Tennis

Berliner Wimbledon-Finalistin Lisicki scheitert auf Hartplatz

Es war ihr erstes Match seit dem Wimbledon-Finale: Die Berlinerin Sabine Lisicki ist beim WTA-Turnier am frühen Mittwochmorgen deutscher Zeit gleich in der ersten Runde ausgeschieden.

Foto: GLYN KIRK / AFP

Die Euphorie von Wimbledon ist verflogen. Auf der anderen Seite des Atlantiks gelten auch für Sabine Lisicki die normalen Gesetzmäßigkeiten der Tennis-Szene. Bei ihrem verspäteten Einstieg in die nordamerikanische Hartplatzsaison musste die zuletzt auch wegen einer Handgelenkverletzung pausierende Berlinerin ihrer fehlenden Matchpraxis Tribut zollen.

Im ersten Spiel nach dem verlorenen Finale von Wimbledon vor fünfeinhalb Wochen unterlag Lisicki in der ersten Runde von Cincinnati/Ohio der Serbin Jelena Jankovic in 2:21 Stunden mit 6:7 (5:7), 7:5, 2:6.

Knapp zwei Wochen vor den US Open in New York (26. August bis 9. September) hat für Lisicki damit ein Rennen gegen die Zeit begonnen. „Ich muss Energie tanken und eine gute Vorbereitung für New York absolvieren“, hatte die 23-Jährige bereits vor der Partie gesagt. Teil zwei ihrer Aussage wird jetzt schwer zu erfüllen sein. In der kommenden Woche will Lisicki noch beim WTA-Turnier in New Haven an den Start gehen.

Acht Doppelfehler

Auch Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner hat das Problem erkannt. „Sabine braucht Matchpraxis vor den US Open. Aber ich bin sicher, dass sie in Flushing Meadows gut spielen wird“, sagte die 40-Jährige. „Es war Sabines erstes Spiel nach Wimbledon und auf Hartplatz. Das ist nicht so einfach.“

Wenige Stunden zuvor hatte sich Lisickis Wunsch nach einem perfekten Start auf dem blauen Deco-Turf-Belag im Lindner Family Tennis Center nicht erfüllt. Immerhin konnte sie sich gegen die einstige Nummer eins Jankovic auf ihre Kämpferqualitäten verlassen. Schon im zweiten Satz war die Power-Spielerin beim Stand von 4:5 und 0:30 nur noch zwei Punkte vom Matchverlust entfernt, doch Lisicki biss und erzwang einen Entscheidungsdurchgang. In dem unterliefen der Weltranglisten-18. aber dann fünf ihrer insgesamt acht Doppelfehler. Allein acht Breakchancen ließ die ansonsten so aufschlagstarke Lisicki zu, von denen Jankovic drei nutzte.

„Härter geht es kaum“

Dass die Wimbledon-Finalistin trotz ihrer Abwesenheit bei den Turnieren in Toronto und Stanford nicht geschludert hat, bewiesen Twitter-Fotos. Auf einem ist Lisicki am Strand von Florida zu sehen, wie sie im tiefen Sand Laufeinheiten absolviert. Ihr Kommentar dazu: „Härter geht es kaum.“

Ein anderes Bild zeigt die Bollettieri-Schülerin nach einer anstrengenden Konditionseinheit in einem Eisbad stehend – das berühmte Lisicki-Lachen auf den Lippen.

Vielleicht hat sich die Fed-Cup-Spielerin die Worte von Roger Federer zu Herzen genommen, der bei der Fitness der gebürtigen Troisdorferin durchaus noch Nachholbedarf sieht. „Das darf keine Schwäche in ihrem Spiel sein“, hatte der Grand-Slam-Rekordsieger der Sport-Bild gesagt.

Die verletzungsanfällige Lisicki selbst weiß, dass sie den Spagat zwischen Trainings-Belastung und Regeneration finden muss. „Ich darf nicht zu früh wieder Turniere spielen, um das Verletzungsrisiko gering zu halten“, hatte sie nach ihrem Wimbledon-Coup mit Blick auf die knüppelharte Hartplatzsaison gesagt.

Stich traut Lisicki in New York viel zu

Der frühere Wimbledonsieger Michael Stich jedenfalls traut ihr den Titel in New York zu. „Wenn sie sich weiterentwickelt, noch mehr lernt und sich verbessert, kann sie ohne Frage die US Open und auch die Australian Open gewinnen“, sagte der 44-jährige Stich.

Allerdings hat Lisicki an das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres nicht die besten Erinnerungen. 2009 musste die Berlinerin mit einem Rollstuhl vom Court gebracht werden, nachdem sie im Zweitrunden-Match gegen Anastasia Rodionova beim Matchball der Australierin böse umgeknickt war. Über das Achtelfinale ist Lisicki in New York bislang noch nie hinausgekommen.