonhardt: Darauf freue ich mich schon jetzt.