Nach einer intensiven Vorbereitungszeit hat der Berliner Segler Robert Stanjek (31) mit seinem Starboot-Partner Frithjof Kleen (29) im englischen Küstenort Weymouth das olympische Dorf bezogen, wo die Athleten in englischen Townhouses untergebracht sind. Das Duo erreichte 2011 bei der WM in Perth/Australien Rang zwei und gehört damit zum Kreis der Medaillenkandidaten. Insgesamt sind elf deutsche Segler bei den Olympischen Spielen am Start. Im Interview mit Morgenpost Online-Redakteurin Alexandra Gross spricht Stanjek, der dem Yacht Club Berlin-Grünau angehört, über die Wetter-Bedingungen an der Südküste Englands, seine Ziele und das gute Gefühl, bei Olympia dabei zu sein.
Morgenpost Online: Haben Sie sich im olympischen Dorf schon eingelebt?
Robert Stanjek: Absolut, die Unterkünfte sind super, alles hier hat Hand und Fuß. Wir haben nur einen Weg von fünf Minuten zu den Wettkampfstätten und die vielen Helfer sind sehr freundlich. Und es ist spannend, die anderen Athleten beim Essen zu treffen und zu sehen, welches Outfit sie haben. Das Essen schmeckt übrigens sehr gut, und überall steht drauf, wie viel Kalorien das Gericht hat.
Morgenpost Online: Wie dürfen wir uns das Olympia-Restaurant im Dorf vorstellen?
Robert Stanjek: Wir sitzen dort mit allen anderen Sportlern auf langen Bänken in einer großen Halle. Das hat ein bisschen Mensa-Atmosphäre. Es ist schlicht, aber auch richtig gut.
Morgenpost Online: Sind Sie ein bisschen traurig, dass sie 190 Kilometer von London entfernt sind?
Robert Stanjek: Nein, das ist ja anders gar nicht möglich. Außerdem fahren wir alle zusammen am 27. Juli nach London und nehmen an der Eröffnungsfeier teil. Unser erstes Rennen startet dann am 29. Juli.
Morgenpost Online: Ist eine Medaille möglich?
Robert Stanjek: Nun, die Leistungsdichte im Starboot ist sehr hoch, und hier sind wirklich alle Top-Teams am Start. Das ist das ‚Who is Who' der Szene und wir sind da eher die Küken. Wir haben aber sehr hart gearbeitet und uns intensiv auf Olympia vorbereitet und werden alles geben. Unser Hauptziel ist es, nach den ersten zehn Rennen das Medalrace mit doppelter Wertung zu erreichen. Das sollte uns gelingen, dann ist alles möglich.
Morgenpost Online: Wie verbringen Sie die Tage bis zur ersten Regatta?
Robert Stanjek: Wir trainieren ja schon seit drei Monaten mit unserem Boot vor Ort, kennen also die Gegebenheiten schon recht gut. Natürlich sind wir jeden Tag auf dem Wasser, im Schnitt immer so drei bis vier Stunden. Aber beim Segeln gehört noch viel Arbeit drumherum dazu. Wir schnüren uns ja nicht die Turnschuhe zu und los geht's. Zudem machen wir Fitnesstraining, und abends steht dann noch Reha und Physiotherapie auf dem Programm.
Morgenpost Online: Als Outdoor-Sportart bestimmt oftmals das Wetter Ihren sportlichen Alltag. Wie fühlt sich der Wind an der Südküste Englands an?
Robert Stanjek: Wir befinden uns ja direkt am Atlantik und der Wind pfeffert hier schon richtig durch und das ohne Ende. Zudem ist es sehr kalt, so dass wir Mützen aufsetzen müssen, um nicht zu frieren. Also, ein paar Grad wärmer wären schon angenehm.
Morgenpost Online: Aber ein ordentlicher Wind müsste Ihnen als Segler doch sehr recht sein.
Robert Stanjek: Schon, aber die Windverhältnisse sind extrem. Das Wetter ist sehr herb. Wir mussten schon mal das Training abbrechen, um das Material zu schützen. Zudem erfordert das Segeln bei diesen Bedingungen sehr viel Kraft. Und was nicht so richtig angenehm ist, dass wir jeden Morgen in nasse Klamotten steigen. Das kostet schon ein bisschen Überwindung. Das Olympia-Revier ist wirklich sehr anspruchsvoll. Aber so ist das im Segelsport, vor zwei Jahren hatten wir bei der WM in Rio dafür 45 Grad im Schatten, das war das andere Extrem.
Morgenpost Online: Sind Sie eher ein Schönwettersegler oder bevorzugen Sie Fritz-Walter-Wetter?
Robert Stanjek: Wir nehmen das, wie es kommt. Als Athleten in einer Natursportart dürfen wir nicht gerade zimperlich sein und uns über Regen aufregen. Das gehört nun einmal dazu. Natürlich ist so ein schöner Mittelwind von drei Windstärken angenehm, aber Frithjof und ich können bei allen Bedingungen bestehen. Wir können alles.


