Sie stürzte in einen eiskalten Bach, Ski und Stöcke zerbrachen, der Körper war schwer lädiert: Petra Majdic lag am Boden und schleppte sich trotzdem noch aufs Siegertreppchen - es war ein Happy End wie in Hollywood. „Die Bronzemedaille ist für mich wie eine goldene mit Diamanten“ sagte die slowenische Langläuferin nach ihrem oscarreifen Drama beim Sprint-Rennen im Whistler Olympic Park mit schmerzverzerrtem Gesicht.
Ehe sich Majdic den Ruhm der ersten slowenischen Medaille in einem olympischen Langlaufwettbewerb erkämpfte, spielten sich in den Wäldern des Callaghan Valley offenbar kuriose Szenen ab. Die 31 Jahre alte Topfavoritin erzählte, sie sei beim Warmlaufen in einer „völlig vereisten und nicht gesicherten“ Kurve gestürzt, dabei aus der Spur geraten und drei Meter tief in einen kleinen Wasserlauf mit großen Steinen gefallen. Ein Baum habe auch noch im Weg gestanden.
„Aus und vorbei, dachte ich“, erzählte die wortgewandte, auch verbal zum großen Kino neigende Ausnahme-Sprinterin. Voller Pathos schilderte sie, was zum überaus glücklichen Ende ihres Kraftaktes geführt hatte: „Ich wollte einfach nicht einsehen, dass ich nicht starten kann. Seit 22 Jahren habe ich für meine Medaille gekämpft und so viele Leute in meiner Heimat drückten mir in diesem Moment die Daumen.“
Majdic trat mit starken Schmerzen in Becken und Rücken zur Qualifikation an, mogelte sich als 19. unter die Top 30 und erhielt unmittelbar vor ihrem Viertelfinallauf per Ultraschall-Untersuchung die halbwegs beruhigende Diagnose, dass der befürchtete Rippenbruch ausgeblieben war. „Alle Trainer sind zu mir gekommen und haben mir Glück gewünscht. Das habe ich noch nie erlebt“, behauptete Majdic, die wegen ihres großen Selbstbewusstsein durchaus umstritten ist.
Nach dem Finale musste Majdic dramaturgisch passend von zwei Betreuern zum Siegertreppchen geführt werden. Und noch einmal setzte sie sich danach in Szene. „Ich wusste, dass noch nie eine Slowenin eine Medaille gewonnen hat. Ich wusste, dass ich in überragender Form bin und ich wusste, dass ich nie wieder so eine Chance erhalten werde. Ich habe so viele Pillen eingeworfen. Ich glaube, wenn die Wirkung raus ist, wird es fürchterlich für mich“, sagte sie.
Auch der Abgang von Majdic war selbstverständlich filmreif. Vorsichtig ließ sie sich von ihren zwei Bodyguards in einen großen Jeep helfen - stöhnend vor Schmerz. Ihre Schlussworte: „Ob ich noch einmal wiederkomme, ist fraglich. Aber die 30 Kilometer in zehn Tagen will ich schon gerne laufen.“ Klappe, Majdic, die Zweite.
sid/sip









