Olympia 2012

VIP-Taxifahrer Ahmed fährt Gäste diskret durch London

Mein Olympia, die Serie: Fahrer Muhammed Ahmed hofft, dass viele VIPs in sein Taxi steigen - am liebsten ist ihm David Beckham.

Foto: Melanie Haack

Das Wichtigste für Muhammed Ahmed ist die Selbstbestimmung. „Ich bin mein eigener Chef“, sagt er lächelnd. Er könne mit seinem Taxi so lange durch London fahren, wie er wolle. Meistens fährt er nachts, dann kommt er besser durch die Metropole des Königsreichs. Wobei diese Einschätzung in den nächsten Tagen nicht unbedingt der Wahrheit entspricht. London ist voll von Olympiatouristen, und Ahmed, 51 Jahre alt und Familienvater, entsprechend gefordert.

1974 ist er von Bangladesh nach London gekommen. Er mag die Stadt an der Themse sehr. Und er mag die Menschen. „Es ist schön, so viele unterschiedliche Leute zu treffen und mit ihnen zu reden“, sagt er, während er sein schwarzes Taxi sicher über die Straßen steuert. Und, ja, vielleicht hat er in den nächsten Wochen sogar ein paar prominente Fahrgäste. David Beckham, der zwar nicht beim olympischen Fußballturnier, wohl aber bei der Eröffnungsfeier dabei sein wird, würde ihm ganz besonders gefallen. „My all time favourite player“, sagt Ahmed. Und ein Olympiasieger? Klar, auch den würde er liebend gern chauffieren, vermutlich in eines der Fünf-Sterne-Hotels der Stadt. Da könne der prominente Athlet dann prima relaxen.

Es ist nicht mal unwahrscheinlich, dass Ahmed einem Topsportler oder gar hochrangigen Funktionär die Tür seines Taxis öffnet. Denn eines fehlt an seinem Wagen: das sonst übliche, grell leuchtende „Taxi“-Zeichen. Der 51-Jährige fährt für ein privates Unternehmen. Die Kunden rufen an, anstatt ihn auf der Straße herbeizuwinken. Diskretion ist hier keine Frage der Verhandlung. Er ist sowieso nicht der Typ für Tratsch, redet leise und drängt sich nicht auf.

Für Ahmed und seine Kollegen in der Stadt werden die Tage bis zur Abschlussfeier der Olympischen Spiele am 12. August besonders aufregend sein. Eine gute Schulung ist da wichtig. Denn wer in London Taxi fahren will, muss büffeln. Nur ein Führerschein und ein typisches, meist schwarzes „Black Cab“ reichen nicht.

Jeder Bewerber um den Job muss sich die berühmte „Knowledge“ – das Wissen über den Londoner Stadtplan – aneignen. Und das ist derart umfangreich, dass es durchschnittlich vier Jahre dauert, die Prüfung zu bestehen. Nur wer sich ganz besonders anstrengt, kann es auch in zwei Jahren schaffen.

Zur „Knowledge“ gehören sämtliche Straßen, Wege, Gässchen und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in einem Radius von sechs Meilen um die Station „Charing Cross“ im Zentrum Londons. Immerhin sind das 25.000 Straßen und 20.000 Sehenswürdigkeiten. „Am liebsten bin ich beim Tower of London. Das ist einfach ein so wunderschönes Gebäude.“

320 Routen fragen die Prüfer ab. Ahmed hat zuvor als Schneider gearbeitet, und eines hat er gelernt: Auch als Taxifahrer kommt es bisweilen auf Maßarbeit an. Wenn die Stadt voll ist, und das ist sie eigentlich immer, muss er mitunter recht waghalsige Fahrmanöver an den Tag legen. Ein Ausflug auf die extra für die Olympischen Spiele eingerichteten Fahrspuren für Offizielle und Athleten wäre da hilfreich. Aber dies ist nicht erlaubt. Aus Protest gegen die Verkehrsregelung ist diese Woche ein Taxifahrer von der Tower Bridge in die Themse gesprungen. Er wurde von Polizeitauchern geborgen und anschließend wegen Störung der öffentlichen Ordnung festgenommen.

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