Olympia-Runde

"In London sind wir mehr als nur Pausenclowns"

Kugelstoßer Storl, Turner Boy, Ruderer Wilke und Fünfkämpferin Schöneborn diskutieren mit ZDF-Sportchef Gruschwitz und Christa Thiel vom DOSB über Olympia.

Noch 201 Tage sind es bis zum sportlichen Höhepunkt des Jahres, den Olympischen Spielen in London (27. Juli bis 12. August).

Vorab warnte Thomas Bach als Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) bereits, der nationale Anspruch, erneut zu den fünf besten Nationen zu gehören, könnte unbefriedigt bleiben: Sofern die finanzielle Basis nicht verbessert werde, bestehe die Gefahr, „dass wir mittelfristig nicht mehr in der internationalen Spitze mithalten können“, sagte Bach.

Die Lage des deutschen Sports diskutieren Ruder-Weltmeister Kristof Wilke , Turn-Europameister Philipp Boy , Fünfkampf-Olympiasiegerin Lena Schöneborn, Kugelstoß-Weltmeister David Storl mit ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz und Christa Thiel , Schwimmverbands-Präsidentin und im DOSB für den Leistungssport verantwortlich.

Morgenpost Online: Lohnt es sich hierzulande überhaupt noch, Olympiasieger zu werden?

Kristof Wilke: Finanziell gesehen lohnt sich das für einen Ruderer ganz sicher nicht. Selbst bei zwei Siegen würde man nicht reich werden. Ich jedenfalls kenne keinen, dem das geglückt ist.

Lena Schöneborn: Ich bin doch nicht wegen des Geldes zum Sport gekommen, sondern weil mir das Training Spaß macht. Klar, ist es eine zusätzliche Motivation, wenn du weißt, die Welt schaut alle vier Jahre auch auf die kleinen Sportarten. Vor vier Jahren in Peking war es für mich das Größte, überhaupt dort starten zu dürfen. Ich habe mitgenommen, was ich konnte. Es war alles so aufregend und spannend: die Eröffnungsfeier, das Athletendorf. Was dann sportlich hinzukam, war ein Bonus, der es mir heute ermöglicht, mich über meinen Sport selbst zu versorgen. Das hätte ich nie gedacht.

David Storl: Ich denke nicht darüber nach, was mir ein Olympiasieg an Vergünstigungen bringen würde. Ich möchte erst einmal die Goldmedaille haben, denn davon träume ich, seit ich mit dem Sport begonnen habe. Was danach kommt, werden wir sehen.

Wilke: Es geht doch keiner zu Olympia, um sich dort eine Plattform für den späteren Beruf zu schaffen. Sicher gibt es Unternehmen, die auf Olympiasieger aufmerksam werden, weil sie sich sagen, als Champion besitzt er spezielle Charaktereigenschaften, die zum Unternehmen passen. Bei einer Firma als Olympiasieger eher eine Anstellung als ein anderer zu bekommen, ist aber nicht selbstverständlich.

Philipp Boy: Es kommt auf den Blickwinkel an: aus Sicht eines Top-Golfprofis etwa ist es natürlich nicht viel, was wir für einen Olympiasieg bekommen. Es gibt Nationen, die zahlen sechsstellige Prämien, eine lebenslange Rente oder bieten umfangreiche berufliche Vorteile. Die Sporthilfe tut, was sie kann, und zahlt einiges, oder man darf ein Jahr lang von Mercedes ein Auto fahren. Der große Reibach ist das bei uns nicht. Das ist aber auch nicht entscheidend.

Christa Thiel: Ich finde, man sollte da nichts abwerten. Es ist doch etwas Einmaliges, wenn sich einer beim bedeutendsten Sportereignis der Welt die Krone aufsetzen darf. Das ist es doch auch, was einem immer bleibt und auf alle Zeit Balsam für die Seele ist.

Dieter Gruschwitz: Ich glaube, dass man Olympia nicht zu sehr unter materiellem Aspekt sehen sollte. Das ist ja bei Lena schon angeklungen. Die Tatsache, bei solch einem Großereignis dabei zu sein, auf sich aufmerksam zu machen für eine kurze Zeit, das ist das Wesentliche, gerade in kleinen Sportarten.

Boy: Olympia bietet nun mal die einmalige Chance, übers Fernsehen so richtig in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Ich sehe darin auch ein Sprungbrett, um finanziell etwas zu schaffen. Das Fernsehen braucht man einfach dazu. Und sonst zeigen sie ja praktisch nichts von unserem schönen Kunstturnen. Voriges Jahr bin ich in Berlin zum ersten Mal Europameister geworden. Hat mich jemand danach im Fernsehen gesehen? Nein, leider. Ich war überall in den Printmedien, aber im TV ist nichts passiert und somit auch nicht bei der Vermarktung.

Gruschwitz: Bei Judo-Olympiasieger Ole Bischof, den ich gut kenne, war das anders. Nach Peking hat er für sich und die Sportart unheimlich viel Werbung machen können.

Storl: Und ist er Millionär geworden?

Gruschwitz: Ganz sicher nicht.

Boy: Aber Gewichtheber Matthias Steiner schon, oder?

Morgenpost Online: Als er Olympiasieger wurde, zeigte er unter Tränen auf der Wettkampfbühne ein Foto seiner Frau, die ein Jahr zuvor tödlich verunglückt war.

Schöneborn: Das war schon eine bewegende Geschichte. Matthias ist aber auch sonst ein uriger Typ.

Morgenpost Online: Was würden Sie den anwesenden Athleten raten? Sollten Sie etwa Ihre Hüllen fallen lassen?

Thiel: Getan haben das ja schon einige.

Morgenpost Online: Sind dabei aber nicht immer gut gefahren, oder?

Thiel: Ich möchte da keinen bevormunden. Es ist zudem die Frage, ob wir Aufmerksamkeit gleichsetzen mit wirtschaftlichem Erfolg. Es gibt so viele Topathleten, die, auch ohne Millionen im Rücken zu haben, glückliche und zufriedene Menschen sind. Gefragt ist eben ein besonderer Typ. Ich kann das aus meinem Verband ganz gut beurteilen. Einige Schwimmer verdienen teilweise sehr gutes Geld, interessanterweise auch ohne olympisches Gold.

Morgenpost Online: Macht Sie das neidisch?

Boy: Dadurch würde sich meine Lage auch nicht ändern. Neid kenne ich grundsätzlich nicht.

Schöneborn: Ich auch nicht. Und man darf auch nicht die Kehrseite des Rampenlichts vergessen. Mehr Aufmerksamkeit bedeutet auch mehr Einschränkung im privaten Leben. Ich kann in aller Ruhe shoppen gehen, ohne dass gleich jeder ein Autogramm möchte.

Gruschwitz: Ich warne jeden Sportler davor, sich ausschließlich über Fernsehpräsenz, Vermarktung und finanzielle Absicherung zu definieren. Er sollte sich über seine eigenen Erfolge, durch die Glücksgefühle, Glücksmomente, die er dadurch hat, definieren. Das ist ein hehrer Ansatz, doch wenn man sich immer nur die anderen Ziele setzt, wird man krank, läuft unzufrieden durchs Leben und wird letztlich nicht in der Lage sein, große Leistungen abzurufen.

Wilke: Sie sprechen mir aus dem Herzen. Wir sollten uns über unsere Situation nicht immer nur beklagen und jammern. Niemand hat uns gezwungen, Leistungssport zu machen, und man kann ja auch aufhören, wenn es einen nicht weiterbringt. Der Deutschland-Achter ist zwar inzwischen wieder zum Begriff geworden, doch die einzelnen Crewmitglieder kennt kaum jemand. Damit habe ich mich abgefunden. Auch dass unsere Rennen nur selten im Fernsehen zu sehen sind, bereitet mir keine schlaflosen Nächte.?

Morgenpost Online: Obwohl der Achter inzwischen eine richtig spannende Story ist. Sie sind seit 30 Rennen unbesiegt, haben drei Jahre hintereinander den WM-Titel gewonnen und könnten durch den Olympiasieg zu deutschen Stars werden, von denen es nicht viele gibt.

Wilke: Schön wär’s, aber ich habe da keine Illusionen, auch als Schlagmann nicht, gleichwohl man da noch eine etwas herausgehobene Stellung besitzt.

Morgenpost Online: Herr Gruschwitz, wäre es fürs Fernsehen nicht reizvoll, den Achter bis zu den Spielen intensiv zu begleiten?

Gruschwitz: Durchaus. Wir sind in den Planungen. Eine super Geschichte ist es auf jeden Fall. Grundsätzlich finde ich aber, dass ein Sportler nie die Erwartung haben darf unter dem Motto: Jetzt sind Olympischen Spiele oder eine Weltmeisterschaft im eigenen Land und automatisch wird bei Erfolg alles besser.

Morgenpost Online: Was spricht denn dagegen?

Gruschwitz: Lena, nehmen wir dein Beispiel. Im Jahr nach dem Peking-Erfolg war die WM in Leipzig, die Quoten waren aber wesentlich geringer als bei Olympia. Die Nachhaltigkeit ist meistens ernüchternd. Bei der Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft bewegten wir uns bei Deutschland-Spielen zwischen 15 und 20 Millionen Zuschauern. Inzwischen stehen wir wieder bei zwei, drei Millionen. Nach den meisten Highlights geht das Interesse nun mal leider wieder zurück.

Morgenpost Online: Es gibt vom DOSB die Forderung, dass die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten gemäß ihres Sendeauftrags nicht nur quotenorientiert über den Sport berichten sollen.

Gruschwitz: Dem versuchen wir auch gerecht zu werden. ARD und ZDF sind aber keine Fernsehanstalten, die nur Sport übertragen. Ein Sender muss bei seiner Programmgestaltung auch die Interessen anderer gesellschaftlicher Gruppen akzeptieren, berücksichtigen und realisieren.

Boy: Das heißt?

Gruschwitz: Wenn wir im ZDF eine Sondersendung im Turnen oder Rudern machen, verdrängen wir ein Programm. Wenn du etwas rausdrückst, musst du auch besser sein als das andere. Über olympische Kernsportarten wie Schwimmen, Leichtathletik oder Turnen berichten wir trotzdem, auch wenn der Quotenerfolg nicht da ist. Allerdings kannst du das nicht auf Dauer machen.

Morgenpost Online: Können Sie ein Beispiel nennen?

Gruschwitz: Triathlon. Nach dem Olympiasieg von Jan Frodeno und dem WM-Titel zuvor von Daniel Unger haben wir die Sportart verstärkt gezeigt. Nach drei Jahren mussten wir uns aber eingestehen: Es wurde nicht angenommen. Als national aufgestellter Sender können wir dann nicht sagen: Wir senden weiter am Zuschauerinteresse vorbei.

Schöneborn: Aber die Wintersportler sind nicht nur an den Wochenenden stundenlang zu sehen. Die können sich wirklich glücklich schätzen.

Gruschwitz: Der Wintersport hat unheimlich viele Vorteile.

Morgenpost Online: Und zwar?

Gruschwitz: Er findet in einem festen Zyklus statt, von November bis März. Da sind alle Weltcupveranstaltungen komprimiert, die Wettbewerbe heißen alle gleich, eben Weltcup – und nicht mal Champions League, Europacup oder, oder, oder. Das ist für die Vermarktung ideal. Dann stimmen sie untereinander ihre Zeitpläne so gut wie möglich ab. Mit den Sommersportverbänden kriegst du das einfach nicht hin. Wir haben ernsthaft über ein Wassersportwochenende nachgedacht. Doch Schwimmer, Kanuten, Ruderer und Segler werden aber aufgrund ihrer unterschiedlichen Wettkampfperiodisierung nie übereinkommen.

Thiel: Die Sommersportarten haben aber auch schon eindeutig geringere Quoten durch die Jahreszeit. Die Finals der Schwimm-Meisterschaften finden am Samstagnachmittag statt. Wer setzt sich da schon vor den Fernseher, wenn die Sonne draußen scheint?

Wilke: Schade wäre nur, wenn sich irgendwann auch in Sachen Olympiabewerbung alles nur noch um Wintersport drehte. Die Wintersportler profitieren ja schon von der vorhandenen Infrastruktur. Eine Bewerbung für Sommerspiele würde dem deutschen Sport im Sommerbereich strukturell eindeutig weiter voranbringen.

Morgenpost Online: Wie viele deutsche Olympiasieger werden denn in London auf den Bildschirmen zu sehen sein?

Thiel: Ich bin nicht diejenige, die großartige Prognosen aufstellt. Wenn jeder beim Höhepunkt seine Bestleistung erreicht, ohne eine Medaille zu gewinnen, wäre das trotzdem ein Erfolg. Ich sage mal, wenn wir in der Nationenwertung Platz fünf von Peking verteidigen, können wir sehr zufrieden sein.

Morgenpost Online: Wenn der seit 1996 rückläufige Trend bei Medaillengewinnen anhält, dürfte das aber kaum zu realisieren sein.

Thiel: Anderswo wird eben nicht geschlafen, sondern werden auch immer bessere Rahmenbedingungen geschaffen. Es gibt Länder, die sich gezielt auf nur ganz bestimmte Sportarten konzentrieren. Dadurch werden die Medaillen insgesamt breiter vergeben. Ich sehe vor allem eine starke Asiatisierung auf uns zukommen. Old Europe muss sich warm anziehen. Unsere Athleten werden aber bestens vorbereitet sein, dessen bin ich mir sicher.

Wilke: Unser Umfeld ist optimal. Alles ist perfekt auf London abgestimmt. Wir werden als Favoriten ins Rennen gehen, das ist klar. Diese Bürde tragen wir gern.

Morgenpost Online: Wäre alles andere als der Olympiasieg eine Enttäuschung?

Wilke: Aus der gegenwärtigen Sicht schon. Wenn ich allerdings an Peking denke, wo wir als Letzte durchs Ziel geschippert sind, wäre ich auch schon mit einer Medaille zufrieden. Zumal ich weiß, was andere Nationen machen, um uns zu schlagen. Es ist schon beängstigend, was die Engländer aufziehen.

Boy: Bei uns trifft das auf die Russen zu, die wieder eine junge starke Mannschaft haben. Die Amerikaner schaffen es bei Höhepunkten immer, sich 200 Prozent zu steigern. Es hat uns in Peking so gewurmt, dass die Amerikaner uns noch den dritten Platz weggenommen haben. Es ist jedem von uns ein inneres Bedürfnis, die Amis zu besiegen. Dann würden wir bestimmt Dritter werden. Die Japaner und Chinesen turnen in einer eigenen Liga.

Morgenpost Online: Und im Einzel-Mehrkampf, da gelten Sie als Mitfavorit?

Boy: Mit dem Japaner Kohai Uchimura turnt dort ein Außerirdischer. Es wäre das Größte, Silber abzufassen.

Schöneborn: Für mich stehen meine eigenen Leistungen im Vordergrund, mit der Ausrichtung bin ich als Sportlerin groß geworden. Wenn ich mich ständig nur mit dem Endergebnis beschäftigen würde, bringt mich das nicht voran. Wenn es mir gelingt, mich in jeder Disziplin zu verbessern, stimmt auch das Endergebnis. Dann wäre ein zweites Peking möglich.

Morgenpost Online: Herr Storl, und Sie?

Storl: Nach meinem Weltmeistertitel sind die Erwartungen natürlich hoch. Wenn ich mit einer guten Weite Zweiter oder Dritter werde, wäre ich auch happy. Ich weiß aber, dass jeder schlagbar ist. Ich freue mich schon jetzt riesig auf London. Im Gegensatz zu euch sind es meine ersten Spiele.

Wilke: Ich hoffe nur, dass es diesmal Spiele für Athleten werden und nicht so wird wie in Peking. Dort habe ich mich gefühlt wie ein Pausenclown, der zwar für Erheiterung sorgen durfte, ansonsten aber kaum eine Rolle gespielt hat. Ich hatte den Eindruck, es drehte sich alles nur um Sponsoren und Politiker.

Thiel: Im Gegensatz zum Gigantismus von Peking wird in London sehr viel Traditionelles genutzt. Das sorgt schon für eine andere Atmosphäre.

Morgenpost Online: Die möglicherweise durch extreme Sicherheitsvorkehrungen gestört werde könnte.

Gruschwitz: Allein die Maßnahmen, von denen wir wissen, sind schon exorbitant. Die Fahrtlogistik wird dadurch unheimlich verkompliziert. Wenn die U-Bahnen wegen einer Bombendrohung nicht mehr fahren sollten, was für London nichts Ungewöhnliches ist, kann Chaos ausbrechen. Der Sicherheitsgedanken bekommt in London eine ganz andere Dimension als bei Spielen zuvor.

Wilke: Man darf einfach nicht daran denken, dass etwas Schreckliches passieren könnte.

Storl: Da wirst du ja irre im Kopf. Ich habe Vertrauen zu den Briten.

Boy: Vor unserer WM in Herbst in Tokio haben mich auch viele gefragt: Willst du da wirklich hin? Du wirst doch da verstrahlt. Und dann konzentriere dich mal auf den Wettkampf. So blöd es klingt, aber du musst, wenn du Höchstleistung bringen willst, alles beiseiteschieben können. Und das kann ich.

Morgenpost Online: Fürchten Sie sich vielleicht vor den Reinigungskräften in London?

Schöneborn: Warum?

Morgenpost Online: Sämtliches Personal wird darauf geschult, Dopingsünder zu entlarven.

Wilke: Die können gern zu uns kommen. Sie werden nichts finden.

Boy: Hoffentlich machen sie aber auch bei allen Nationen die Augen richtig auf.

Schöneborn: Mich stört das nicht. Wir sind doch eh schon gläsern.

Storl: Wir haben schon jetzt keine Privatsphäre mehr. Unser Leben ist voll und ganz auf die strengen Doping-Regularien ausgerichtet.

Morgenpost Online: Das mag sein. Sie haben aber auch Konkurrenten.

Wilke: Es ist schade, dass es mit dem Sport inzwischen so weit ist, dass Usain Bolt Weltrekord läuft und als Erstes gefragt wird: Na, war er auch nicht gedopt? Ich würde auch nicht die Hand für ihn ins Feuer legen. Grundsätzlich sollte man die Leistung eines Sportlers erst einmal anerkennen und nicht alles in Zweifel ziehen. Dadurch verliert man doch jede Freude am Sport.

Schöneborn: Ich kann da eine Anekdote von meiner Schwester erzählen. Als ich meinen Wettkampf in Peking bestritt, saß sie in der Schule. Sie fragten ihre Lehrerin, ob sie sich während des Unterrichts über meinen Wettkampfstand erkundigen dürfte. Die Lehrerin antwortete: Nein, die deutschen Sportler sind doch sowieso alle nur gedopt.

Boy: Und wie reagierte sie?

Schöneborn: Sie haben sich natürlich mächtig geärgert und verstanden die Welt nicht mehr. Am liebsten hätte sie die Lehrerin zum Mond geschossen.

Morgenpost Online: Herr Gruschwitz, wie wird sich Ihr Sender verhalten, wenn es bei den Olympischen Spielen eine Häufung von Dopingfällen gibt??

Gruschwitz: Wir werden darüber in journalistisch angemessener Form berichten, unsere Berichterstattung werden wir aber auf keinen Fall beenden. Die Diskussion hatten wir ja schon einmal. Ich halte sie für ganz gefährlich.

Morgenpost Online: Warum?

Gruschwitz: Die Politik hatte ja gefordert, die Tour de France dürft ihr nicht mehr zeigen, weil der Radsport dopingverseucht ist. Wie weit gehst du dann aber bei Olympia? Zeigst du den Tour-Fahrer, der bei Olympia vornweg fährt, oder zeigst du ihn nicht? Oder was machst du mit den Gewichthebern? Sollen wir Matthias Steiner nicht mehr zeigen, weil es in seiner Sportart noch immer einige Unverbesserliche gibt? Selbst mit dem Wissen, was im Radsport oder im Gewichtheben oder sonstwo alles passiert ist, habe ich mich immer entschieden dagegen ausgesprochen, Sportarten vom Bildschirm zu verbannen.

Wilke: Mit dem Abschalten löst du das Problem ja nicht.