Toni Leistner schleuderte die Fleecedecke auf die Bank und kickte eine Trinkflasche quer über den Rasen. Frust beim Kapitän von Hertha BSC, Frust beim gesamten Berliner Fußball-Zweitligisten. 1:2 (1:0) im letzten Heimspiel des Jahres vor 45.767 Zuschauern gegen Aufsteiger SC Preußen Münster. Eine Vorstellung, die dem Hauptstadtklub am Freitagabend Pfiffe statt Punkte einbrachte.

Montag

Immer Hertha-Newsletter

Bestellen Sie hier den wöchentlichen Newsletter zu Hertha BSC

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

„Das sind Fehler, die immer wieder und immer wieder passieren und die nicht passieren dürfen, wenn man irgendwann mal wieder ein Spiel gewinnen will. Da fehlen mir jetzt auch die Worte“, sagte Toni Leistner.

Auch interessant

Scherhant holt erneut Elfmeter für Hertha BSC raus

Im dritten Pflichtspiel in Folge setzte es eine 1:2-Niederlage, zum dritten Mal nach einer eigenen 1:0-Führung. „Wir sind sehr enttäuscht, das letzte Heimspiel in der Hinrunde zu verlieren. Wir haben es nicht geschafft, die Fans mit einem guten Gefühl nach Hause zu schicken“, erklärte Trainer Cristian Fiél.

Der 44-Jährige hatte der Eiseskälte im Olympiastadion getrotzt, sich Mitte der zweiten Hälfte seiner dicken Winterjacke entledigt und war im Trainingsanzug an der Seitenlinie auf und abgelaufen. Wild gestikulierend, hüpfend, animierend. Doch es sollte nichts nützen. Das Engagement des Chefcoaches übertrug sich nicht auf seine Schützlinge auf dem Platz.

Dabei war die Partie – wieder einmal – vielversprechend gestartet. Hertha war dominant, hatte das Geschehen unter Kontrolle und belohnte sich. Derry Scherhant war von Jano Ter Horst im Strafraum zu Fall gebracht worden, Schiedsrichter Lars Erbst zeigte auf den Punkt und Scherhant selbst schnappte sich den Ball. Der Youngster verwandelte, auch wenn SCP-Keeper Johannes Schenk noch die Hand am Spielgerät hatte (28. Minute).

Mehr zum Thema

Kapitän Leistner sieht Blockaden und Fragezeichen

1:0 – ein Szenario, das es in den vergangenen Wochen häufig gab. Und das mittlerweile eine Gefahr für die Berliner ist. So auch gegen Münster. Nach einem souveränen ersten Durchgang kam in der zweiten Hälfte nichts mehr von blau-weißer Seite. Abgesehen von zwei individuellen Fehlern in der Defensive.

Pascal Klemens vertändelte am eigenen Strafraum den Ball, den Daniel Kyerewaa dankend übernahm und zum Ausgleich einnetzte (57.). „Das ist ein Fehler, der einfach nicht passieren darf, aber es ist ein junger Spieler und da passiert so etwas“, versuchte sich Trainer Fiél mit einer Erklärung.

Kapitän Leistner sah in diesem Moment den Bruch im Spiel. „Dann killt dich so ein Fehler einfach“, sagte der Routinier. „Keine Ahnung, was dann auch mit dem Team passiert ist. Irgendwelche Blockaden im Kopf. Wir haben nicht mehr das gespielt, was wir in der ersten Hälfte gespielt haben. Ich habe viele Fragezeichen im Kopf.“

Maza und Niederlechner müssen angeschlagen runter

Fragezeichen, die durch das zweite Gegentor noch verstärkt wurden. Nach einem Freistoß segelte der Ball quer durch den Strafraum, Jonjoe Kenny sprang drunter durch und ermöglichte so SCP-Verteidiger Torge Paetow den zweiten Münsteraner Treffer (87.).

„Die Gegentore sind viel zu einfach. Das müssen wir unbedingt abstellen“, forderte auch Sportdirektor Benjamin Weber. Trainer Fiél ergänzte: „Wie das 1:2 fällt, da musst du dich nicht wundern, wenn du Spiele nicht gewinnst. Das muss man ganz klar so ansprechen.“

Neben der Ergebniskrise der Berliner kommen neue personelle Sorgen hinzu. Ibrahim Maza musste nach einem Pferdekuss nach der Pause raus, Florian Niederlechner hatte muskuläre Probleme und konnte ebenfalls nicht weitermachen.

Reese und Schuler fallen verletzt aus

Neben Kevin Sessa (Muskelverletzung) standen auch Fabian Reese und Luca Schuler nicht zur Verfügung. Reese hatte in dieser Woche Schmerzen im Fuß. Auch wenn keine strukturelle Verletzung vorliegt, wollen sie bei Hertha kein Risiko eingehen. Und Schuler hatte sich am Freitagmorgen eine kleinere muskuläre Blessur zugezogen. 

So fehlten Chefcoach Fiél in der Schlussphase die Möglichkeiten, um noch entscheidend nachzulegen. „Wir gehen hier jetzt nicht mit einem guten Gefühl raus, aber wir haben noch ein Spiel nächste Woche“, blickte Sportdirektor Weber direkt voraus. Auf das Hinrundenfinale am nächsten Sonntag bei Hannover 96 (13.30 Uhr, Sky). Ein Spiel, das viel dazu beitragen wird, ob doch noch vorweihnachtliche Besinnlichkeit in Westend einzieht.

Mehr über Hertha BSC lesen Sie hier.