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Sabine Lisicki – Das dramatische Halbfinale im Minutenprotokoll

Nach fast zweieinhalb Stunden steht der Erfolg der 23-Jährigen fest: Durch ein 6:4, 2:6, 9:7 über die Polin Agnieszka Radwanska spielt sich Sabine Lisicki in das Finale – und in die Herzen der Fans.

Foto: GLYN KIRK / AFP

Heute könnte die Berlinerin Sabine Lisicki einen lang gehegten Traum wahrmachen. In Wimbledon könnte sie in das Finale des wichtigsten Tennisturniers der Welt einziehen. Die letzte deutsche Tennisspielerin im Endspiel eines Grand-Slam-Turniers war Steffi Graf. Vor 14 Jahren, ebenfalls in Wimbledon. Im Weg steht ihr nur noch die Polin Agnieszka Radwanska. Nicht nur in der Hauptstadt trauen viele „Bum Bum Bine“ inzwischen sogar noch mehr zu. Bei Lisickis Heimatverein, dem LTTC Rot-Weiß in Grunewald wird auf jeden Fall gefeiert.

Zunächst fand das erste Halbfinale der Damen statt: Bartoli gegen Flipkens.

14 Uhr: Erstes Halbfinale der Damen in Wimbledon: Bartoli gegen Flipkens

Zunächst wird heute die mögliche Finalgegnerin von Sabine Lisicki ermittelt. Marion Bartoli aus Frankreich trifft auf die Belgierin Kirsten Flipkens. Eine Prognose ist gar nicht so leicht: Beide haben noch nie gegeneinander gespielt.

14.11 Uhr: Auf dem Papier ausgeglichen

Tennis lebt von seinen Statistiken. Und die fallen bei Bartoli und Flipkens recht ähnlich aus derzeit. Bartoli ist mit 28 ein Jahr älter als ihre Konkurrentin und rangiert auf Platz 15, fünf Plätze über Flipkens in der Weltrangliste. Bartoli serviert, es geht los.

14.14 Uhr: Bartoli legt vor

Lebhaftes Spiel zum Auftakt. Bartoli nutzt bei 40:30 ihren ersten Spielball zur 1:0-Führung.

14.16 Uhr: Flipkens gibt ihren Service ab

Und schon das erste Break – Bartoli führt mit 2:0. Mit Breaks kennt sich die Französin aus. In ihrem Viertelfinale gegen die US-Amerikanerin Sloane Stephens gab es im zweiten Satz acht vergebene Aufschlagspiele in Folge.

14.25 Uhr: Flipkens kann verkürzen

Nachdem Bartoli ihr Aufschlagspiel zum 3:0 durchgebracht hat, verkürzt Flipkens auf 1:3. Die Belgierin traut sich jetzt mehr zu, wagt auch mal den Gang ans Netz – mit Erfolg.

14.32: Wie stark sind die Nerven?

4:1 für Bartoli, jetzt muss Flipkens sich steigern. Die 27-Jährige ist eine Kämpfernatur: Anfang 2012 litt sie an einer gefährlichen Thrombose und rutschte in der Folge bis auf Platz 262 der Weltrangliste ab. Im Viertelfinale gegen Petra Kvitova vorgestern holte sie einen 0:1-Satzrückstand noch auf. Man bedenke: Kvitova gewann 2011 in Wimbledon.

14.37: Satz eins geht an Bartoli

Das ging schnell: Bartoli sichert sich den ersten Satz mit 6:1.

14.48 Uhr: Wer wäre besser für Lisicki?

Auf dem Papier wäre Marion Bartoli als Weltranglisten-15. die stärkere Gegnerin. Allerdings konnte Lisicki die letzten drei ihrer insgesamt vier Spiele gegen die Französin gewinnen. Gegen Flipkens verlor die Berlinerin zuletzt Ende 2012 beim WTA-Turnier in Luxemburg.

14.52 Uhr: Bartoli zieht davon – 3:0

Und momentan sieht es tatsächlich so aus, als würde Lisickis mögliche Gegnerin Bartoli heißen. Der zweite Satz ist noch keine 15 Minuten alt, und die 28-Jährige liegt bereits mit 3:0 vorne. Bartoli macht unglaublich Druck, Flipkens wehrt sich erfolglos mit vielen Slice-Bällen. Zudem scheint die Belgierin angeschlagen, sie muss sich vor ohrer Bank behandeln lassen

14.59 Uhr: Flipkens wahrt ihre Chancen

Ein wichtiges Break für die Belgierin zum 1:3. Ansonsten wäre das hier wohl die Vorentscheidung gewesen.

15.03 Uhr: Sympathiewerte liegen bei Lisicki

Das englische Publikum hofft auf ein Comeback von Flipkens, die soeben allerdings das 1:4 hinnehmen muss. Seit ihrem Viertelfinale ist Bartoli bei den Zuschauern etwas unten durch: Weil der Stuhlschiedsrichter trotz des Regens nicht unterbrach, beschwerte sie sich lautstark – nicht die feine englische Art. In einem möglichen Finale hätte Sabine Lisicki in Sachen Sympathie definitiv die Nase vorn. In London lieben sie ihren Kampfgeist und ihr Lächeln.

15.08 Uhr: Bartoli serviert zum Matchgewinn

55 Minuten sind gespielt und das könnte es auch bald gewesen sein. Bartoli führt mit 5:2 und kann jetzt bei eigenem Aufschlag alles klar machen.

15.13 Uhr: Bartoli steht im Finale von Wimbledon

Die erste Finalistin von Wimbledon steht fest: Marion Bartoli nutzt ihren zweiten Matchball zum 6:1, 6:2 über Flipkens – ein unerreichbarer Schmetterball. Die Französin ballt die Fäuste und sinkt auf den Boden. Nach einer Umarmung mit Flipkens sinkt sie auf ihrer Bank nieder und kämpft mit den Tränen. Zum zweiten Mal nach 2007 steht sie im Finale des bedeutendsten Tennisturniers der Welt. Damals unterlag sieVenus Williams glatt in zwei Sätzen.

15.21 Uhr: Finalgegnerin ist Bartoli egal

Als faire Sportsfrau lobt Bartoli im Interview ihre Gegnerin, die mit einer Verletzung zu kämpfen hatte. Ein besonderer Dank geht an die französische Nationaltrainerin Amélie Mauresmo, von der sie viel Unterstützung erhält. Auf wen sie im Finale trifft, ist ihr relativ egal. Sie sei bereit für beide, Sabine Lisicki und Agnieszka Radwanska, sagt sie. Jetzt wolle sie sich erstmal ordentlich von ihrem Physiotherapeuten durchmassieren lassen – und dann schlafen.

15.25 Uhr: Jetzt wird es ernst

Jetzt wird es ernst für Sabine Lisicki. Sie kämpft gegen Agnieszka Radwanska um den Einzug ins Finale.

15.26 Uhr: Berlin-Grunewald fiebert dem zweiten Halbfinale entgegen

Inmitten von herrschaftlichen Villen liegt der Tennisclub „Rot Weiß“ in Grunewald. Hierhin ist Lisicki als 13-Jähriges Mädchen täglich aus der Familienwohnung in der Plattenbausiedlung in Hohenschönhausen gegangen, um ihre harten Schläge zu üben. Ihr Vater war Trainer im Klub. Die Vereinsmitglieder treffen sich im Vereinsheim, um das Match gegen Agnieszka Radwanska zu sehen. Präsident Werner Ellerkmann sitzt auf der Terrasse vor dem Vereinshaus und ist etwas nervös. Es passiert ja nicht oft, dass ein Vereinsmitglied ins Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers kommt. Natürlich ist er überzeugt, dass Lisicki es schaffen wird. Aber der Sieg bedeutet noch mehr: Die Stühle im Center Court A, dem Steffi-Graf-Stadion, rosten seit einigen Jahren. Es ist Zeit, dass hier wieder ein großes Turnier stattfindet. Ein Sieg von Lisicki könnte die Hürden dafür beseitigen.

15.31 Uhr: 1:1 im direkten Vergleich

Doch für den ersten Grand-Slam-Erfolg einer deutschen Tennisspielerin seit 14 Jahren muss Lisicki erst die Hürde Radwanska nehmen. Die Polin liegt in der Weltrangliste auf Platz vier, 20 Positionen über der Berlinerin. Zweimal standen beide sich bisher gegenüber, es steht 1:1. Zuletzt gewann Radwanska beim WTA-Turnier ind Dubai Anfang 2012 mit 6:2, 6:1. 2011 siegte Lisicki im US-amerikanischen Stanford mit 7:6, 2:6, 6:2.

15.42 Uhr: Experten setzen auf Lisicki

Glaubt man den Experten, wird Lisicki dieses Spiel gewinnen. Anbei einige Prognosen:

Nick Bolletieri, Trainer-Legende: „Wenn du die Hitze nicht aushältst, gehe raus aus der Küche – so einfach und brutal ist es. Vor allem in Wimbledon, beim wichtigsten und schönsten Turnier des Jahres. Sabine hat eindeutig das Potenzial, um hier zu gewinnen.“

Steffi Graf, Ex-Spielerin: „Ich glaube, sie hat eine gute Chance, ins Endspiel einzuziehen.“

Michael Stich, Ex-Spieler: „Sie hat absolut die Chance, Wimbledon zu gewinnen.“

Es geht los, Radwanska schlägt auf!

15.47 Uhr: Zwei deutsch-polnische Lebensläufe

Die Geschichten von Lisicki und Radwanska ähneln sich. Die Berlinerin verbrachte einige Jahre ihrer Kindheit in Polen, als sie zehn war zogen die Eltern nach Berlin. Radwanska lebte bis zu ihrem sechsten Lebensjahr im nordhrein-westfälischen Gronau, wo ihr Vater als Tennistrainer arbeitetete. Beide Spielerinnen sind vom Engagement ihrer Väter geprägt, Richard Lisicki und Mutter Elisabeth sind immer auf der Tour dabei. In London wohnt die Familie in einem Miethaus in Wimbledon Village. „Wir sind eine super WG im Moment“, sagt Lisicki. Und vor allem das Essen aus Muttis Küche gibt ihr Kraft.

15.50 Uhr: 2:1 für Radwanska – in Grunewald herrscht Gelassenheit

Beide bringen ihre Aufschlagspiele bislang durch, Radwanska führt mit 2:1. Erster sanfter Applaus für eine starke Rückhand von Lisicki auf dem Gelände ihres Heimatklubs Rot-Weiß. Tennis ist eben nicht Fußball. Noch, sagt ein Herr, gebe es ja keinen Grund zur Aufregung.

15.55 Uhr: Es geht um eine Premiere

Nach Einstand holt Lisicki sich doch den 2:2 Ausgleich. Weder Radwanska noch Lisicki konnten bisher ein Grand-Slam-Turnier gewinnen. Radwanska unterlag in Wimbledon im Vorjahr Serena Williams in drei Sätzen. Für Lisicki war 2011 im Halbfinale Schluss: 4:6, 3:6 gegen Maria Scharapowa.

16 Uhr: Lisicki beliebter als Andy Murray

Wie sehr Großbritannien Lisicki die Daumen drückt, zeigt ein Facebook-Post auf ihrer Seite. Dort schreibt ein schottischer Fan über Lisicki: „Liebenswerte Lady und eine großartige Spielerin. Wenn Andy Murray eine Persönlichkeit wie sie hätte und sich so sehr über Siege freuen würde, würden ihn auch mehr Leute mögen.“ Zur Ergänzung: Andy Murray ist die große britische Hoffnung auf einen Wimbledon-Sieg.

16.04 Uhr: Lisicki geht in Führung

Da ist das erste Break für Lisicki! Zuerst vergibt sie drei Break-Bälle, doch dann bleibt sie dran und holt das Spiel. Wichtige 4:3-Führung.

16.06 Uhr: Lisicki baut Vorsprung aus

Tennis-Regel Nummer 294: Das schwerste Aufschlagspiel ist das nach einem gewonnen Break. Lisicki kümmert das wenig. Souverän und mit etwas Glück bei einem Netzroller holt sie sich die 5:3-Führung.

16.10 Uhr: Radwanska bleibt im Spiel

Man darf die Polin nie abschreiben. Sie gilt als cleverste Spielerin auf der Tour und ist unheimlich zäh. Man kann sie mit dem spanischen Profi David Ferrer vergleichen: Auch der bringt fast jeden Ball zurück. Doch jetzt steht es 5:4 für Lisicki, sie serviert zum Satzgewinn.

16.15 Uhr: Lisicki gewinnt den ersten Satz

Die Hälfte des Weges ist geschafft! Lsicki holt sich Durchgang eins mit 6:4, ballt die Faust und brüllt das obligatorische „Come on!“ über den Center Court.

16.18: Jetzt heißt es: Daumen drücken

Es ist ein Spiel wie bei den Herren: Jedes Break kann die Entscheidung bedeuten. Lisicki hält ihren Aufschlag bislang und konnte Radwanska den eine entscheidende Service abnehmen. Bei Rot-Weiß in Grunewald waren ihre Fans doch angespanter als zunächst vermutet: „Na also!"“, ruft eine Dame und geht mal eben raus, um frische Luft zu schnappen.

16.25 Uhr: Auf Break folgt Re-Break

Lisicki legt furios los und nimmt Radwanska sofort den Aufschlag ab. Doch die kontert eiskalt mit einem Re-Break. Das wäre die große Chance für die Berlinerin gewesen, sich früh abzusetzen. „Es ist das ausgeglichene Match, mit dem ich gerechnet habe“, sagt Markus Zoecke, ehemaliger Berliner Tennis-Star, der sich in Lisickis Klub in Grunewald das Spiel anschaut. Ein Spiel auf hohem Niveau sei es – am Ende könne enstcheidend sein, dass Radwanska körperlich offenbar angeschlagen ist.

16.30 Uhr: Mit dem richtigen Trainer zum Erfolg

Zeit für einen kurzen Rückblick: Die bisherige Saison von Lisicki glich einer Achterbahnfahrt. Guten Leistungen folgten schwer erklärbare Erstrundenniederlagen. Das Problem: Lisicki fand keine Konstanz. Zweimal wechselte sie den Trainer. Der Spanier Ricardo Sanchez hatte zu unkonventionelle Trainingsmethoden, mit Robert Orlik, der auch Mona Barthel und Annika Beck betreut, lief es nicht besser. Seit etwa einem Monat wird sie neben Vater Richard nun von dem Belgier Wim Fissette trainiert – und das scheint zu passen. Fissette trainierte unter anderem seine Landsfrau Kim Clijsters vor den US Open 2010 – die sie dann prompt gewann. Vielleicht gibt es Wimbledon 2013 eine Parallele.

16.37 Uhr: Lisicki verliert Nervenkrieg

Das spannendste Spiel bisher: Radwanska kratzt am Break, dann vergibt Lisicki mehrere Spielbälle, wieder hat Radwanska zwei Beak-Bälle, von denen sie den zweiten nutzt. Die Polin führt jetzt mit 3:1 und serviert. Jetzt muss Lisicki ihre Nervenstärle ausspielen. Der legendäre US-Coach Nick Bollettieri, in dessen Akademie in Floriada sie trainierte, sagt: „Sie hat eine Eigenschaft, die ganz große Spieler haben – nämlich den Spielstand fast komplett auszublenden und sich zu sagen: ‚Gewinn einfach den nächsten Punkt, dann den nächsten Punkt – bis zum Sieg.‘“

16.39 Uhr: Berlinerin back in the game

Und tatsächlich: Lisicki holt sich das Re-Break mit Hilfe ihres unnachahmlichen Angriffspiels. 2:3, damit ist wieder alles offen in diesem zweiten Satz!

16.45 Uhr: Rückschlag im Break-Festival

Nick Bollettieri behält erstmal nicht recht: Schon wieder verliert Lisicki ihren Aufschlag und hadert. 4:2 für Radwanska, jetzt wird es eng.

16.47 Uhr: Weisheiten vom Altmeister

Berlins ehemaliger Tennis-Star Markus Zeocke kennt Situationen wie die jetzige von Lisicki: „Man hat immer Krisen im Match, aber man muss zurückkommen. Das macht sie bisher sehr gut. Nach zwei Breaks muss man dem Gegner zeigen: Das bringt nichts, ich bin trotzdem besser. Aber die Krise ist noch nicht überwunden.“, erzählt er beim LTTC Rot-Weiß in Grunewald. Sein Wort in Lisickis Ohr.

16.51 Uhr: Radwanska gleicht aus

Die Zuschauer bekommen eine Zugabe für ihr Geld: Lisicki bringt ihr drittes Aufschlagspiel in Folge nicht durch und verliert den zweiten Satz mit 2:6. Jetzt geht es wieder bei null los.

16.54 Uhr: Wer setzt sich hier durch?

Lisicki müsste frischer sein, ihr Viertelfinale gegen Kaia Kanepi dauerte nur eine Stunde und fünf Minuten. Radwanska stand gegen die Chinesin hingegen zwei Stunden und 34 Minuten auf dem Platz. Und: Mental könnte die Berlinerin noch von ihrer sensationellen Achtelfinalpartie zehren. Da gewann sie trotz 2:4-Rückstand im dritten Satz ihr Match gegen die Weltranglistenerste Serena Williams.

17.02 Uhr: Zu viele unerzwungene Fehler

Zwei einfache Bälle ins Netz geschlagen – und schon führt Radwanska mit 2:0. Ein Blick auf die Spielstatistik verrät, was hier für Lisicki gerade falsch läuft: Die 23-Jährige kommt auf 33 unerzwungene Fehler – ein katastrophaler Wert. Radwanska hat derer erst fünf produziert.

17.07 Uhr: Jetzt wird es eng

Radwanska dreht ein 0:30 und geht mit 3:0 in Führung. Die Frau ist ein Phänomen: Sie spielt überhaupt nicht spektakulär, aber dafür fehlerlos. So hat sie in der dritten Runde der French Open bereits Newcomerin Dinah Pfizenmaier zermürbt. Die Deutsche schlug härter und platzierter, machte aber viel mehr Fehler.

17.09 Uhr: Beten für das Binchen

Daumendrücken im Klubheim von Rot-Weiß: „Binchen kommt zurück“, sagt eine Dame. Prompt verkürzt Lisicki auf 1:3.

17.13 Uhr: Lisicki verkürzt

Eine wunderbare Vorhand-Cross – und Lisicki verkürzt auf 2:3. Jetzt kann sie bei eigenem Aufschlag ausgleichen. 22 Minuten dauert dieser Satz bislang. Gefühlt sind es zwei Stunden, die Spannung ist zum Greifen. Im Eingangshäuschen in Grunewald schaut eine Dame auf einem Laptop das Spiel. Sie kennt Lisicki seit sie 13 Jahre alt ist. Damals hat sie die Mannschaften hier betreut. Sie drückt die Daumen, ganz fest. „Bine will immer gewinnen, und das schafft sie auch.“ sagt sie.

17.16 Uhr: Der Ausgleich!

3:3 – eine Aufholjagd à la Lisicki. Radwanska schüttelt genervt den Kopf, verständlich, wenn man eine 3:0-Führung verschenkt. Lisicki muss jetzt das „Momentum“ nutzen, wie man im Tennissport so schön sagt.

17.27 Uhr: Lisicki kurz vorm Finale

Lisicki nutzt beim Stand von 4:4 ihren ersten Break-Ball und serviert jetzt zum Matchgewinn. Was für eine Leistung, beide Spielerinnen sind am Limit. Die Haut glänzt, der Schweiß fließt.

17.32 Uhr: Und weiter im Programm

Chance vertan, Radwanska breakt Lisicki zum 5:5! Wie genau weiß hinterher irgendwie keiner so richtig. Fakt ist: Hier wird weitergespielt, bis eine mit zwei Spielen Vorsprung führt. Einen Tiebreak gibt es im dritten Satz eines Grand-Slam-Turniers nicht.

17.37 Uhr: Rückstand – Lisicki jetzt gefordert

In Lisickis Berliner Klub in Grunewald steigt die Anspannung. Ein Herr dreht sich vom Bildschirm weg. „Ich höre einfach nur noch hin“, sagt er. Und muss mit anhören, wie Radwanska 6:5 in Führung geht.

17.43 Uhr: 6:6

Unglaublich, wie Lisicki in dieser Situation agiert. Sie steht mit dem Rücken zur Wand, doch übernimmt die Initiative und scheucht ihre Gegnerin in die Ecken. Radwanska kann nur reagieren und ist ziemlich entnervt – ihr Schläger fliegt. Es steht 6:6.

17.47 Uhr: Millimeterentscheidung

Lisicki vergibt zwei Break-Bälle. Als Radwanska dann ihren ersten Spielball verwandelt, ruft sie nach dem Hawk Eye – und muss mit ansehen, dass der Ball noch wenige Millimeter auf der Linie war. 7:6 für Radwanska.

17.52 Uhr: 7:7 – wird hier Geschichte gschrieben?

Diesmal tropft der Ball von der Netzkante auf Radwanskas Seite, kein glücklicher Netzroller, und Lisicki gleicht aus. Seit zwei Stunden und sieben Minuten wird hier bereits gespielt. Für einen Grand-Slam-Rekord müssen beide noch ein wenig aushalten: Im Achtelfinale der Australian Open 2011 gewann Francesca Schiavone nach vier Stunden und 44 Minuten mit 6:4, 1:6 und 16:14 gegen Swetlana Kusnezowa.

17.56 Uhr: Chance zum Matchgewinn die zweite

Da ist das Break, und zum zweiten Mal kann Lisicki nun zum Matchgewinnen servieren.

18 Uhr: Sabine Lisicki im Finale von Wimbledon!

Aus, vorbei: Sabine Lisicki aus Berlin steht als erste Deutsche seit 14 Jahren im Finale eines Grand-Slam-Turniers! In einer nervenaufreibenden Partie nutzt sie ihren zweiten Matchball gegen Agnieszka Radwanska zum 6:4, 2:6 und 9:7. Die 23-Jährige sinkt auf den Boden, ballt die Fäuste und wirft ihre obligatorischen Kusshände ins Publikum. Auf ihrer Bank angekommen, kann sie die Tränen nicht zurückhalten. Zu dem Schweiß im Handtuch gesellen sich einige Tränen.

18.08 Uhr: „Ich habe nie den Glauben verloren“

Nachdem sie zahlreiche Autogrammwünsche erfüllt hat, stellt Lisicki sich zum Interview. Sie sei mit Herz und Seele so mitgerissen gewesen, dass sie zeitweise den Zwischenstand nicht mehr wusste. Radwanska habe super gespielt, die letzten drei Spiele seien sehr intensiv gewesen. Die Glückwünsche von Steffi Graf habe sie mitbekommen, aber sie müsse sich jetzt vor allem auf sich und das Finale konzentrieren.

18.15 Uhr: Was bedeutet dieser Finaleinzug für Lisicki?

Zunächst einen großen Batzen Geld: Durch ihren Finaleinzug hat Lisicki 933.600 Euro sicher. Sollte sie gewinnen, würde sich dieser Betrag glatt verdoppeln. Nicht zu vergessen der Imagegewinn: Durch ihr sympathisches Auftreten ( zum Beispiel ein Lächeln, wenn die Gegnerin per Netzroller punktet) hat sie weltweit Fans gewonnen. Bei Twitter ist sie bereits mit Abstand die beliebteste deutsche Spielerin. Ihr Vermakter IMG wird die guten Schlagzeilen möglicherweise in den ein oder anderen Werbevertrag ummünzen.

In der Weltrangliste ist ihr der Sprung von Rang 24 auf 18 sicher. Bei einem Sieg würde sie ab diesem Montag sogar auf Platz 11 geführt – es wäre die beste Platzierung ihrer Karriere.

18.24 Uhr: Was bedeutet dieses Finale für das deutsche Tennis?

Viel. Lisickis Erfolg ist das Sahnehäubchen einer starken Entwicklung im deutschen Damentennis. Seit einigen Jahren zählen die Berlinerin, Angelique Kerber, Andrea Petkovic und Co. mindestens zur erweiterten Weltspitze. Mit Lisicki könnte sich mittelfristig eine zweite Deutsche zu Kerber in die Top Ten gesellen. Auch wenn man sich eine goldene Generation wie diese nicht backen kann, wie Bundestrainerin Barbara Rittner sagt, haben doch einige Maßnahmen gefruchtet. Durch ein starkes Wir-Gefühl untereinander profitieren die Spielerinnen vom guten Verhältnis untereinander, sie geben sich Tipps. Gute Stimmung ist Rittner wichtig. So gelang dem Fed-Cup-Team in diesem Jahr der Aufsteig in die Weltgruppe. Zudem scheinen die Profis aus den Lehrjahren heraus, sie haben sich alle ein gutes Umfeld geschaffen, in dem es sich arbeiten lässt.

Und: Der Nachwuchs ist auf dem Sprung. Mit Annika Beck, Dinah Pfizenmaier und Antonia Lottner haben einige Talente auf sich aufmerksam gemacht. Sie werden in einem besonderen Talent-Team durch die finanzielle Unterstützung eines Autobauers gefördert. Einen solchen Sponsor hat der Nachwuchs bei den Herren zum Beispiel nicht.

18.30 Uhr: Auf Wiedersehen am Sonnabend!

Hiermit verabschieden wir uns von Ihnen und hoffen, dass Sie am Sonnabend ab 15 Uhr wieder bei uns vorbeischauen. Zu Sabine Lisickis Finale gegen Marion Bartoli gibt es bei der Berliner Morgenpost wieder einen Liveblog mit aktuellen Informationen, Hintergründen und Statistiken.

Übrigens: Das letzte Spiel gegen Bartoli konnte die Berlinerin gewinnen. 2011. Auf Rasen. Im Viertelfinale vom Wimbledon. Warum sollte es diesmal nicht ein Finalsieg sein?