Hertha BSC ist der Fußballklub, der die Hauptstadt bewegt. Und als Hertha-Reporter gibt es für den Kollegen Paul Gorgas und mich, Nelis Heidemann, über eine ganze Saison mit allen Aufs und Abs jede Menge Geschichten zu erzählen. Wie sieht unsere Arbeit hinter den Kulissen aus?

Montag

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Für die Berliner Morgenpost beginnt ein Hertha-Spieltag drei Stunden vor Anpfiff, dann geht unser Liveticker zum Spiel online. Das Heimspiel gegen Holstein Kiel (0:1) wurde in der Vorwoche zum Beispiel um 13 Uhr angepfiffen – der zugehörige Ticker war also um 10 Uhr live auf morgenpost.de.

Tag des Lokaljournalismus: So sieht ein typischer Hertha-Spieltag für Reporter aus

Dann stimmen wir die Leserinnen und Leser zunächst auf das bevorstehende Spiel ein. An einem Heimspieltag treffen Paul und ich uns dann das erste Mal etwa anderthalb Stunden vor Anpfiff im Presseraum des Olympiastadions. Der befindet sich im Oberrang der Haupttribüne und ist für uns Reporter erste Anlaufstelle.

Vor dem Kiel-Spiel plauderten wir dort zum Beispiel mit dem Kollegen eines anderen Mediums über die aktuelle Lage von Union Berlin – denn auch wenn wir Hertha-Reporter sind, haben wir selbstverständlich den gesamten Berliner Sport im Blick.

Die Zeitungsreporter arbeiten live mit

Richtig ernst wird es dann für uns, wenn die Aufstellungen bekannt gegeben werden. Paul schreibt Herthas Startelf in den Ticker, ich „drehe die Zeile“, wie es in unserem Fachsprech heißt – das bedeutet, ich gebe dem Online-Artikel, der den Liveticker enthält, eine neue Überschrift mit Hinweis auf die Startelf. „Mit Cuisance als Sechser: Das ist Herthas Aufstellung gegen Kiel“ lautete die etwa beim vergangenen Heimspiel.

Nachdem wir uns dann noch etwas gestärkt haben (im Presseraum gibt es ein Catering mit Currywurst und belegten Brötchen), gehen wir etwa eine Dreiviertelstunde vor Spielbeginn auf unsere Plätze auf der Medientribüne. Dort haben wir Internet und Stromanschluss, können also live zum Spiel mitarbeiten.

Die Pressetribüne des Olympiastadions ist ein frostiger Ort

Wenn nur diese Kälte nicht wäre! Die Pressetribüne liegt im Olympiastadion immer im Schatten. Das ist im Hochsommer ein Vorteil: Wenn es auf dem Platz unten brütend heiß ist, weht bei uns ein laues Lüftchen. Den Großteil des Jahres ist es aber ein Nachteil.

Im Februar dieses Jahres, als Darmstadt 98 zu Gast war (2:2), herrschten zweistellige Minusgrade in Berlin. Auf der Pressetribüne war es dann so eiskalt, dass Paul und ich während des Spiels abwechselnd in den Presseraum gegangen sind, um uns neue Becher Tee zu holen. Sonst hätten wir bald unsere Finger nicht mehr gespürt.

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Immer Hertha - Die Stimmung kippt
Immer Hertha
 

Lange Wege im Olympiastadion

Auch für solche kleinen Notfälle sind wir mit vier Augen bei einem Hertha-Spiel dabei. Aber natürlich nicht nur deshalb: Während der 90 Minuten haben wir alle Hände voll zu tun. Wir pflegen den Ticker, wir drehen Zeile und Bild zu den aktuellen Ereignissen, wir schreiben die Einzelkritik. Diese ist unser zweiter Text des Spieltages: Jeder Spieler erhält eine individuelle Bewertung. Die entsteht während der Partie, live anhand der Ereignisse. Jeder Hertha-Akteur startet bei Note 3: Durch gute Aktionen wie Tore oder Assists verbessert sich seine Note, durch Fehler verschlechtert sie sich.

Während ich dann nach Schlusspfiff die Einzelkritik noch für die Online-Veröffentlichung aufbereite, ist Paul schon auf dem Weg hinunter in die Mixed Zone. Das ist eine lange Strecke, die manch auswärtigen Kollegen zur Verzweiflung treibt: Schließlich sitzen wir während des Spiels fast ganz oben unter dem Dach, und die Mixed Zone ist noch etwas tiefer gelegen als das Spielfeld. Die Treppenhäuser des Olympiastadions haben deshalb schon so manch einen Reporter-Sprint erlebt.

Gang durch den legendären Reportergraben

In die Mixed Zone gelangen wir über den legendären Reportergraben des Olympiastadions. Dort ist Magdeburgs Rayan Ghrieb in der Hinrunde versehentlich hineingesprungen, weil er seinen Siegtreffer gegen Hertha mit den Fans feiern wollte.

Wenn uns im Reportergraben gerade keine Fußballprofis entgegenfliegen, sammeln wir nach dem Gang in die Mixed Zone dann ihre O-Töne zum Spiel ein. Die verarbeiten wir schließlich zu unserem dritten Text des Spieltages: den Hertha-Stimmen. Ungefiltert, direkt aus der Mixed Zone, sind die Leserinnen und Leser so nah wie möglich dabei.

Drei reine Online-Texte, einer für Online und Print

Die Verschriftlichung dieser Stimmen nehmen wir dann im Pressekonferenzraum vor. Dafür müssen wir wieder ein paar Stufen emporsteigen, er liegt auf der mittleren Ebene des Olympiastadions. Nach dem Spiel sind da auch die Trainer zur Pressekonferenz zu Gast.

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Immer Hertha – Marathon-MV mit Sorgenfalten
Immer Hertha
 

Auf deren Basis und garniert mit den Stimmen der Spieler entsteht dann unser finaler Text des Tages: die Analyse. Dort erklären wir, warum Hertha gewonnen hat (oder eben nicht) – und das ist im Übrigen auch der einzige unserer vier Spieltagstexte, den Sie am nächsten Tag in der Zeitung lesen können. Die anderen drei werden nur online veröffentlicht.

„Immer Hertha“-Vodcast, um den Spieltag abzurunden

So ist ein typischer Hertha-Spieltag dann auch für uns Reporter wirklich anstrengend. Seitdem wir dieses Arbeitspensum mit vier Texten fahren, ist es zur Tradition geworden, dass die Berliner Morgenpost den Pressekonferenzraum „abschließt“. Paul und ich sind fast immer die letzten verbliebenen Reporter vor Ort. Beim vergangenen Heimspiel gegen Kiel haben wir etwa um kurz nach 18 Uhr das Stadion verlassen. Wir sind also wirklich einen ganzen Tag mit einem Hertha-Heimspiel beschäftigt.

Hertha-Reporter Paul Gorgas und Nelis Heidemann
Die Hertha-Reporter Paul Gorgas (l.) und Nelis Heidemann nach dem Heimspiel gegen Holstein Kiel am 25. April.© BM | Privat

Die Verlängerung gibt es dann immer montags, wenn wir in unserem „Immer Hertha“-Vodcast den Spieltag nachbesprechen. Dort erzählen wir immer wieder auch kleine Nebengeschichten von unserem Reportererlebnis, wie etwa unsere abgefrorenen Finger vom Heimspiel gegen Darmstadt – zu hören überall, wo es Podcasts gibt und mit Video direkt aus unserem Studio auf dem YouTube-Kanal der Berliner Morgenpost.