Andre Langes Traum vom fünften Olympia-Gold ist bereits zur Halbzeit fast ausgeträumt. Der 36-Jährige aus Oberhof liegt nach zwei von vier Läufen des Vierer-Wettbewerbs im Whistler Sliding Centre auf Platz drei. Der Rückstand auf den führenden Weltmeister Steven Holcomb (USA) beträgt allerdings schon 0,44 Sekunden. Zweiter ist der Kanadier Lyndon Rush (0,40 zurück).

Um ein Haar hätte Lange seine Hoffnungen auf dem umstrittenen Hochgeschgwindigkeitskurs im zweiten Durchgang ganz begraben müssen. Der erfolgreichste Pilot aller Zeiten verhinderte nur mit Glück und Geschick einen Sturz. „Wir haben versucht, Kampflinie zu fahren. Da passiert so etwas schon mal. Aber wir haben es gerettet“, sagte Langes Anschieber Kevin Kuske.

Andere Fahrer hatten weniger Glück, insgesamt gab es sechs Stürze. Weitere Piloten hatten große Schwierigkeiten. Der ehemalige Weltklassepilot und Doppel-Olympiasieger Wolfgang Hoppe forderte daher: „Es wird zur Farce. Man müsste das Rennen abbrechen. Dann gibt es halt keinen Olympiasieger im Viererbob.“

Trotz des Rückstandes auf Holcomb, der Bahnrekord fuhr, gibt sich Kuske für die weiteren beiden Läufe am Samstag (ab 13.00 Uhr Ortszeit/22.00 MEZ) aber optimistisch: „Wir werden noch einmal angreifen. Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist. Die anderen müssen auch erstnmal heil runterkommen.“

Lange peilt nach seinen Olympiasiegen 2002 und 2006 den Hattrick im großen Schlitten an. Zudem kann er als erster deutscher Mann seine fünfte Goldmedaille bei Winterspielen gewinnen.

Thomas Florschütz (Riesa/0,75) liegt nach zwei Läufen auf Platz fünf, der dritte deutsche Pilot Karl Angerer (Königssee/0,84) ist Siebter. „Die Strecke ist sehr gefährlich. Es ist brutal, was die Bahn den Piloten an Konzentration abverlangt“, sagte Angerer.

Prominentestes Sturzopfer war Alexander Subkow. Der Bob des Russen kippte im ersten Lauf um. Subkow, der im Zweier Bronze hinter Lange und Florschütz gewonnen hatte, musste sich damit von allen Medaillenträumen verabschieden.

Auch die Piloten Wolfgang Stampfer (Österreich), John Napier (USA), John Jackson (Großbritannien), Milan Jagnesak (Slowakei) und Hiroshi Suzuki (Japan) stürzten mit ihren Bobs. Alle blieben glücklicherweise unverletzt.

"Deutschland-Express“ auf Medaillenkurs

Der „Deutschland-Express“ steuert auf Medaillenkurs: Stephanie Beckert, Daniela Anschütz-Thoms und Anni Friesinger-Postma haben im olympischen Team-Wettbewerb der Eisschnellläuferinnen das Halbfinale erreicht und kämpfen am Samstag um Edelmetall. Das Trio, das erstmals in dieser Besetzung startete, setzte sich im Viertelfinale nach einem starken Auftritt mit der besten Zeit aller Teilnehmer gegen den Erzrivalen Niederlande mit 1500-m-Olympiasiegerin Ireen Wüst, Renate Groenewold und Diane Valkenburg in 3:01,95 Minuten mit 1,43 Sekunden Vorsprung durch.

Damit darf das deutsche Team weiter auf eine Wiederholung des Olympiasieges von Turin hoffen. Im Halbfinale am Samstag (ab 12.30 Uhr Ortszeit/21.30 Uhr MEZ) warten überraschend die USA, die sich fast sensationell mit fünf Hundertstelsekunden Vorsprung gegen Weltrekordhalter und Topfavorit Kanada durchsetzten. Vor vier Jahren hatten Anschütz-Thoms und Friesinger-Postma mit Claudia Pechstein Teamgold geholt.

Jörg verpasst Bronze

Snowboarderin Selina Jörg aus Sonthofen hat im olympischen Parallel-Riesenslalom als Vierte die Bronzemedaille verpasst. Die 22-Jährige musste sich im kleinen Finale der österreichischen Weltmeisterin Marion Kreiner geschlagen geben.

Das erste Snowboard-Gold überhaupt für die Niederlande gewann Nicolien Sauerbreij, die sich im Finale gegen die Russin Jekaterina Iljuchina durchsetzte. Fünfte wurde Anke Karstens aus Bischofswiesen, auf Rang acht landete die Turin-Zweite Amelie Kober aus Miesbach, die aber erfreut mitteilte: „Ich werde Mama.“

Curling-Gold für Schweden

Skip Anette Norberg besiegte am Freitag (Ortszeit) vor 5600 Zuschauern im ausverkauften Olympic Center von Vancouver im Finale Gastgeber Kanada mit 7:6 nach Extra End. Vor den Augen des schwedischen Königspaares wiederholten Norberg und ihre Kolleginnen damit den Sieg von Turin 2006.

In einer dramatischen Partie hatten die Kanadierinnen schon wie die sicheren Siegerinnen ausgesehen, doch Skip Cheryl Bernard zeigte Nerven. Im zehnten End kamen die Schwedinnen dadurch noch zu zwei Punkten und glichen zum 6:6 aus. In der Verlängerung hatte Bernard den letzten Stein, schaffte es aber nicht, den besten schwedischen Stein aus dem Haus zu schieben.

Bronze sicherte sich Weltmeister China durch ein 12:6 gegen die Schweiz. Die Eidgenossinnen gaben die Partie nach dem neunten End auf. Skip Mirjam Ott verpasste damit ihre dritte Olympia-Medaille nach jeweils Silber 2002 und 2006. Die Chinesinnen galten vor dem Turnier als einer der Gold-Favoriten, weil sie unter professionellen Bedingungen trainieren können. Die deutsche Mannschaft von Skip Andrea Schöpp hatte das Turnier auf Platz sechs abgeschlossen.

Kanada in Nationenwertung vorn

Vor den letzten neun Entscheidungen gab Deutschland die Führung in der Länderwertung an Kanada ab. Die Gastgeber gewannen durch Charles Hamelin und die 5000-Meter-Staffel zweimal Shorttrack-Gold und setzten sich mit zehnmal Gold, siebenmal Silber und viermal Bronze an die Spitze vor dem deutschen Team (9/11/7) und den USA (8/13/13).

Charles Hamelin und die Männerstaffel haben Gastgeber Kanada zum Abschluss der olympischen Shorttrack-Wettkämpfe in Vancouver zwei Goldmedaillen beschert. Nur eine knappe Stunde nach dem 1000-m-Gold von Hamelin setzte sich der 25-Jährige auch mit seinen Staffelkollegen durch.

Ihre insgesamt dritte Goldmedaille im Pacific Centre gewann die Chinesin Wang Meng über 1000 m. Damit ist die 24-Jährige nach Langläuferin Marit Björgen aus Norwegen die zweite Athletin in Vancouver mit drei Olympiasiegen. Wang, die bereits vor vier Jahren in Turin einmal Olympiasiegerin geworden war, verwies Katherine Reutter aus den USA und Park Seung-Hi aus Südkorea auf die Plätze zwei und drei.

Zuvor hatte Hamelin unter dem Jubel der 12.000 Zuschauer die asiatische Dominanz durchbrochen und in einem spektakulären Finale das erste Shorttrack-Gold dieser Spiele für Kanada geholt. Nach einem Gerangel auf den letzten Metern stauchelte Hamelin über die Ziellinie und gewann vor Sung Si-Bak aus Südkorea und seinem Landsmann Francois-Louis Tremblay (Kanada). US-Superstar Apolo Ohno, der später mit der Staffel seine insgesamt achte Olympia-Medaille gewann, wurde umstrittenerweise disqualifiziert.

Lesen Sie am Samstag in der Tageszeitung "Die Welt", was Frank Wörndl, Silbermedaillen-Gewinner im Slalom 1988, Felix Neureuther bei Olympia zutraut.

dpa, sid/fb