London 2012

Berlin verabschiedet seine Olympioniken

Berlins Olympia-Starter sind in der Ullstein-Halle des Axel-Springer-Hauses verabschiedet worden - mit großen Medaillenhoffnungen.

Sie sind fit – und voller Vorfreude. Und sie wollen erfolgreich sein. Zwar beginnen die 30. Olympischen Spiele in London erst am 27. Juli, doch bereits am Donnerstag, 15 Tage vor der Eröffnung des Megaevents, kam in der Ullstein-Halle, im Axel-Springer-Haus in Kreuzberg, olympische Atmosphäre auf. Die Berliner Olympiateilnehmer wurden offiziell verabschiedet; neben vielen Sportlern waren Vertreter der Sportverbände sowie aus Politik und Wirtschaft gekommen. Sie alle schickten die Berliner Abordnung mit den besten Wünschen in Richtung London.

Carsten Erdmann, der Chefredakteur der Berliner Morgenpost, gab als Gastgeber in seiner Begrüßung zu, dass man doch immer ein wenig neidisch auf London schaue, weil Berlin doch auch ganz gerne wieder einmal Olympische Spiele ausrichten würde. Das 391-köpfige Aufgebot des Deutschen Olympischen Sportbundes geht auf der britischen Insel unter dem Motto „Wir für Deutschland“ an den Start. Mit Blick auf die 47 Berliner Olympiateilnehmer könnte man das Leitmotiv umändern in: „Wir für Berlin“. Das Gros der Olympioniken war in der Ullstein-Halle vertreten, die Fehlenden hatten eine nachvollziehbare „Entschuldigung“: Sie befinden sich gerade noch im Trainingslager, um sich den letzten Schliff zu holen.

Diejenigen, die nun dabei waren, wie die zweifache Schwimm-Olympiasiegerin Britta Steffen oder Diskus-Weltmeister Robert Harting, wurden sukzessive auf die Bühne gebeten, teilweise von Moderator Andreas Ulrich nach Chancen und Zielen befragt. Auch Paralympics-Teilnehmer aus Berlin, vorneweg Medaillensammlerin Marianne Buggenhagen, wurden verabschiedet. Die Paralympics, die Weltspiele der Behinderten, finden zwischen dem 29. August und dem 9. September ebenfalls in London statt.

Jeder achte deutsche Starter aus Berlin

Die Sportler und Sportlerinnen aus der Hauptstadt werden eine ganz wichtige Rolle spielen bei Olympia in der britischen Metropole. Nicht allein von der Quantität her, schließlich stellt Berlin etwa zwölf Prozent der deutschen Mannschaft. „Die Qualität ist sehr hoch“, sagt Harry Bähr stolz. Bähr ist Leiter des Berliner Olympiastützpunktes (OSP), der die Spitzensportler betreut. Hier werden Körper und Seele fit gemacht für die großen Aufgaben, für internationale Großereignisse wie eben Olympia. „Erster Hafen für Sorgen“ sei der OSP, sagt Harting. Der starke Mann ist eine der großen Berliner Hoffnungen auf Gold.

Das Berliner Olympiateam kann man getrost auch als Speerspitze der Sportstadt Berlin ansehen. Als eine „führende Sportmetropole“ in der Welt sieht der für den Sport in Berlin zuständige Innensenator Frank Henkel die Stadt, in der viele Erst- und Zweitligisten ihre Heimat haben. Per Videobotschaft wünschte auch Ex-Schwimmstar Franziska van Almsick der Berliner Abordnung alles Gute.

Und es wurde der Bogen gespannt zwischen den olympischen Winterspielen in Vancouver 2010 und dem anstehenden Highlight. Die Eisschnellläuferin Katrin Mattscherodt übergab als letzte Berliner Goldmedaillengewinnerin (Team-Verfolgung) symbolisch die Fackel an Robert Harting. Hoffentlich ein gutes Omen für den Weltbesten mit dem Diskus.

109 olympische Medaillen seit der Wiedervereinigung

Insgesamt 109 olympische Medaillen haben Berliner Athleten seit der Wiedervereinigung gewonnen, 91 davon bei Sommerspielen. Seit der Wiedervereinigung hatten die Athleten aus der Hauptstadt jedes Mal einen großen Anteil am olympischen Erfolg der deutschen Mannschaft. Achtmal Edelmetall (viermal Gold, einmal Silber, dreimal Bronze) lautete die Ausbeute vor vier Jahren in Peking.

Neben Harting und Steffen ruhen die Hoffnungen natürlich auf Spitzenkräften wie beispielsweise Fünfkämpferin Lena Schöneborn, aber auch Ruderer oder Beachvolleyballer gehen chancenreich ins Rennen.

Insgesamt 47 Berliner sind in London dabei. Und beinahe hätte es für das Knacken der 50er-Marke gereicht: Bis zu acht Spandauer Wasserballer wären hinzu gekommen, aber wie in vielen anderen Mannschaftssportarten verpasste auch im Wasserball Deutschland die Olympia-Teilnahme; nur die beiden Hockeyteams und die Volleyballer gehen an den Start. 47 Berliner bedeuten die kleinste Abordnung seit 1992, vor vier Jahren in Peking waren es noch 54 gewesen. Aber keine Sorge: Schlagkräftig ist das Team allemal.